Bundesanleihen tief ins Minus gerutscht


12.01.18 10:10
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands 2017 blieb mit 2,2% hinter den Erwartungen zurück, so die Analysten der Helaba.

Dennoch sei es das stärkste Wachstum seit 2011 und werde von einem Haushaltsüberschuss von 38,4 Mrd. Euro flankiert. Die Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Regierung kämen allerdings trotz des guten wirtschaftlichen Umfeldes nicht voran. Auch nach 21 Stunden Verhandlungen zeichne sich keine Einigung ab.

Entscheidende Impulse für die Märkte seien jedoch Protokolls der letzten EZB-Sitzung ausgegangen. Wie aus der Mitschrift hervorgehe, könnte der Rat erwägen, mit einer veränderten Wortwahl zur Geldpolitik auf die weiter wachsende Wirtschaft und steigende Inflationsraten zu reagieren. Eine Anpassung der Kommunikation könne schon sehr früh in diesem Jahr erfolgen, bedeute aber keine grundsätzliche Änderung bei der allmählichen Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik. Es sei aber wichtig, "die Forward Guidance entsprechend der Datenentwicklung zu aktualisieren, um abruptere und ungeordnete Anpassungen zu einer späteren Phase zu vermeiden".

An den Bondmärkten seien diese Aussagen als Hinweis auf eine baldige Straffung der Geldpolitik interpretiert worden. Bundesanleihen hätten ihren zarten Erholungsversuch abgebrochen und seien tief ins Minus gerutscht. Während kurze und mittlere Fälligkeiten heftig auf die forcierten Zinserwartungen reagiert hätten, hätten sich ultralange Laufzeiten etwas besser gehalten. Der Abstand zwischen zehn- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 76 BP ermäßigt. Während die Abwärtsbewegung mit einem deutlichen Anstieg des Volumens am Terminmarkt einhergegangen sei, hätten in der Kasse die hohen Beträge aus Tilgungen und Kuponzahlungen Anfang kommender Woche gestützt. 45 Mrd. Euro aus Italien, Österreich und den Niederlanden würden Wiederanlage suchen und sollten einen weiteren Abschwung zumindest erschweren. Zehnjährige Bonds aus Frankreich (0,86%) hätten auf vergleichbare Belgier (0,72%) knapp einen BP verloren.

Anleger an den Bondmärkten der EU-Peripherie hätten nach Auslaufen der ersten großen Emissionswelle dieses Jahres hörbar aufgeatmet. Die Auktion drei- und siebenjähriger BTGPs sei zwar eher schleppend verlaufen, am Ende habe jedoch Erleichterung überwogen. Investoren hätten attraktive Rendite zum Einstieg genutzt, Portugiesen hätten auf den Einkaufszetteln ganz oben gestanden. Der Schwerpunkt des Interesses habe auf langen und ultralangen Laufzeiten gelegen. Der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer (2,03%), spanischer (1,51%) und portugiesischer Bonds (1,79%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5, 5 bzw. 8 BP ermäßigt.

Der US-Bondmarkt habe sich dem Druck aus der Eurozone nicht vollständig entziehen können, habe sich aber nach überraschend rückläufigen Erzeugerpreisen (-0,1%/2,6%; Kernrate -0,1%/2,3%) widerstandsfähig gezeigt. Auch das außerordentlich lebhafte Interesse bei der Versteigerung 30-jähriger Bonds mit einem überdurchschnittlichen 2,74fachen Nachfrageüberhang und einem stolzen Anteil von 71,5% indirekter Gebote habe Zinsängste verscheucht. Der Abstand zwischen fünf- und 30-jährigenTreasuries habe sich auf 54 BP ermäßigt. Die Rekordjagd von Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq habe nicht gestört. In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Aktiennotierungen wenig verändert tendieren.

Bund- (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (160,50) und Bobl-Kontrakt (131,18) hätten 82 bzw. 43 Stellen verloren, der Schatz (111,875) sei 10 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der neuen zehnjährigen Bundesanleihe sei auf 0,57% gestiegen, der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen habe sich auf 115 BP ausgeweitet. Zehnjährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 2,54% rentieren. Der Euro klettere auf 1,206 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 63,60 US-Dollar.

Zum Wochenschluss gehe der Blick an der Datenfront wieder Richtung Vereinigte Staaten. Die Verbraucherpreise (0,1%/2,1%; Kernrate 1,7%) dürften einen nur moderaten Anstieg verzeichnen und die Zinserwartungen nicht weiter beflügeln. Dagegen würden Einzelhandelsumsätze für Dezember (0,5%; ex Auto 0,4%) belegen, dass die US-Konsumenten unverändert guter Dinge seien.

Die italienischen Produktionszahlen (0,6%/3,3%) sollten den positiven Trend in Europa bestätigen, den Markt aber nicht entscheidend bewegen.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Die nächste Woche starte mit der Aufstockung von zehn- und 20-jährigen Bonds der Slowakei. Die Finanzagentur des Bundes biete 1,5 Mrd. Euro der 30-jährigen Bundesanleihe an, Spanien und Frankreich würden heute Einzelheiten ihrer Kapitalmarktauftritte in der zweiten Wochenhälfte bekannt geben.

Die NordLB habe einen zehnjährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -8 BP begeben. Die EIB habe einen 30-jährigen Bond (Oktober 2048) im Volumen von 2,5 Mrd. Euro einen BP über Midswap emittiert. (12.01.2018/alc/a/a)