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BoE und SNB ohne neue geldpolitische Weichenstellungen


08.09.17 15:00
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat neue geldpolitische Weichenstellungen auf die nächste EZB-Ratssitzung im Oktober (26.10) vertagt, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Auch bei den Notenbanktreffen der Bank of England (BoE) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am kommenden Donnerstag würden die Analysten keine Neuerungen erwarten. Bei der BoE würden die Analysten mit einem 7: 2 Votum für eine unveränderte Geldpolitik rechnen. Im August hätten die Währungshüter betont, dass die Marktteilnehmer nicht im ausreichenden Maße die von ihnen erwartete Verschärfung der Geldpolitik ab November 2018 berücksichtigen würden. Ein hawkischer Zungenschlag seitens der Notenbanker sei auch diesmal möglich.

Der Schweizer Franken habe zwar zum Euro seit Ende Juni um rund 5% abgewertet. Das Wachstumsmomentum der Volkswirtschaft sei aber zuletzt mit 0,3% auf der Quartalsebene recht moderat gewesen, was ebenfalls für den Anstieg der Jahresinflationsrate (0,5%) gelte. Insgesamt dürften die Währungshüter ihre Ansicht bekräftigen, dass der Schweizer Franken signifikant überbewertet sei und das negative Leitzinsen sowie Devisenmarktinterventionen weiter notwendig seien, um der Währungsstärke zu begegnen. Der Drei-Monats-Libor-Satz sollte nach Erachten der Analysten auf absehbare Zeit bei -1,25% bis -0,25% verharren.

Bei der Russischen Zentralbank (CBR) dürfte indes am Freitag eine Leitzinssenkung um 50 BP auf 8,50% auf der Agenda stehen. Die Konsumentenpreise hätten im August auf 3,3% in der Jahresrate nachgegeben, ein Rekordtief, womit zum zweiten Mal in Folge die Inflation unterhalb der Zielgröße der Währungshüter von 4% gelegen habe.

Beim Blick auf die Konjunkturdaten der kommenden Woche gelte das Augenmerk der Marktteilnehmer wohl vor allen den USA, wo eher ein durchwachsenes Konjunkturbild abgeliefert werden dürfte. So würden die Analysten für den August sowohl bei den Einzelhandelsumsätzen als auch der Industrieproduktion eine Stagnation auf den jeweiligen Vormonatsniveaus erwarten.

Beim Konsumentenvertrauen der Universität Michigan für den September dürften die Effekte des Hurrikan Harvey sowie des im Anmarsch befindlichen Hurrikans Irma negativ spürbar sein. Die Analysten würden einen Rückgang des Konsumentenvertrauens um rund vier Indexpunkte auf 92,7 Punkte erwarten. Zum Vergleich: Nach dem Hurrikan Katrina im September 2005 mit den Verwüstungen insbesondere in New Orleans sei das Konsumentenvertrauen sogar um 12 Indexpunkte gesunken. Insgesamt erscheine den Analysten aber weiterhin im laufenden Quartal - wie auch schon im 2. Quartal - ein annualisiertes Wirtschaftswachstum von 3% erreichbar.

Das Highlight der Woche bei den Konjunkturdaten dürfte die Veröffentlichung der US-Konsumentenpreise für den August am Donnerstag sein. Die Kerninflationsrate, die die volatilen Nahrungsmittel und Energiekomponenten nicht berücksichtige, sei die letzten fünf Monate jeweils niedriger ausgefallen als im Marktkonsens erwartet. Die Analysten würden diesmal einen Monatszuwachs von gerundet 0,2% erwarten, die Jahresrate dürfte aber weiter auf 1,6% nachgeben. Ein Einpendeln um die 2% Marke würden die Analysten erst für das 2. Halbjahr 2018 erwarten.

Die allgemeine Inflationsrate sollte im August bei einem Monatszuwachs von 0,1% zwar auf 1,9% gg. Vj. anziehen, Basiseffekte dürften aber die Inflation in den kommenden Monaten wieder in Richtung der Marke von rund 1,5% sinken lassen. Für das Gesamtjahr 2018 würden die Analysten einen Anstieg der Konsumentenpreise von 2,0% erwarten. Zu beachten bleibe aber, dass die Inflationszielgröße der US-Notenbank der Deflator des privaten Verbrauchs sei. Hier habe der Preisauftrieb zuletzt nur bei 1,4% gelegen. Die Analysten würden aber nicht dran zweifeln, dass die US-Währungshüter auf ihrer nächsten FOMC-Sitzung (20.09) die Reduzierung der Notenbankbilanz per Oktober verkünden würden. (08.09.2017/alc/a/a)