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COVID-19-Impfstoff verleiht Markt für Unternehmensanleihen neuen Aufwind


11.11.20 09:45
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das ohnehin schon freundliche Umfeld für Unternehmensanleihen entwickelter Märkte ist mit der Ankündigung eines potenziellen COVID-19-Impfstoffs noch freundlicher geworden, so Mondher Bettaieb-Loriot, Head of Corporate Bonds bei Vontobel Asset Management.

Pfizer und BioNTech seien die ersten Arzneimittelhersteller, die glaubwürdige positive Ergebnisse ihrer COVID-19-Studien vermelden könnten. Es scheine, als könnte ihr Impfstoff 90% der Infektionen verhindern. Die Anlageklasse der Unternehmensanleihen dürfte davon besonders profitieren, da zum jetzigen Zeitpunkt die Erholungsphase des Kreditzyklus im Jahr 2021 eine sichere Sache zu sei scheine.

Gegenwärtig würden die Unternehmen ihre Bilanzen mit Barmitteln stützen, nachdem die Ergebnisse im zweiten und dritten Quartal deutlich besser als erwartet ausgefallen seien. Die verbesserten Unternehmensergebnisse würden auch mit positiven Gewinnrevisionen einhergehen. Dies sei ein Indiz dafür, dass der Kreditzyklus schneller als erwartet durchlaufen und dass die Erholungsphase wohl Anfang nächsten Jahres erreicht sein werde. Die Erholungsphase dürfte sich im Verlauf des nächsten Jahres weiter verfestigen, wobei sich EBITDA und Cashflows schneller als erwartet erholen dürften.

Somit könnten Investoren über schwächelnde makroökonomische Daten, die COVID-19 verursacht habe, hinausblicken - dank der Anpassungen von Unternehmen, Einzelpersonen und Regierungen, welche die Weichen dafür gestellt hätten, die Unternehmen über Wasser zu halten. Die fiskalpolitischen Maßnahmen, die sowohl in den USA als auch im europäischen Raum aufgestockt werden sollten, sollten dafür sorgen, dass die Erholung mit einer Rückkehr zu Vor-COVID-Niveaus bis spätestens Q4/2021 abgeschlossen sein werde. Bereits seit diesem Sommer könne festgestellt werden, dass die Investitionstätigkeiten und -absichten der Unternehmen zugenommen hätten. Das sei ein weiteres gutes Omen für die Erholungsphase des Kreditzyklus.

Die Erholungsphase sei in der Regel der Sweet Spot für Unternehmensanleihen und Kreditspreads, da die Unternehmen ihre Cashflows weiter steigern, tendenziell zum Vorteil von Anleihegläubiger handeln und letztlich Leverage reduzieren würden. In einer solchen Phase würden die Spreads in der Regel schrumpfen und die Experten von Vontobel Asset Management würden davon ausgehen, dass sich die Spreads im Mid-Yield-Bereich weiter verengen würden, da sie bisher noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht hätten.

Nun zur US-Notenbank FED: Auf dem Symposium in Jackson Hole habe der FED-Vorsitzende Jay Powell Revisionen der Langzeitziele vorgelegt, womit bestätigt worden sei, dass die FED über den Mangel an Inflation besorgt sei. Tatsächlich habe die FED angekündigt, dass sie ihre Inflationsstrategie von einem vorausschauenden symmetrischen Inflationsziel von 2% auf eine im Zeitdurchschnitt angestrebte Inflation von 2% umstelle. Die FED glaube, dass dies ihr Inflationsziel besser artikulieren und ein besseres Wirtschaftswachstum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen werde.

Das Streben nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% bedeute, dass die FED die Zinssätze auf Null halten werde, bis die Inflation im Durchschnitt 2% erreiche, was noch einige Jahre dauern könne. Man könne sogar davon ausgehen, dass die FED die Zinssätze für längere Zeit nicht anheben werde, selbst wenn die Inflation einige Jahre lang über 2% lägen sollte. Somit sei es wahrscheinlich, dass die Zinsen in den USA bis 2024 auf der effektiven Untergrenze oder bei Null bleiben würden.

Diese Entwicklungen bei der US-Notenbank FED seien für die Stimmung an den Märkten für Unternehmensanleihen in den Industrieländern äußerst positiv. Sie dürften die Anleger dazu ermutigen, ihre Allokationen zu Unternehmensanleihen zu erhöhen, da sich ihre Zweifel an der konjunkturellen Erholung lichten sollten. Die Veröffentlichung der erfolgreichen Testergebnisse für einen COVID-19-Impfstoff verleihe der Erholung nun eine zusätzliche Dimension und kurbele so die Nachfrage nach Unternehmensanleihen an. Sobald die Unsicherheit abnehme, dürfte die Jagd nach Renditen im Kontext ewig niedriger Zinsen wieder beginnen, zumal der Höhepunkt fundamentalen Kreditrisiken überschritten sein dürfte.

Bei der Erholung gehe es um eine Verbesserung der Kreditkennzahlen. Das gesunkene Kreditrisiko habe bereits begonnen, sich zu manifestieren, wobei sich die Bonitätsveränderungen dank risikomindernder Maßnahmen, wie z.B. niedrigere Dividendenzahlungen, ausgesetzte Aktienrückkäufe, reduzierte M&A-Transaktionen sowie erneute Cashflow-Generierung, stabilisiert hätten. (11.11.2020/alc/a/a)