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Bond-Anleger nehmen unbeabsichtigt höheres Durationsrisiko in Kauf


08.08.17 15:13
Kames Capital

London (www.anleihencheck.de) - Anleger nehmen unbeabsichtigt ein höheres Durationsrisiko in Kauf, da Anleiheemittenten immer häufiger versuchen, sich langfristig niedrige Finanzierungskosten zu sichern, und dies treibt die Zinssensitivität der Referenzindices im Anleihensegment nach oben, so die Experten von Kames Capital.

Die Anleiherenditen seien in den vergangenen Jahren auf Rekordtiefs gesunken. Zum Teil sei das der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken rund um den Globus zuzuschreiben gewesen. Unternehmen und Regierungen würden dies ausnutzen, indem sie Anleihen mit langen Laufzeiten begeben würden, um sich die historisch niedrigen Finanzierungskosten auf lange Sicht zu sichern.

"Vor allem das Durationsrisiko bereitet Bond-Anlegern derzeit Kopfzerbrechen. Dabei handelt es sich um das Risiko, dass steigende Zinsen einen Rückgang der Anleihekurse bewirken", erläutere Mark Benbow, Fixed Income Fondsmanager bei Kames Capital. "Wenn man bedenkt, dass die Duration der Referenzindizes für Anleihen seit den letzten 20 Jahren gestiegen ist, ist Anlegern dringend zu raten, sich dieses Risiko bewusst zu machen."

Das dringendste Problem für Anleger bestehe nach Einschätzung von Benbow darin, dass Emittenten sich für einen längeren Zeitraum Geld leihen würden und dadurch das Durationniveau der Referenzindices in diesem Segment steige. Gleichzeitig würden die niedrigen Renditen institutionelle Investoren zwingen, in zweitklassige Anleihen oder im längeren Laufzeitenspektrum zu investieren, um einen Zinsertrag zu erzielen.

"Diese Kombination ist bemerkenswert", so Benbow. "Unaufhaltsam sinkende Renditen führen zu einem größeren Angebot an langlaufenden Anleihen (und stärkerer Nachfrage). Für die Anleiheportfolios der Anleger kann dies jedoch ein höheres Durationsrisiko bei geringem Ertragspotenzial bedeuten."

Besonders akut sei das Problem für passive Investoren, die keine Kontrolle über die in ihren Portfolios enthaltenen Anleihen hätten. "Für Anleger, die sich an einem Index orientieren, besteht die Gefahr, dass sie diesem Trend folgen und unfreiwillig eine längere Duration in Kauf nehmen müssen, weil sich die Merkmale der Anleihemärkte verändern", erkläre er. "Nicht wenige Anleihefonds-Manager müssen eine längere Duration hinnehmen, weil die Duration ihrer zugrundeliegenden Benchmark gestiegen ist. Endanlegern entsteht dadurch eher automatisch als gewollt ein zusätzliches Zinsrisiko."

Nach Aussage von Benbow lege Kames es nicht darauf an, die Benchmark-Duration nachzubilden, da die Anleiheindices nach Einschätzung des Unternehmens keine Basis für eine erfolgreiche Anlage seien. Stattdessen konzentriere sich Kames auf die Identifizierung alphagenerierender Ideen als Ausgangspunkt für den Portfolioaufbau.

"Als High-Yield-Fondsmanager schätze ich außerdem die Vielfalt dieser Asset-Klasse", erkläre er. "Anders als in anderen Marktsegmenten ist die Duration in den letzten 20 Jahren gesunken. Das hat unzählige Chancen zutage gefördert, um in Hochzinsanleihen mit kürzeren Laufzeiten anzulegen und ausgehend von unseren Anlageüberzeugungen konzentrierte Portfolios aufzubauen." (08.08.2017/alc/a/a)