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Brisanter Cocktail: Inflation trifft auf Negativzins


06.10.21 11:30
INVIOS GmbH

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Mit der stark steigenden Inflation, den Nullzinsen und den weiter zunehmenden Kontogebühren bei Banken braut sich für den deutschen Kleinanleger eine toxische Mischung zusammen: "Sparer, die ihr Geld auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten parken, werden durch die fehlenden Zinsen in Verbindung mit Verwahrentgelten und dem Kaufkraftverlust durch die Inflation zu stark belastet", sagt Nikolas Kreuz, Geschäftsführer der INVIOS GmbH.

In der Eurozone hätten die Inflationsdaten im September mit 3,4 Prozent den höchsten Wert seit 13 Jahren erreicht. Auch die Kernrate sei auf 1,9 Prozent angestiegen. "Das ist der höchste Stand seit November 2008", sage Kreuz. Weiter steigende Energiepreise durch zunehmende CO2-Bepreisung und Lieferengpässe, die nicht nur in Deutschland Fabriken stillstehen lassen würden, würden die Kerninflation weiter anheizen, weil knappe Güter in der Regel teurer würden.

"Auch dass die Verbraucher die Coronazeit kompensieren wollen und hoffnungsvoll wieder verstärkt einkaufen gehen, sorgt für eine höhere Nachfrage, die auf ein knapperes Angebot trifft", so Kreuz. "Wir haben seit über drei Dekaden sinkende Inflationsraten erlebt. Die Deglobalisierungstendenzen führen zwangsläufig über Zweitrundeneffekte zu hohen, nicht-transistorischen Inflationsraten", sage Nikolas Kreuz.

In der Vergangenheit sei eine Zunahme der Inflationsraten in der Regel mit einer Anhebung der Leitzinsen durch die Notenbanken einhergegangen. "Durch Corona und die daraus resultierende galoppierende Staatsverschuldung belassen Lagarde, Powell und Co. die Zinsen aber auf einem extrem niedrigen Niveau - und akzeptieren damit, dass die Vermögen der Sparer in einem kaum gekannten Ausmaß abschmelzen", sage Kreuz.

Brandgefährlich würden diesen Mix dann letztendlich die Strafzinsen der Banken für ihre Privatkunden machen: Nach einer aktuellen Verivox-Analyse würden inzwischen fast 400 Geldhäuser Negativzinsen berechnen. Außerdem würden immer mehr Finanzinstitute ihre bestehenden Konditionen verschärfen: Der Zins falle und die Verwahrentgelte würden schon bei geringen Guthaben fällig.

"Hinzu kommt der Status-Quo-Effekt bei vielen Privatanlegern", sage Nikolas Kreuz: Die Abneigung gegen Veränderung und Ablehnung des Unbekannten würden dazu führen, dass für die meisten Deutschen das Sparkonto immer noch die beliebteste Anlageform sei. "Nur rund ein Viertel der Sparer legt derzeit Geld in Aktien oder Fonds an", sage Kreuz. "Das ist aus ökonomischer Sicht unsinnig, aus Neurofinanz-Perspektive aber durch irrationale Renditeerwartungen erklärbar", sage Kreuz. "Im Schnitt gehen die Sparer von zu hohen Renditen aus." Besonders paradox sei dabei, dass die Sparanstrengungen immer weiter erhöht würden, je unrentabler diese Anlageform werde. "Ein ökonomisches Fehlverhalten wird nicht dadurch richtiger, dass man die ineffektive Anstrengung maximiert", so Kreuz.

"Das Ersparte bleibt auf dem Konto liegen, auch wenn es unrentabler Kokolores ist und sogar Minuszinsen anfallen", so Kreuz. Dabei wäre ein Ausweg aus dem Dilemma einfach, auch ohne dafür in Aktien oder andere risikobehaftete Anlageklassen zu investieren: Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre es schon, sich Plattformen zu suchen, die keine Negativverzinsungen in Rechnung stellen würden.

"Denn die gibt es: Wir arbeiten mit ausgewählten Partner-Banken, bei denen unsere Kunden die überschüssige Liquidität ohne Verwahrentgelt parken können", sage Kreuz. "Man muss sich nur die kleine Mühe machen und aktiv werden, wobei aus Neuro-Finance-Sicht das Anstrengende dabei lediglich der Bruch mit der eigenen Gewohnheit ist."

Auch monatliche Festgelder mit geringer, aber positiver Verzinsung, kurzlaufende Geldmarkt-ETFs oder Investment-Grade-Anleihen könnten eine temporäre Opportunität darstellen. Wer dann auch noch etwas gegen die Inflation tun und nicht hilflos zusehen möchte, wie sein Erspartes immer weniger werde, sollte sich einen guten Multi-Asset-Fonds mit einem asymmetrischen Chancen-/Risikoprofil aussuchen - und mache den Geldentwertungs-Cocktail damit schon etwas bekömmlicher. (06.10.2021/alc/a/a)