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Brasilien: Zinsanhebung auf 6,25%


02.11.21 10:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Erstmals seit einem Jahr verzeichnete Brasilien im zweiten Quartal 2021 eine schrumpfende Wirtschaftsleistung, wofür vor allem ein starker und nicht zuletzt dürrebedingter Rückgang in der Landwirtschaft verantwortlich war, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Ausgabe des "emreport".

Hinzu seien fehlende Zulieferprodukte für die Autoindustrie gekommen. Dienstleistungen und Einzelhandel würden hingegen weiter expandieren. Zugleich galoppiere die Inflation mit zweistelligen Preissteigerungsraten. Daher habe die Notenbank im September den Leitzins um 100 Basispunkte auf 6,25% angehoben und eine weitere, ähnlich starke Zinsanhebung werde es wohl im Oktober geben.

Innenpolitisch stehe Präsident Bolsonaro weiter unter Druck. Eine Mehrheit der brasilianischen Senatoren habe erklärt, dass Jair Bolsonaro wegen neun Verbrechen angeklagt werden sollte, darunter Scharlatanerie, Amtsmissbrauch und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dies sei das Ergebnis einer Untersuchung des Umgangs der Regierung mit der Pandemie; es werde aber wahrscheinlich keine kurzfristigen Auswirkungen auf das Schicksal des Präsidenten haben.

Theoretisch würden dem Präsidenten bis zu 78 Jahre Haft drohen, es sei aber unwahrscheinlich, dass in näherer Zukunft ein Urteil gesprochen werde. Brasilien habe nach offiziellen Angaben rund 600.000 Corona-Tote zu beklagen, die zweithöchste Opferzahl nach den USA. Wirtschaftspolitisch seien die Märkte von Berichten verunsichert worden, wonach der Präsident höhere Sozialausgaben plane, als die Budgetobergrenze erlaube - ein Schritt, der offenkundig im Zusammenhang stehe mit den im kommenden Jahr anstehenden Präsidentschaftswahlen. Bolsonaro habe daraufhin erklärt, die geplanten Ausgabenerhöhungen würden die Budgetobergrenze nicht verletzen, sei aber jegliche Details schuldig geblieben, wie dies gelingen solle.

Der Aktienmarkt in Sao Paolo habe sich abermals schwach präsentiert und zu den schlechtesten Aktienmärkten im September gehört. Er sei damit sogar das Schlusslicht unter den Aktienmärkten der Welt seit Jahresbeginn, mit einem Rückgang von fast 7% (in Lokalwährung). (Ausgabe Oktober 2021) (02.11.2021/alc/a/a)