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Bund- und US-Renditen auf dem Rückzug nach G7-Treffen


02.06.17 09:15
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Staatsanleihen erfreuten sich angesichts zunehmender politischer Unsicherheit in den vergangenen Tagen einer größeren Nachfrage, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Sowohl die Renditen für zehnjährige US-Papiere als auch für gleichlaufende Bunds hätten 6 bzw. 7 Basispunkte verloren und würden somit gegenwärtig mit 2,21% und 0,29% unter ihrem Niveau in der Vorwoche rentieren. Vor allem der ergebnislose G7-Gipfel, der im Raum stehende US-Ausstieg aus dem Pariser Klimabkommen, der auf die Entschlossenheit Trumps zu weiteren radikalen Schritten hindeute, dürften Investoren darin bestärkt haben, auf Sicherheit zu setzen. Die konjunkturelle Lage lasse vielerorts allerdings ein höheres Zins- und Renditeniveau zu.

In den USA würden die jüngsten Konjunktur- und Preisindikatoren eine Fortsetzung des soliden Expansionspfades der Wirtschaft suggerieren. Die Kernrate des für die US-FED wichtigen PCE-Deflators sei mit 2,1% QoQ im ersten Quartal über der Zielrate der Notenbank von 2 Prozent geblieben. Auch die Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter hätten im April den Analystenkonsens deutlich übertroffen. Positiv sei auch registriert worden, dass das BIP im ersten Quartal etwas stärker expandiert habe als zunächst erwartet (1,2% statt 0,7%). Vor allem aber hätten die guten Konsumdaten (+0,4% im April) dafür gesorgt, dass die Atlanta-FED ihre BIP-Schätzung für das laufende Quartal auf 3,8% angehoben habe.

Entsprechend sollte man sich auf eine Zinserhöhung beim nächsten Notenbank-Meeting Mitte Juni einstellen, wie verschiedene Stimmen aus dem FED-Umfeld bereits bestätigen würden. So habe das FOMC-Mitglied Lael Brainard unter der Woche die Marktteilnehmer bereits auf eine Erhöhung des Zinsbands auf 1,0% bis 1,25% eingeschwört. Allerdings favorisiere die US-Notenbank ein langsameres Tempo bei ihren geldpolitischen Anpassungen, je weiter der Zinserhöhungspfad fortschreite. Grundsätzlich müsse ein nachhaltiger Preisauftrieb besonders in der Lohnentwicklung gewährleistet sein. Selbst wenn die heute veröffentlichten Stellenzuwächse außerhalb des Agrarsektors für den Mai schwach ausfallen würden, an einer Erhöhung für den Juni führe kaum ein Weg vorbei.

In der Eurozone seien die Inflationszahlen in den Fokus gerückt, vor allem in Hinblick auf die kommende EZB-Sitzung am 8. Juni. Im Mai sei in Deutschland die Inflation mit 1,5% YoY deutlich unter den Aprilwerten von 2,0% YoY geblieben. Angesichts einer Arbeitslosenquote von nur 5,7% sei aber grundsätzlich mit einem gewissen Lohndruck zu rechnen, der sich auch in einer höheren Inflation niederschlagen sollte. Auch in der Eurozone sei eine steigende Beschäftigung zu beobachten. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,3% gebe der April den besten Wert seit Juni 2009 wieder. Auch in der nächsten Woche würden Frankfurt und Brüssel tonangebend sein. Die Veröffentlichung des Eurozonen-BIPs für das erste Quartal (07.06.) und EZB-Sitzung am Folgetag (08.06.) würden weiteren Aufschluss über die konjunkturelle und geldpolitische Stimmungslage in der Eurozone geben. Darüber hinaus spiele internationale Politik (Wahlen in UK und Frankreich, Trump) für die Rentenmärkte eine entscheidende Rolle. (Ausgabe vom 01.06.2017) (02.06.2017/alc/a/a)