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BoE: Negativzinsen oder nicht? Vielleicht später - wahrscheinlich besser nicht


04.02.21 14:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat heute getagt und (einstimmig) erwartungsgemäß beschlossen, die Bank Rate auf dem bisherigen Niveau von 0,10% zu belassen und das Quantitative Easing gemäß des im November angepassten Kaufplans fortzusetzen, so die Analysten der Nord LB.

Die BoE habe sich trotz der corona-bedingten sowohl konjunkturellen als auch medizinischen Katastrophe im Vereinigten Königreich gegen eine Zinssenkung entschieden. Die Notenbanker hätten aber erneut betont, dass sie bereit stünden erneut einzugreifen, falls sich die anhaltende ökonomische Krise nochmals verschlimmern würde. Aktuell seien aber die geldpolitischen Maßnahmen "angemessen", die Aussichten allerdings "ungewöhnlich unsicher". Die BIP-Wachstumsprognose für 2021 sei von 7,25% auf 5,0% revidiert worden. Immerhin habe das in letzter Minute noch erfolgreich abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ein wohl noch schlimmeres Chaos zu Beginn des neuen Jahres vermeiden helfen können.

Die BoE werde sich dennoch unverändert auch in Zukunft mit aller Macht gegen die dämpfenden Effekte für die Konjunktur stemmen. Damit dürften Zinssenkungen perspektivisch also nicht grundsätzlich vom Tisch sein. Allerdings seien größere Bedenken gegen eine Umsetzung von Negativzinsen innerhalb der BoE bekannt. Das sei erneut in einer unklaren Kommunikation sehr deutlich geworden.

Mit großer Spannung sei dabei eine Umfrage im Finanzsektor erwartet worden, welche Folgen Negativzinsen haben könnten. Für Governor Andrew Baileys sei es ein schwieriges Abwägen: Einerseits könnten niedrigere Zinsen der Konjunktur helfen, andererseits würden Negativzinsen einen erhöhten Stressfaktor für das Bankensystem implizieren. Letztlich sei die (im Grunde zu erwartende) Quintessenz gezogen worden, dass Negativzinsen zwar im Fall einer sich weiter verdüsternden Konjunktur ein Mittel der Wahl sein könnten, sie aber für Banken belastend wären. Die BoE bediene sich dabei eines gewissen Bluffs, jederzeit noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben (ohne es aber eigentlich einsetzen zu wollen). Folglich würden Anpassungen der Aufkaufprogramme derzeit (und wohl auch in den nächsten sechs Monaten) praktisch die entscheidenden Mittel der Wahl bleiben.

Auf eine weitere wichtige Veröffentlichung werde in der kommenden Woche zu achten sein: Wie habe die britische Wirtschaft das Jahr 2020 beendet? Am kommenden Mittwoch seien alle Augen auf das BIP-Wachstum gerichtet. Nach einem Zick-Zack Kurs von -18,8% Q/Q und +16,0% Q/Q (nicht ann.!) im zweiten bzw. dritten Quartal könnte im vierten Quartal erneut ein Rückgang zu beklagen sein. Die Impfkampagne gelte es zu beschleunigen. Immerhin sei bereits knapp ein Sechstel der Bevölkerung geimpft worden - bei knapp 4 Mio. Infizierten. Damit sei auf sukzessive Lockerungen beim Lockdown zu hoffen.

Die Bank of England habe heute erwartungsgemäß weder Anpassungen an der Bank Rate noch am Quantitative Easing vorgenommen. Die Notenbank stünde aber bereit, erneut einzugreifen, falls sich die ökonomische Krise nochmals verschlimmern würde. Aktuell seien die geldpolitischen Maßnahmen "angemessen", die Aussichten aber "ungewöhnlich unsicher". Zu Negativzinsen habe sich die (erwartete) Quintessenz ergeben, dass diese zwar im Fall einer sich weiter verdüsternden Konjunktur ein Mittel der Wahl sein könnten, sie aber für Banken eine Belastung darstellten und demnach nicht unmittelbar bevorstünden.

Die BoE bediene sich dabei eines Bluffs, noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben (ohne es aber einsetzen zu wollen). Folglich würden die Anpassungen der Aufkaufprogramme derzeit in der Praxis die entscheidenden Mittel der Wahl bleiben. Ein zügiges Durchimpfen von bereits knapp ein Sechstel der Bevölkerung und ein (langsamer) Rückgang der Zahl der Neuinfizierten würden Hoffnungen auf baldige Lockerungen beim Lockdown und eine konjunkturelle Stabilisierung aufkeimen lassen. Motto: Aktuell sei alles schlimmer, ab dem zweiten Quartal alles besser! (04.02.2021/alc/a/a)