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Blickpunkt EZB: Notenbank setzt erhöhte Anleihekäufe fort


10.06.21 16:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Auf der heutigen Sitzung beschloss die EZB, ihren aktuellen Maßnahmenmix beizubehalten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Vor allem die verstärkte Einwirkung im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms PEPP bleibe im dritten Quartal aufrecht. Zudem seien turnusgemäß neue Wirtschaftsprognosen vorgestellt worden.

Wie zuvor von einigen Ratsmitgliedern signalisiert, habe die EZB heute beschlossen, ihren aktuellen Maßnahmenmix beizubehalten. Vor allem die verstärkte Einwirkung im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms PEPP bleibe im dritten Quartal aufrecht.

Präsidentin Lagarde habe sich zuversichtlich(er) zum zukünftigen Wirtschafsverlauf geäußert. Die überarbeiteten Wirtschaftsprognosen hätten eine klare Aufwärtsrevision der BIP-Wachstumsprognosen sowie wenig überraschend eine Aufwärtskorrektur der Inflationsschätzungen ergeben. Die Analysten würden die Meinung einer fortgesetzten Erholung teilen und den erwarteten anstehenden Inflationsschub ebenfalls als zum größten Teil temporär erachten.

Über einen zukünftigen Einstieg in ein graduelles Ausgleiten der Anleihekäufe im Rahmen des PEPP (Beginn Tapering) sei auf der Sitzung nicht diskutiert bzw. explizit nicht beraten worden. Nach Meinung der Analysten werde der EZB-Rat das Thema, wie mit den Anleihekäufen im Jahr 2022 verfahren werden solle, frühestens im September aufgreifen und vermutlich erst im Dezember beschließen. Aus Sicht der Analysten sei es sinnvoll, zunächst die überarbeitete Strategie vorzustellen und dann dieses Instrument entsprechend einzubetten.

Die EZB wolle sich wohl nicht nur auf positive Vorzeichen zur Wirtschaftsentwicklung verlassen, sondern die tatsächliche Verbesserung der Daten sehen, bevor sie ihren Stimulus zurückfahre. Ein relativ abruptes Ende des PEPP im März 2022 und noch weit bevor die US FED ihre Anleihekäufe einstelle, würden die Analysten für sehr unwahrscheinlich halten. Immerhin dürften bis dahin die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht verdaut sein und beispielsweise der gesamtwirtschaftliche Output oder die Arbeitslosenquote auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt sein.

Für den EUR Zinsmarkt bedeute dies, dass der Spielraum für Veränderungen insbesondere in den kommenden Monaten sehr begrenzt bleibe. Dennoch würden die Analysten auf mittlere Sicht eine moderate Versteilung der EUR Zinskurve / deutschen Staatsanleiherenditekurve erwarten. Die Geldmarktsätze / dt. Anleiherenditen mit kurzer Laufzeit sollten in den kommenden Quartalen nahe den aktuellen Notierungen verharren. Lange Laufzeiten (10-jähriger Swapsatz / 10-jährige dt. Staatsanleihen) dürften mittelfristig trotz anhaltend expansiver Geldpolitik ein wenig nach oben driften. Ein gewisser Anstieg der realen Verzinsung im Zuge einer fortschreitenden Erholung widerspreche nicht den Intentionen der EZB, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen und sollte daher nicht gänzlich durch die Einwirkung der Anleihekäufe hintangestellt werden. (10.06.2021/alc/a/a)