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China: Fiskal- und Geldpolitik warten zunächst noch ab - Covid-19 bestimmt weiter den Trend


23.02.21 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - China bleibt auch weiterhin auf der Überholspur, allerdings ist eine Drosselung des Tempos zu konstatieren, so die Analysten der Nord LB.

In den letzten zwei Monaten sei der Optimismus etwas zurückgegangen. Insbesondere die Erholungsprozesse im Dienstleistungssektor und im Export scheinen mittlerweile leicht an Dynamik zu verlieren, so die Analysten der Nord LB. Der offizielle CFLP Einkaufsmanagerindex der China Federation of Logistics and Purchasing habe, wie auch der etwas exportlastigere Caixin PMI für den Verarbeitenden Sektor, moderat nachgegeben.

Sogar deutlich rückläufigere Ergebnisse seien von den beiden Umfragen zum Dienstleistungssektor zu verzeichnen gewesen: Jene des CFLP sei von 55,7 auf 52,4 Punkte gefallen, des Caixin von 56,3 auf 52,0 Punkte. Eine wesentliche Rolle spiele dabei, dass China Ende Januar die stärksten Zuwächse seit einem Jahr bei den Neuinfektionszahlen zu verzeichnen gehabt habe. Diese "dritte" Covid-19-Welle sei mit den etablierten Methoden wie lokalen Abriegelungen, Ausgangssperren, Massentests und technologischer Observierung der Bevölkerung bekämpft und nach derzeitigem Stand auch wieder bezwungen worden.

Dabei habe Peking allerdings auch das chinesische Neujahrsfest (ab 12. Februar) mit umfangreichen Reisebeschränkungen versehen. Dies habe zur Folge gehabt, dass viele Arbeitsmigranten am Arbeitsort hätten bleiben müssen, was wiederum die Produktion mehr als sonst üblich zu stützten vermocht habe. Der Dienstleistungssektor sei aber durchaus unter Druck geraten. Dennoch: China habe das Niveau von vor der Corona-Krise überschritten. Das würden die vorgelegten BIP-Wachstumszahlen für das 4. Quartal belegen, in dem das Reich der Mitte einen Zuwachs von 2,6% Q/Q erreicht habe und in der Jahresrate sogar mit 6,5% beträchtlich angestiegen sei. Wie üblich würden während des Neujahrsfests im Februar die Veröffentlichungen der wichtigen Makrodaten zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen ausfallen.

Auch wenn die Infektionszahlen relativ zu anderen Ländern weiter sehr niedrig seien, habe China Obacht zu geben. Zur angestrebten Antreibung des Binnenkonsums müsse jede Verunsicherung in der Bevölkerung durch eine erneute Covid-Ausbreitung vermieden werden. Die Verantwortlichen der Geld- und Fiskalpolitik könnten angesichts der aufgehellten Aussichten weiter abwarten. Im Jahresverlauf werde es aber sukzessiv zu leicht restriktiveren Tendenzen der PBoC und zu einer Konsolidierung der Staatsausgaben kommen. Die Leitzinsen würden dagegen konstant gehalten. Eine konjunkturelle Schwächephase in den USA gegenüber der stabileren Situation in China würden den Renminbi weiter beflügeln. So sei der US-Dollar kurzzeitig bis unter 6,45 CNY gefallen. Eine moderate Gegenbewegung dürfte aber in 2021 erfolgen. (Ausgabe vom 19.02.2021) (23.02.2021/alc/a/a)