Bundesanleihen geben einen Teil der verbuchten Kursgewinne wieder ab


02.10.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Einkaufsmanagerindices des Verarbeitenden Gewerbes Spaniens (51,3) und Italiens (50) liegen nur noch hauchdünn im Expansionsbereich und haben die endgültigen Umfragen für die Eurozone nochmals leicht nach unten gedrückt, berichten die Analysten der Helaba.

Die zunehmenden Wachstumsrisiken dürften Wasser auf die Mühlen einer zurückhaltenden EZB sein. Die Einigung zwischen den USA und Kanada auf ein gemeinsames Freihandelsabkommen mit Mexiko habe indes für gute Laune an den Aktienmärkten gesorgt. Die Flucht in qualitativ hochwertige Rententitel sei im Gegenzug abgeebbt.

Bundesanleihen hätten einen Teil der am Schluss vergangener Woche verbuchten Kursgewinne wieder abgegeben. Mit zunehmendem Druck auf italienische Staatsanleihen habe die Risikoaversion wieder zugenommen. Während kurze und mittlere Fälligkeiten nochmals zugelegt hätten, hätten ultralange Laufzeiten Abschläge verkraften müssen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 63 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,84%) und Frankreich (0,82%) hätten 2 BP höher als deutsche Staatsanleihen rentiert.

Anleihen der EU-Peripherie seien einen zaghaften Erholungsversuch gestartet, könnten sich aber nicht aus der Umklammerung der italienischen Schuldenpolitik befreien. Die Forderungen von EU-Kommission und Finanzministern der Eurozone, die Verpflichtung zum Abbau von Schulden einzuhalten, seien von der italienischen Regierung mit Verweis auf die Situation in Frankreich vom Tisch gewischt worden. Anleger mit erhöhtem Risikoprofil hätten sich an 10-jährigen BTPs versucht, aber den anhaltenden Verkaufsdruck nicht mindern können. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,53%) und portugiesischer Bonds (1,89%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 bzw. 3 BP ausgeweitet, italienische Anleihen (3,29%) hätten erneut 22 BP gegen Bunds verloren.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen trotz der etwas schlechteren Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe kaum von der Stelle bewegt. Der ISM-Index für die Industrie (59,8) liege ohnehin noch weit im Expansionsbereich und lasse kaum Zweifel am guten konjunkturellen Umfeld aufkommen. Die nach der Nafta-Einigung steigenden Aktienkurse hätten nur auf das lange Ende der Renditekurve gedrückt. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 27 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts freundlicher Notierungen der japanischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (158,80) habe 10 Stellen verloren, Bobl (130,79) und Schatz (111,83) seien 5 bzw. 3,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,47% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 101 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 3,08% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,156 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige kräftig auf 75,5 Dollar.

Heute herrsche Ruhe an der Datenfront. Am Tag der deutschen Einheit stünden die Umfragen bei den Einkaufsmanagern aus dem Dienstleistungsgewerbe Italiens und Spaniens auf der Agenda, die den Wert für die Eurozone (54,7) finalisieren würden. Vergleichswerte für Großbritannien (54) und in den USA (ISM-Index 58% nach 58,5%) würden das Stimmungsbild abrunden. Der ADP-Report (185K) liefere eine letzte Indikation für den offiziellen US- Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Am Primärmarkt stocke Österreich heute 5- und 10-jährige Staatsanleihen um zusammen 1,3 Mrd. Euro auf. In der durch den Feiertag verkürzten Börsenwoche würden Spanien und Frankreich ihre Auftritte in der zweiten Hälfte planen. ING-DiBa begebe in Kürze zwei Hypothekenpfandbriefe mit fünf und 15 Jahren Laufzeit. (02.10.2018/alc/a/a)