Bundesanleihen ungebrochen gut nachgefragt - US-Bondrenditen angesichts nachlassender Zinsängste gesunken


02.11.17 12:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat wie erwartet den Leitzins unverändert gelassen, berichten die Analysten der Helaba.

In den begleitenden Kommentaren seien Hinweise auf einen Zinsschritt im Dezember wage ausgefallen. Überraschend ausführlich sei auf die niedrige Inflation eingegangen worden, die man sehr genau beobachten wolle. Einige Marktteilnehmer hätten dies als Zeichen gewertet, dass man sich mit Zinserhöhungen mehr Zeit lassen wolle. Wichtiger für die Märkte scheine derzeit aber ohnehin die Frage, wer die Nachfolge von Janet Yellen antrete und welche Implikationen sich daraus für die künftige Geldpolitik ergeben würden.

Der entmachtete katalonische Präsident Puigdemont sei entgegen anderslautenden Berichten nicht nach Barcelona zurückgekehrt und werde heute nicht zur Anhörung vor dem obersten Gerichtshof erscheinen. Interessiert habe das aber eigentlich niemanden. Den Machtkampf habe Ministerpräsident Rajoy für sich entschieden, bis zur Wahl im Dezember sollten die Risiken überschaubar bleiben.

Das Handelsgeschehen an den internationalen Finanzmärkten sei zur Wochenmitte von wachsender Risikobereitschaft geprägt gewesen. Obwohl es wegen des Feiertages in weiten Landesteilen etwas ruhiger zugegangen sei, habe sich auch der DAX im Fahrwasser von Dow Jones- und Nikkei-Index zu neuen Rekordständen geschwungen.

Bundesanleihen hätten auf hohem Niveau konsolidiert. Die schwindende Risikoaversion habe kaum Auswirkungen auf die ungebrochen gute Nachfrage gehabt. Wegen des Feiertags seien Umsätze in der Kasse aber Mangelware geblieben. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich geringfügig auf 87 BP ausgeweitet. Trotz anstehender Neuemissionen hätten sich französische OATs besser entwickelt. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,76%) und Belgien (0,61%) hätten gegen Bunds einen BP aufgehalten.

An den Bondmärkten der EU-Peripherie sei die Stimmung auch zu Wochenmitte trotz nachgebender Notierungen gut geblieben. Der Nachfrageschwerpunkt habe auf italienischen Titeln gelegen, Bonos hätten vor den heutigen Auktionen Federn lassen müssen. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer (1,46%) und italienischer Bonds (1,79%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 1 bzw. 4 BP ermäßigt. Portugiesen (2,07%) hätten an Boden verloren.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen angesichts nachlassender Zinsängste gesunken. Ausgenommen gewesen seien kurze Fälligkeiten, die der Erwartungshaltung auf einen weiteren Zinsschritt ein diesem Jahr Rechnung tragen würden. Der ADP-Report habe mit einer Zunahme von 235.000 Stellen in der Privatwirtschaft eine Steilvorlage für den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag geliefert. Hauptaugenmerk liege jedoch mit Blick auf die Inflation auf der Lohnentwicklung. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (58,7 nach 60,8) sei im Oktober stärker gesunken als erwartet, stelle aber den robusten Wachstumsausblick nicht infrage. Die PKW-Absätze (18 Mio.) hätten die Prognosen deutlich übertroffen. In Fernost würden US-Treasuries weiter freundlich tendieren, die Aktienbörsen würden keine einheitliche Richtung einschlagen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (162,49) und Bobl-Kontrakt (131,72) hätten 21 bzw. 3 Stellen verloren, der Schatz (112,265) sei unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,38% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 113 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP niedriger bei 2,36% rentieren. Der Euro klettere leicht auf 1,165 USD, der Preis für das Barrel Öl falle auf 54,3 USD.

Die Einkaufsmanager des Verarbeitenden Gewerbes aus Spanien (55) und Italien (57) würden heute ihre Einschätzung liefern, die zur Finalisierung der Umfragen für die Eurozone (58,6) noch benötigt würden.

Die Bank von England müsse sich heute schwierigen Voraussetzungen stellen. Das stärkere Wachstum und Inflationsraten um 3% würden eine Zinserhöhung sehr wahrscheinlich machen.

In den Vereinigten Staaten würden die heutigen Konjunkturdaten auf nur geringes Interesse treffen. Auf dem Fahrplan stünden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (235K) sowie Produktivität (2,6%) und Lohnstückkosten (0,4%) im 3. Quartal. Unbestätigten Meldungen zufolge werde US-Präsident Trump heute den Nachfolger von Janet Yellen bekannt geben. Als Favorit gelte FED-Gouverneur Jerome Powell, der den bisherigen geldpolitischen Kurs fortsetzen dürfte.

Am Primärmarkt versteigere Frankreich Staatsanleihen mit Fälligkeiten 05/2028, 05/2031 und 05/2048 im Volumen von bis zu 8,5 Mrd. Euro. Spanien sei mit 5-, 10- und 23-jährigen Anleihen im Volumen von 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro sowie einem 10-jährigen Linker (250 bis 750 Mio. Euro) unterwegs. Das Land Sachsen-Anhalt habe das Mandat für die Aufstockung einer im Juni 2027 fälligen Landesschatzanweisung um mindestens 250 Mio. Euro erteilt. (02.11.2017/alc/a/a)





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