Bundesanleihen starten mit Kursgewinnen - US-Bondrenditen steigen wieder leicht


03.07.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In letzter Sekunde haben Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer im Asylstreit einen Kompromiss erzielt und den Bruch der Union abgewendet, berichten die Analysten der Helaba.

Mit der beabsichtigten Einrichtung von Transitzentren an der Grenze zu Österreich und Zurückweisung von Asylbewerbern an die zuständigen Länder hätten sich beide Seiten zufrieden gezeigt. Horst Seehofer habe erklärt, er könne nach dieser Entscheidung Innenminister bleiben. Wer wolle das nach diesem Theater aber noch?

Vor dem Hintergrund der innenpolitisch verfahrenen Situation seien Datenveröffentlichungen zur Nebensache geraten. Während sich die Stimmung in der chinesischen Industrie zunehmend eintrübe, würden auch Einkaufsmanagerindices der Eurozone (54,9) trotz eines leichten Anstiegs in Italien zur Schwäche neigen. Werte deutlich oberhalb der Expansionsschwelle würden jedoch kaum Zweifel am Wachstumsszenario, wenn auch mit nachlassendem Schwung, aufkommen lassen.

Wäre da nicht Donald Trump, der mit immer neuen Drohungen die Verunsicherung an den Märkten weiter anheize. Strafzölle und Vergeltungsmaßnahmen würden sich gegenseitig immer weiter aufschaukeln und könnten am Ende den wirtschaftlichen Aufschwung vollends abwürgen. Die Eskalationsspirale im Handelskrieg zwischen den USA und China bzw. anderen Handelspartnern strapaziere die Nerven der Marktteilnehmer aufs Äußerste. Zwar konnte sich hierzulande der DAX nach Handelsschluss mit der Einigung im Regierungsbündnis befestigen, schwache Vorgaben aus Fernost dürften die Investoren aber vor eine harte Probe stellen, so die Analysten der Helaba.

Bundesanleihen seien angesichts des drohenden Bruchs der Regierungskoalition mit Kursgewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Im Fokus hätten erneut ultralange Laufzeiten gestanden. Die Umsätze in Kasse und am Terminmarkt seien stark rückläufig gewesen. Mit der Stimmungsaufhellung am Aktienmarkt habe der Aufwärtsdruck nachgelassen. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 72 BP verharrt. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,65%) und Belgien (0,68%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Anleihen der EU-Peripherie hätten zu Beginn des zweiten Halbjahres erst einmal einen Gang zurückgeschaltet. Der schwelende Streit um die Rückführung von Flüchtlingen belaste maßgeblich BTPs. In die Schwäche hinein hätten sich aber wieder vereinzelt Käufer gefunden. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,29%) und portugiesischer Bonds (1,75%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 1 bis 2 BP ermäßigt, italienische Papiere (264%) hätten ihre Tagesverluste mehr als wettgemacht und am Ende gegen Bunds 2 BP aufgeholt. Spanien werde am Donnerstag überwiegend lange Laufzeiten um 3,5 bis 4,5 Mrd. Euro aufstocken.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nach überraschend guten Konjunkturdaten wieder leicht gestiegen. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe habe mit einem Anstieg von 58,7 auf 60,2 Punkte ein ausgesprochen positives Stimmungsbild für die Industrie gezeichnet. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 25 BP verharrt. Der morgige Feiertag habe jedoch die Aktivitäten gebremst. In Fernost würden US-Treasuries angesichts negativer Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren. Chinesische Staatsmedien würden versuchen die Anleger angesichts starker Kursverluste an den Aktienbörsen zu beruhigen. Alles sei eine "irrationale Überreaktion" wegen des drohenden Handelskriegs.

Der Bund-Kontrakt (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (162,46) habe 4 Stellen zugelegt, Bobl (132,19) und Schatz (112,12) seien 7 bzw. 4 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe habe bei 0,30% verharrt, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 98 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 2,86% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,163 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 74,6 Dollar.

Am Tag vor dem Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten stünden dort Auftragseingänge der Industrie (0%) und PKW-Absatzzahlen (17 Mio.) zur Veröffentlichung an. Stimmungsberichte der Dienstleister würden in den folgenden Tagen den Bogen bis zum US-Arbeitsmarktbericht am Freitag spannen.

Am Primärmarkt stocke Österreich 10- und 19-jährige Bonds um zusammen 1,2 Mrd. Euro auf. Großbritannien biete 10-jährige Gilts im Volumen von 2,5 Mrd. GBP an. Berlin Hyp AG habe einen Hypothekenpfandbrief mit Fälligkeit Oktober 2022 im Volumen von 750 Mio. Euro bei Midswap -10 BP begeben.

Sparebanken Vest Boligkreditt habe das Mandat für einen 5-jährigen norwegischen Covered Bond im Volumen von 500 Mio. Euro vergeben. (03.07.2018/alc/a/a)