Bundesanleihen: Aufwärtsbewegung nach zögerlichem Start fortgesetzt


04.08.17 09:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank von England hat angesichts gesunkener Wachstumsprognosen und den der Brexit-Verunsicherung geschuldeten rückläufigen Lohnkosten die Leitzinsen unverändert gelassen, so die Analysten der Helaba.

Interessanterweise hätten dieses Mal nur noch zwei Mitglieder gegen die abwartende Haltung des Rats gestimmt, nachdem bei der letzten Sitzung noch drei für eine Zinserhöhung votiert hätten.

Gegenläufige Entwicklungen bei den Einkaufsmanagern des Dienstleistungssektors Spaniens (57,6 nach 58,3) und Italiens (56,3 nach 53,6) hätten dagegen in der Summe die guten Perspektiven für die Eurozone (55,4) nicht beeinträchtigt.

Vor Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten hätten sich die Anleger lange zurückgehalten, ohne die freundliche Grundstimmung an den Bondmärkten in Abrede zu stellen. Der Überhang aus Tilgungen und Zinszahlungen gegenüber den Emissionsvolumina habe ein Übriges getan. Das gute Klima werde auch nicht durch Sorgen vor einem schnellen Ende der ultralockeren Geldpolitik im Euroraum gestört. Bilanzschrumpfung in den Vereinigten Staaten oder die baldige Ankündigung einer allmählichen Rücknahme der Anleihekäufe in Europa würden Anleger bislang noch nicht schrecken. Die Unfähigkeit der US-Regierung bringe zudem den Fahrplan der US-Notenbank für die nächsten Zinserhöhungen ins Wanken, würden doch Steuerreformen und Infrastrukturinvestitionen reines Wunschdenken bleiben. Ein Wehrmutstropfen im Cocktail der Glückseligkeit könnte die Erhöhung der Schuldenobergrenze einhergehend mit notwendigen Aufstockungen der Emissionsvolumina für US-Treasuries sein.

Nach schwachen Stimmungsindikatoren in den USA hätten Investoren jedoch ihre Zurückhaltung aufgegeben. Die Kurse von Bundesanleihen hätten ihre Aufwärtsbewegung nach zögerlichem Start fortgesetzt. Mit zunehmender Handelsdauer habe die Bewegung an Fahrt gewonnen, Umsätze hätten sich jedoch in überschaubarem Rahmen gehalten. Die psychologisch wichtige Marke von 0,50% für zehnjährige Bunds habe sich als gutes Einstiegsniveau erwiesen, obwohl einige Investoren hier auch ihre Gewinne gesichert hätten. Kurze Laufzeiten seien so gut wie nicht aufgerufen gewesen. Der Abstand zwischen zehn- und 30-jährigen Bundestiteln sei um einen auf 74 BP gefallen. Zehnjähriger Bonds aus Frankreich (0,715%) und Belgien (0,73%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten. Die Auktion von OATs habe knapp 6,5 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült, am stärksten nachgefragt gewesen seien zehnjährige Papiere.

Die Bondmärkte der EU-Peripherie hätten nicht ganz Schritt halten können. Spanien habe Konzessionen bei der Versteigerung von SPGBs im Volumen von gut 3,5 Mrd. Euro akzeptieren können, die Nachfrage sei dann aber zufriedenstellend gewesen. Der Risikoaufschlag zehnjähriger spanischer (1,42%), italienischer (1,975%) und portugiesischer Bonds (2,78%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 2, 1 bzw. 3 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt würden sich die Renditen mit nachlassenden Zinserwartungen an die FED weiter auf dem Rückzug befinden. Die Kurse langlaufender Anleihen seien nach der überraschen deutlichen Stimmungseintrübung bei den Einkaufsmanagern aus dem Servicesektor (53,9 nach 57,4) am stärksten gestiegen. US-Auftragseingänge in der Industrie (3%) und Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe (240K) hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Vorgaben von den Aktienbörsen knapp behauptet tendieren.

Bund- (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (163,45) und Bobl-Kontrakt (132,41) hätten 59 bzw. 10 Stellen zugelegt, der Schatz (112,105) sei unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sei auf 0,44% gefallen, der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen habe sich um 6 BP auf 112 BP verringert. Zehnjährige US-Treasuries würden 3,5 niedriger bei 2,225% rentieren. Der Euro klettere auf 1,189 US-Dollar. Der Preis für das Barrel Öl falle auf 48,90 US-Dollar.

Alle Augen würden sich heute auf den US-Arbeitsmarktbericht richten. Dabei sei die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (189K) oder die Arbeitslosenquote (4,3%) fast schon nebensächlich. Unter besonderer Beobachtung stehe dagegen die Entwicklung der durchschnittlichen Stundenlöhne (0,3%/2,4%), würden sie doch als Maßstab für zunehmenden Preisdruck in einem engen Arbeitsmarkt dienen. Großes Überraschungspotenzial mache man allerdings bei den gegebenen Umständen nicht aus. Eingerahmt werde das Datenhighlight von deutschen Auftragseingänge (0,5%/4,4%) sowie dem Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten (-44,5 Mrd. USD).

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. In der kommenden Woche stocke Österreich die im Oktober 2023 und Februar 2047 fälligen Anleihen auf. Die Finanzagentur des Bundes biete 4 Mrd. Euro der fünfjährigen Bundesobligation an. Italien sei dann zum Wochenschluss an der Reihe. Das amerikanische Schatzamt versteigere drei-, zehn- und 30- jährige Anleihen im Volumen von insgesamt 62 Mrd. USD. (04.08.2017/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
161,14 € 161,01 € 0,13 € +0,08% 22.09./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 166,40 € 158,73 €