Bundesanleihen: Kräftige Kursabschläge trotz zunehmender Risikoaversion


03.01.18 10:50
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die leichte Stimmungseintrübung bei den Einkaufsmanagern des Verarbeitenden Gewerbes Spaniens und Italiens kann nichts am positiven Gesamteindruck für die Eurozone (60,6) ändern, berichten die Analysten der Helaba.

Tiefere Einschnitte würden dagegen die Brexit-Diskussionen bei den Vergleichszahlen aus Großbritannien (56,3 nach 58,2) hinterlassen, aber auch hier spreche das absolute Niveau noch für ein robustes Wachstum.

Im Vordergrund der Anlageüberlegungen habe aber zum Jahresbeginn der starke Euro gestanden, der exportorientierten Unternehmen zunehmend Kopfzerbrechen bereite. Während der DAX diese Entwicklung mit Abschlägen quittiert habe, würden sich Investoren an den Bondmärkten über die reduzierte Nachfrage der EZB sorgen. Aussagen von EZB-Direktor Coeure und Österreichs Notenbankchef Nowotny, die QE-Verlängerung könne angesichts des anhaltenden Konjunkturaufschwungs tatsächlich im September auslaufen, hätten zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Das erwartet hohe Volumen neuer Anleihen zu Jahresbeginn mahne außerdem zur Zurückhaltung.

Bundesanleihen hätten nicht von zunehmender Risikoaversion profitieren können. Kräftige Kursabschläge hätten überwiegend lange und ultralange Laufzeiten getroffen, kurze und mittlere Fälligkeiten hätten sich vergleichsweise gut gehalten. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 85 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,80%) hätten trotz der anstehenden Auktionen gegen vergleichbare Belgier (0,65%) einen BP aufgeholt, aber gegen Bunds Federn lassen müssen.

Anleihen der EU-Peripherie würden zum Jahresbeginn besonders unter einer zu erwartenden Emissionsflut bei gleichzeitig geringeren Anleihekäufen der Zentralbank leiden. Politische Unsicherheiten nach dem Wahlsieg der Separatisten in Katalonien bzw. der Auflösung des Parlaments in Italien zu Vorbereitung der Wahl am 4. März würden Anleger zudem in die Defensive zwingen. Auch hier seien längere am stärksten unter Druck geraten. SPGBs würden sich trotz der avisierten Versteigerung vergleichsweise gut halten. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (2,08%), portugiesischer (1,97%) und spanischer Bonds (1,59%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5, 5 bzw. 2 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen deutlich gestiegen. Gute Konjunkturperspektiven, freundliche Aktiennotierungen und ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik seien ein schwieriges Umfeld für Staatsanleihen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 56 BP ausgeweitet. Aus Fernost würden US-Treasuries wegen des Feiertages in Japan keine Vorgaben liefern. Die übrigen asiatischen Aktienbörsen würden überwiegend im Plus handeln.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,33) habe 45 Stellen verloren, Bobl (131,55) und Schatz (111,955) seien 6 bzw. 2,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,47% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen weite sich auf 108 BP aus. 10-jährige US-Treasuries würden 5,5 BP höher bei 2,46% rentieren. Der Euro klettere auf 1,206 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl gebe leicht auf 60,4 US-Dollar nach.

Zur Wochenmitte gehe der Blick über den großen Teich. Nach dem überraschenden Anstieg des Chicago-PMI berge der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (58,2) positives Überraschungspotenzial. Kfz-Absatzzahlen im Dezember (17,5 Mio.) würden den Datenkranz abrunden. Im Vorfeld des US-Arbeitsmarktberichtes sollten sich Marktreaktionen aber in Grenzen halten. Am Abend werde das Protokoll der letzten FED-Sitzung von Mitte Dezember veröffentlicht.

Am Primärmarkt stocke Frankreich am Donnerstag 10-, 15- und 30-jährige OATs um bis zu 9 Mrd. Euro auf. Spanien versteigere 5-, 10- und 28-jährige Bonds sowie 12-jährige Linker im Volumen von 3,5 bis 5 Mrd. Euro. Die LBBW habe einen 7-jährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 1 Mrd. Euro 20 BP unter Midswap emittiert. ABN AMRO habe das Mandat für einen 15-jährigen niederländischen Covered Bond vergeben. Das Land Niedersachsen begebe in Kürze eine 8-jährige Landesschatzanweisung im Volumen von 500 Mio. Euro. Die Republik Irland habe die Syndizierung einer Anleihe mit Fälligkeit 15. Mai 2028 angekündigt. (03.01.2018/alc/a/a)