Erweiterte Funktionen

Bond-King Jeff Gundlach rechnet mit Comeback der Inflation


04.01.21 11:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit seiner Prognose bezüglich der Preisentwicklung im kommenden Jahr widerspricht ein Erfolgsmanager wie Jeffrey Gundlach wie schon so oft der Konsensmeinung der Marktteilnehmer, so die Experten von "FONDS professionell".

Optimistisch zeige er sich für die künftige Entwicklung von Small Caps.

Seit dem Rückzug von Bill Gross aus dem aktiven Geschäft trage ein Fondsmanager wie Jeffrey Gundlach aus Sicht vieler Marktbeobachter zu Recht die Krone des Bond-Königs. Nicht ohne Grund habe Gundlachs Flaggschiff-Produkt Doubleline Total Return Bond Fund inzwischen ein verwaltetes Vermögen von rund 52 Milliarden US-Dollar (42,4 Milliarden Euro) erreicht. Das sei rund ein Drittel der insgesamt über 140 Milliarden US-Dollar (114 Milliarden Euro), welche die Gesellschaft Doubleline verwalte. Im laufenden Jahr habe der Fonds um 3,7 Prozent zugelegt und damit nach von Bloomberg erhobenen Daten besser abgeschnitten als fast die Hälfte seiner Konkurrenten. Bei der annualisierten Fünfjahresrendite liege der Fonds mit einem Plus von 3,4 Prozent sogar besser als drei Viertel seiner Konkurrenten.

Bekannt sei Gundlach vor allem für seine oft markigen Prognosen. Diesem Ruf sei er auch jüngst wieder gerecht geworden. In einem Webcast zur künftigen strategischen Ausrichtung seines Fonds habe Gundlach seine Zuschauer mit der kühnen Prognose erstaunt, die Inflation werde in den nächsten Monaten zwar voraussichtlich ihren Tiefpunkt erreichen, im nächsten Jahr auf über zwei Prozent steigen. "Im Jahr 2021 könnte sie zwischen 2,25 und 2,4 Prozent liegen", habe Gundlach erklärt.

Mit seiner Vorhersage stehe der 61-Jährige wieder einmal im Gegensatz zum Marktkonsens. Angesichts der Tatsache, dass die US-Wirtschaft nicht oberhalb des von der Federal Reserve gesetzten Ziels geblieben sei, bestehe unter den Marktteilnehmern laut einer Bloomberg-Umfrage unter 51 Ökonomen die Erwartung, dass die weit vorangeschrittene Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen zwar die Ausgaben entfesseln und ein schnelles Wachstum generieren werde. Entsprechend könne die Inflation im zweiten Quartal 2021 zwar vorübergehend auf über zwei Prozent steigen, werde aber in den folgenden Quartalen wieder zurückgehen.

Optimistisch habe sich Gundlach für die künftige Entwicklung von Small Caps gezeigt. Deren Underperformance könnte endlich ein Ende erleben, so der Fondsmanager, der auf den Russell 2000 im Vergleich zum S&P 500 verwiesen habe. Diese Entwicklung sei bereits "ziemlich stark" gewesen, so Gundlach. Die Zeiten, in denen die FAANG-Aktien und Microsoft als die "Markt-Generäle" die Richtung vorgegeben hätten, seien jedenfalls vorbei.

Die Renditen von zehnjährigen Treasuries halte Gundlach für zu niedrig. "Die Fundamentaldaten unterstützen ein solches Niveau nicht", so der Anleihen-König. Als zu gering erachte Gundlach auch die Spreads von mit Triple-B gerateten Anleihen, die sich zuletzt relativ zu Treasuries verengt hätten. Manches BBB-Papier unterscheide sich in Bezug auf seine Rendite nicht mehr allzu sehr von 30-jährigen Treasuries. (04.01.2021/alc/a/a)