Bundesanleihen nach den kräftigen Gewinnen des Vortages deutlich abwärts


16.06.17 11:40
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach der feiertagsbedingten Abwesenheit vieler Marktteilnehmer gilt es, Einiges aufzuarbeiten, so die Analysten der Helaba.

Die US-Notenbank habe wie erwartet den Korridor für ihren Leitzins auf 1,0 bis 1,25% erhöht. Gleichzeitig habe sie weitere Schritte für dieses Jahr signalisiert und kündige an, angekaufte Anleihen in Zukunft langsam und schrittweise verkaufen zu wollen. Mit dem nachlassenden Inflationsdruck im Hinterkopf würden die Anleger diese Hinweise aber nicht allzu ernst zu nehmen scheinen.

Die ersten Stimmungsumfragen in der Industrie der Distrikte New York (19,8) und Philadelphia (27,6) seien jedoch besser als erwartet ausgefallen und würden auf ein schwungvolles Wachstum im zweiten Quartal hindeuten. Harte Zahlen wie die rückläufige Produktionszahlen im April und sinkende Einzelhandelsumsätze (-0,3%; ex Auto -0,3%) im Mai würden jedoch eine andere Sprache sprechen.

In Großbritannien habe die BoE wie erwartet den Leitzins bei 0,25% bestätigt, die Entscheidung sei mit 5 zu 3 Stimmen aber sehr knapp ausgefallen. Der Anstieg der Teuerungsraten auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren erhöhe zusehends den Druck auf die Notenbank.

Die internationalen Finanzmärkte hätten mit heftigen Ausschlägen auf die insgesamt doch recht unübersichtliche Gemengelage reagiert. Die Euphorie vor den Notenbanksitzungen sei schnell der Erkenntnis gewichen, dass es von dem eingeschlagenen geldpolitischen Pfad kaum Abweichungen geben dürfte. Gewinnmitnahmen hätten zunächst einmal die Party an den Aktienmärkten beendet, Staatsanleihen hätten davon aber nicht profitieren können.

Auch für die Kurse von Bundesanleihen sei es nach den kräftigen Gewinnen des Vortages deutlich abwärts gegangen. Das zusätzliche Angebot französischer und spanischer Anleihen habe belastet, letztendlich habe sich der Markt aber nach der Notenbanksitzung in England dem Druck auf britische Gilts nicht entziehen können. Trotz des Feiertages hätten sich die Umsätze an der EUREX spürbar belebt. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 81 BP verringert. Der Renditeabstand 10-jähriger Bonds aus Frankreich (0,62%) und Belgien (0,605%) gegenüber Bunds habe sich kaum verändert.

Die Bondmärkte der EU-Peripherie hätten sich etwas besser als die der Kernländer gehalten. Trotz Auktionen in Spanien hätten SPGBs gegen BTPs 2 BP aufgeholt, in der Gunst der Anleger stünden aber unverändert PGBs ganz oben. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer (1,95%), spanischer (1,40%) und portugiesischer Bonds (2,82%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen in den beiden letzten Handelstagen um 1, 3 bzw. 11 BP ermäßigt. Die EU-Finanzminister hätten sich nach zähen Verhandlungen darauf geeinigt, weitere 8.5 Mrd. Euro aus dem Hilfsprogramm an Griechenland auszuzahlen.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nach dem starken Rückgang zur Wochenmitte wieder leicht gestiegen. Fallende Aktienkurse und zunehmende Sorgen wegen der Ausweitung der Ermittlungen in der Russland-Affäre auf US-Präsident Trump würden den Anstieg jedoch in Grenzen halten. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend freundlicher Aktienbörsen knapp behauptet tendieren. Die Bank von Japan habe den Leitzins wie erwartet nicht angetastet.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (164,57) habe 84 Stellen verloren, Bobl (132,75) und Schatz (112,06) seien 38 bzw. 8 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,28% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 93,5 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP höher bei 2,17% rentieren. Der Euro verliere deutlich auf 1,114 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 44,5 Dollar.

Zum Wochenschluss stünden nur Daten mit geringer Marktrelevanz zur Veröffentlichung an. Die Verbraucherpreise der Eurozone (-0,1%/1,4%; Kernrate 0,9%) sollten nur geringen Inflationsdruck erkennen lassen. US-Baubeginne (1218K/3,9%) und Genehmigungen (1249K/1,7%) dürften die gute Verfassung des Wohnungsmarktes unterstreichen. Die vorläufigen Umfrageergebnisse der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen (97) würden kaum Abweichungen zum Vormonat aufweisen.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Nach der regen Emissionstätigkeit in dieser Woche ebbe das Angebot in der kommenden Woche ab. Belgien eröffne den Reigen mit Aufstockungen von 7-, 10-und 30-jährigen OLOs. Zur Wochenmitte biete die Finanzagentur des Bundes eine Mrd. Euro der Bundesanleihe 07/2044 an. Großbritannien verkaufe 2,25 Mrd. GBP 30-jähriger Gilts. (16.06.2017/alc/a/a)





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