Bundesanleihen mit kräftigen Kursgewinnen - US-Bondrenditen deutlich gefallen


08.09.17 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat hält den Leitzins bei null Prozent und bekräftigt seine expansive Ausrichtung, berichten die Analysten der Helaba.

Die Cyrans, Schäubles und Fahrenschons dieser Welt seien wieder einmal nicht erhört worden. Trotz Vorlage aktualisierter Projektionen, die ein höheres Wachstum bei leicht fallender Inflation unterstellen würden, sei Mario Draghi eine Entscheidung zum Ausstieg aus den Anleihekäufen schuldig geblieben und vertröste Marktteilnehmer auf die nächste Sitzung am 26. Oktober. Der starke Anstieg des Euro dürfte die abwartende Haltung beeinflusst haben, der Währungskurs sei aber nicht Ziel geldpolitischer Beschlüsse. Auch sonst seien die Formulierungen in den begleitenden Kommentaren bezüglich Dauer und Volumen des Ankaufprogramms weitgehend unverändert zur letzten Sitzung geblieben. Die Leitzinsen würden bis weit über das Ende des QE-Programms auf aktuellem Niveau bleiben.

Während sich der Euro nach der Sitzung gegen den US-Dollar deutlich befestigt habe, hätten die Rentenmärkte entspannt und erleichtert auf die unverändert ultralockere Geldpolitik reagiert. Bundesanleihen hätten nach zögerlichem Start zugelegt und am Ende kräftige Kursgewinne verbucht. Ultralange Laufzeiten hätten dem Kursanstieg angesichts des hohe Angebotes neuer Ware nicht ganz folgen können, sodass sich der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln auf knapp 79 BP ausgeweitet habe. Die Versteigerungen 10-, 19-, 24- und 43-jähriger OATs hätten 9 Mrd. Euro in die Kassen gespült, alle Fälligkeiten seien lebhaft nachgefragt worden. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,61%) und Belgien (0,62%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Die Unentschlossenheit der EZB sei besonders positiv an den Bondmärkten der EU-Peripherie aufgenommen worden. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer (1,48%), italienischer (1,91%) und portugiesischer Bonds (2,70%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4, 7 bzw. 7 BP ermäßigt. Spanien habe reibungslos SPGBs der Laufzeiten 04/2022 (b/c 1,88), 10/2027 (1,97) 07/2033 (1,78) im Volumen von 4 Mrd. Euro emittiert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen angesichts schwacher Jobdaten und Ängsten vor dem nächsten Wirbelsturm deutlich gefallen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (298K) seien aufgrund der Auswirkungen des Hurrikans "Harvey" auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Aussagen des FED-Präsidenten von New York, Bill Dudley, die Notenbank solle trotz verfehlter Inflationsziele den Kurs schrittweiser Zinserhöhungen fortsetzen, hätten kein Gehör gefunden. In Fernost würden US-Treasuries trotz uneinheitlicher Vorgaben von den Aktienbörsen gut behauptet tendieren. In Japan sei die Wirtschaft im 2. Quartal (0,6%/2,5%) langsamer als angenommen gewachsen. Die chinesischen Exporte (5,5% nach 7,2%) hätten enttäuscht, die Importe (13,3% nach 11%) hätten dagegen die Erwartungen übertroffen. Im Vordergrund stünden aber Befürchtungen, Nordkorea könne den morgigen Nationalfeiertag zu weiteren Provokationen nutzen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (163,13) und Bobl-Kontrakt (131,92) hätten 83 bzw. 33 Stellen zugelegt, der Schatz (112,265) sei 9 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,31% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 107 BP ermäßigt. 10-jährige US-Treasuries würden 5 BP niedriger bei 2,04% rentieren. Der Euro klettere deutlich auf 1,207 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 49,20 US-Dollar.

Zum Wochenschluss stünden mit den Produktionszahlen Frankreichs (0,5%/3,6%) und Großbritanniens (0,2%/0,4%) sowie der deutschen Außenhandelsbilanz (Exporte 1,3%; Importe 2,8%) nur Daten auf der Agenda, die zwar wichtig, aber nicht marktentscheidend seien.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant.

Am kommenden Dienstag würden die Niederlande eine 10-jährige DSL um bis zu 3 Mrd. Euro aufstocken. Die Finanzagentur des Bundes sei ebenfalls mit 10-jährigen Titeln im Volumen von 3 Mrd. Euro am Start. Außerdem würden Italien und Irland Kapitalmarktauftritte planen. Das amerikanische Schatzamt versteigere 3-, 10- und 30-jährige Anleihen. Großbritannien sei mit 10-jährigen Gilts im Volumen von 2,5 Mrd. GBP am Start. (08.09.2017/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
161,14 € 161,01 € 0,13 € +0,08% 22.09./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 166,40 € 158,73 €