Brasilien: Zentralbank setzt Leitzinssenkungskurs unvermindert fort


08.08.17 08:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Brasilianische Zentralbank setzt den Leitzinssenkungskurs unvermindert fort, so die Analysten der DekaBank.

Am 26 Juli habe die Zentralbank den Leitzins um weitere 100 Basispunkte auf nun 9,25% gesenkt. In seiner Stellungnahme habe das geldpolitische Komitee die Bereitschaft für weitere Senkungen bestätigt. Der deutliche Rückgang der Inflation in den vergangenen Monaten biete ausreichend Spielraum für eine weitere Lockerung. Zudem seien die Inflationserwartungen in den vergangenen Monaten stark gesunken und lägen deutlich unterhalb des Inflationsziels von 4,5%. Der Brasilianische Real habe auf die Lockerung und auf die anhaltenden politischen Turbulenzen weitgehend gelassen reagiert. Unsicherheit hinsichtlich des Reformfortschrittes könne der Zentralbank allerdings einen Strich durch ihre Lockerungspläne machen, falls das Investorenvertrauen in die brasilianische Wirtschaftspolitik erneut schwinde.

Nachdem das Parlament vergangene Woche ein Ermittlungsverfahren des Generalstaatsanwalts wegen Korruption gegen Präsident Temer mit einer überzeugenden Mehrheit abgelehnt habe, seien die Chancen auf die Verabschiedung der Rentenreform aber wieder gestiegen, auch wenn diese zuletzt etwas verwässert worden sei. Noch sei unklar, wann das Parlament über das Rentengesetz abstimmen werde. Diese Reform sei sehr wichtig, denn nur mit den damit verbundenen Einsparungen würde die Rückkehr zu einem stabilen Verschuldungspfad ermöglicht werden. Die größte Korruptionssaga in der jüngeren Geschichte des Landes sei jedoch auch nach der Ablehnung der Anklageerhebung bei Weitem nicht ausgestanden, denn weitere Anklagen dürften in den kommenden Monaten folgen. Den Skandalen zum Trotz sei die Zuversicht von Unternehmen und Verbrauchern gestiegen.

Brasilien habe zwar den richtigen Weg eingeschlagen, aber es werde noch dauern, bis die Reformen Früchte tragen würden. Die Wirtschaft des Landes werde in diesem Jahr eine leichte Erholung aufweisen, nach zwei Jahren tiefer Rezession. Der Wachstumsausblick werde durch die fiskalische Konsolidierung belastet. Die politische Unsicherheit bleibe aufgrund mehrerer laufender Korruptionsverfahren hoch. Die Exportindustrie profitiere von der Erholung der Rohstoffpreise. Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden schwierig bleiben, besonders die undurchsichtige Bürokratie, das komplexe Steuersystem und die schlechte Infrastruktur.

Der brasilianische Ratingtrend sei aufgrund der Reformunfähigkeit der Vorgängerregierung, der Verschlechterung der fiskalischen Verfassung und des langfristigen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren negativ gewesen. Die neue Regierung habe wichtige Schritte in Richtung Haushaltskonsolidierung gemacht, aber diese alleine würden nicht genügen, um eine Trendwende einzuläuten. Angesichts der Menge an Problemen werde es große Anstrengungen und viel Zeit kosten, um die erneute Wende im Ratingtrend zu schaffen. Moody‘s, Fitch und Standard & Poor‘s hätten ihre Ratings für Brasilien im vergangenen Jahr gesenkt. Zuletzt habe Fitch im Mai auf BB gesenkt. Somit lägen alle drei Ratingagenturen auf der gleichen Stufe. Der Ratingausblick sei bei allen drei Agenturen negativ. Die neue Regierung müsse weiter entschlossen agieren und glaubwürdige Maßnahmen verabschieden, um eine weitere Bonitätsverschlechterung zu vermeiden. (Ausgabe vom 07.08.2017) (08.08.2017/alc/a/a)