Bonitätsabhängige Schuldverschreibung auf Volkswagen: Vom Autobauer zum Digitalkonzern - Anleiheanalyse


05.10.20 09:45
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Robin Freytag, Bondhändler bei der DZ BANK, stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Aktie von Volkswagen eine Bonitätsabhängige Schuldverschreibung (ISIN DE000DD5AS30 / WKN DD5AS3) mit dem Basiswert Volkswagen vor.

Als letzter DAX-Konzern habe Volkswagen letzten Mittwoch seine Hauptversammlung abgehalten - pandemiebedingt habe diese online stattgefunden. Obwohl die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen habe und die Auslieferungen von PKWs und Nutzfahrzeugen gegenüber dem Vorjahr teils deutlich rückläufig gewesen seien, habe der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt: Ziel sei es, in der Summe aller Unternehmensteile profitabel zu bleiben. Des Weiteren würden die Wolfsburger auch an ihren Zukunftsinvestitionen festhalten. Bis 2024 sollten 33 Mrd. Euro in die E-Mobilität fließen sowie 14 Mrd. Euro in IT und autonomes Fahren.

Volkswagen wolle mittelfristig zum führenden Anbieter elektrischer, digitaler Mobilität werden. Vorstand Diess habe betont, dass der Umstieg auf elektrische Antriebe verhältnismäßig einfach zu bewältigen sei. Viel weitreichender werde sein, dass sich das Auto zu einem vollvernetzten Mobilitätsdevice entwickle. Um Auto, Daten, Software und Dienste perfekt zusammenzuführen, müsse sich Volkswagen hin zu einem Digitalunternehmen wandeln.

Im Rahmen der Neuausrichtung des Konzerns stelle Volkswagen auch einige Marken auf den Prüfstand. So gebe es Spekulationen, dass sich Diess gerne von dem unprofitablen Supersportwagenhersteller Bugatti trennen würde. Zudem passe die Marke möglicherweise nicht zu dem Image, das sich Volkswagen mit seiner E-Offensive auferlegt habe. Aus diesem Grund könnten auch die Marken Lamborghini und Ducati früher oder später zum Verkauf angeboten werden.

Diess habe im Rahmen der Hauptversammlung die Aktionäre darauf eingeschworen, wie wichtig der digitale Wandel für Volkswagen sei. Der Volkswagen-Chef sehe sein Unternehmen für eine mögliche Verschärfung der CO2-Flottenziele besser vorbereitet als der Wettbewerb. Allerdings habe er auch betont, dass der Autobauer zur Unterstützung des Green Deals der EU-Kommission die Anstrengungen zum Umbau der Wertschöpfungskette weiter verstärken müsse.

Solch entschlossenes Handeln kenne man von Automobilkonzernen eher selten und viele Anleger stünden dem auch skeptisch gegenüber. Von uns aus begrüßen wir die Fokussierung auf E-Mobilität und Digitalisierung, so Robin Freytag, Bondhändler bei der DZ BANK. Allerdings verschlinge dieser Umbau auch große Summen an Geld, was sich in den nächsten Jahren negativ auf die Geschäftszahlen auswirken könnte. Langfristig gehe Robin Freytag aber davon aus, dass dies wichtige und auch richtige Investitionen seien. Ein Risiko stelle nach wie vor die Corona-Pandemie dar. Obwohl sich die Lage in den letzten Monaten wieder normalisiert habe, sei jederzeit ein starker Anstieg der Infektionen denkbar. Ein erneuter Lockdown hätte aller Voraussicht nach schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und würde Volkswagen stark belasten.

Derzeit werde die Volkswagen-Bonität von den beiden führenden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's mit den Langfrist-Ratings A3 bzw. BBB+ eingestuft. Beide hätten im Juni respektive März ihre Einschätzung bestätigt, gleichzeitig allerdings den Ausblick auf "negativ" gesenkt. Anlagen mit diesen Ratings würden als sichere bzw. durchschnittlich gute Anlage gelten. Bei einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft könnten jedoch Probleme auftreten.

Positiv würden die Ratingagenturen unter anderem die führenden Marktpositionen in den wichtigen Absatzmärkten China und Europa bewerten. Zu den Risiken würden dagegen die Kosten und eventuellen Strafzahlungen im Zusammenhang mit den Rechtsstreitigkeiten rund um die Dieselproblematik gehören. Zudem bestehe weltweit ein herausforderndes Marktumfeld für die Automobilindustrie. Den negativen Ausblick habe Moody's insbesondere mit den potenziell negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Geschäftsentwicklung bis in das Jahr 2021 hinein begründet.

Aktuell habe die DZ BANK eine bonitätsabhängige Schuldverschreibung auf die Volkswagen AG im Angebot. Der Zinssatz für dieses Papier betrage 1,11% p.a. und die Laufzeit betrage 9,7 Jahre. Die Zeichnungsphase laufe vom 30.09.2020 bis 15.10.2020. Die Art und Höhe der Rückzahlung am Rückzahlungstermin sei abhängig von der Bonitätsentwicklung der Volkswagen AG. Am Rückzahlungstermin gebe es folgende Rückzahlungsmöglichkeiten:

1. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung kein Kreditereignis beim Referenzschuldner Volkswagen AG ein, erhalte der Anleger zu den jährlichen Zinszahlungsterminen einen Zinssatz von 1,11% ausbezahlt. Zudem werde die Schuldverschreibung am Tag der Endfälligkeit zum Nennbetrag zurückgezahlt.

2. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung ein Kreditereignis beim Referenzschuldner Volkswagen AG ein, würden die Zinszahlungen ab diesem Zeitpunkt eingestellt und die Rückzahlung erfolge zum Abwicklungsbetrag. Der Abwicklungsbetrag könne deutlich unter dem Nennbetrag liegen und im Extremfall null betragen, d.h. die Zahlung entfalle in diesem Fall vollständig (Totalverlustrisiko). Der Anleger erleide einen Verlust, wenn der Abwicklungsbetrag unter dem Erwerbswert der Schuldverschreibung liege.

Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei auch möglich, wenn die DZ BANK als Emittent ihre Verpflichtungen aus dem Zertifikat aufgrund behördlicher Anordnungen oder einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) nicht mehr erfüllen könne. (Stand vom 02.10.2020) (05.10.2020/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.