Bundesanleihen setzen Konsolidierung fort - US-Bondmarkt uneinheitlich


13.10.17 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die unnachgiebige Haltung der spanischen Regierung lässt erahnen, dass die handelten Personen künftig nicht gemeinsam an einem Verhandlungstisch sitzen werden, berichten die Analysten der Helaba.

Ministerpräsident Rajoy habe die Weichen gestellt, die Regierungskoalition in Barcelona zu entzweien und so Neuwahlen zu provozieren.

Aufgrund der politischen Unsicherheit hätten sich Anleger an den internationalen Finanzmärkten weiter zurückgehalten. Auch die beginnende Berichtssaison sowie die Jahrestagung von IWF und Weltbank mit Kommentaren von Notenbankern und Politikern würden ausreichend Gründe bieten, weiter abzuwarten.

Gute Nachrichten kämen dagegen aus Italien. Die Wahlrechtsreform habe weitere Hürden passiert, allerdings stehe heute noch eine Vertrauensabstimmung auf der Agenda. Gegen den Protest der euroskeptischen Fünf-Sterne-Partei sei aber wichtige Voraussetzungen für die nächste Parlamentswahl geschaffen worden.

Der DAX habe einen Angriff auf die Marke von 13.000 Punkten gestartet, sich jedoch nicht darüber halten können. Trotz der guten Stimmung am Aktienmarkt würden jedoch auch Bondpreise gut unterstützt bleiben. Spanien, Italien oder Nordkorea würden ausreichend Gründe liefern, Sicherheitsaspekte nicht aus den Augen zu verlieren.

Bundesanleihen hätten ihre Konsolidierung mit freundlichem Unterton fortgesetzt, die schwindende Risikoaversion habe der Nachfrage kaum Abbruch getan. Der mittlere und lange Bereich seien in dem von Käufen am Terminmarkt dominierten Handel bevorzugt worden, ultralange Laufzeiten hätten etwas den Anschluss verloren. EZB-Präsident Draghi habe nochmals klargemacht, dass die Notenbank Zinserhöhungen erst sehr lange nach Beendigung der Anleihekäufe in Betracht ziehe. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 85 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,86%) und Belgien (0,72%) hätten ihren Abstand zu Bunds behauptet.

An den Bondmärkten der EU-Peripherie sei die Stimmung gut geblieben. Wegen des Feiertages in Spanien seien Anleger dort jedoch ausgefallen. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer Staatsanleihen (1,62%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3 BP ausgeweitet. Italienische Titel (2,10%) hätten dagegen nach dem Vertrauensbeweis für die Regierung in der Gunst der Anleger ganz oben gestanden und gegen Bunds 2 BP gutgemacht. Die Versteigerung der neuen 3-jährigen BTPs sei zufrieden stellend verlaufen. Mit einer 1,73fachen Überzeichnung waren 7-jährige Titel am besten nachgefragt, das ultralange Segment sei eher vernachlässigt worden. Insgesamt habe das italienische Schatzamt knapp 7,5 Mrd. Euro eingesammelt. Portugiesische Bonds (2,28%) hätten sich stabil gehalten.

Der US-Bondmarkt präsentiere sich nach höheren Preisdaten in uneinheitlicher Verfassung. Während kurze und mittlere Fälligkeiten zunehmenden Zinsängsten Tribut gezollt hätten, hätten lange und ultralange Laufzeiten nach einer sehr erfolgreichen Auktion 30-jähriger Bonds nochmals zugelegt. Bei einem überdurchschnittlichen 2,53fachen Nachfrageüberhang hätten indirekte Bieter knapp 63% der 12 Mrd. US-Dollar aufgenommen.

Der Anstieg der Erzeugerpreise (0,4%/2,6%; Kernrate 0,4%/2,2%) sei nicht nur auf die höheren Benzinpreise zurückzuführen und erhöhe das negative Überraschungspotenzial für die heute anstehenden Verbraucherpreise. Der Arbeitsmarkt präsentiere sich in unverändert robuster Verfassung, rangiere aber in der Prioritätenliste der Anleger nicht an oberster Stelle. In Fernost würden US-Treasuries angesichts fester Aktienbörsen moderat schwächer tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,53) habe 36 Stellen zugelegt, Bobl (131,33) und Schatz (112,165) seien 15 bzw,3 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,44% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen ermäßige sich auf 114 BP.

10-jährige US-Treasuries würden einen BP niedriger bei 2,33% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,185 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 50,50 US-Dollar.

Zum Wochenschluss würden die Verbraucherpreise der Vereinigten Staaten (0,6%/2,3%) in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Gestiegene Benzinpreise als Folge der Wirbelstürme sollten in der Kernrate (0,2%/1,8%) ausgepreist werden. Die Einzelhandelsumsätze (1% bis 7%; ex Autos 0,9%) sollten im September hingegen nicht gelitten, mancherorts sogar von den Naturkatastrophen profitiert haben. Die vorläufigen Umfragen der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen im Oktober (95 nach 95,1) würden den Datenkranz komplettieren.

Nach recht ordentlichen Quartalszahlen von Citigroup und J.P. Morgan würden heute Bank of America und Wells Fargo Einblick in ihre Bücher gewähren.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Die neue Woche starte mit dem Angebot 6- und 10-jähriger Bonds aus der Slowakei. Die Finanzagentur des Bundes plane Auftritt mit den Aufstockungen von 2-jährigen Bundesschatzanweisungen (4 Mrd. Euro) und einer 31-jährigen Anleihe (1 Mrd. Euro). Spanien und Frankreich seien dann in der zweiten Wochenhälfte am Zug. Italien sei zum wiederholten Mal mit einer 20-jährigen syndizierten Anleihe im Gespräch. Großbritannien begebe 10-jährige Gilts im Volumen von 2,5 Mrd. GBP. (13.10.2017/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
163,57 € 163,52 € 0,05 € +0,03% 15.12./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 166,40 € 158,73 €