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Bescheidener Stellenzuwachs? Die US-Arbeitnehmer warten auf höhere Löhne


11.06.21 11:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Ungeachtet der starken Zahlen aus dem jüngsten Verbraucherpreisindex gingen die Staatsanleihen-Renditen in der vergangenen Woche zurück, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Offenbar habe sich die Annahme durchgesetzt, dass der Preisdruck vorübergehend sei und die Inflationszahlen ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Die Experten seien weiterhin der Meinung, dass diese Marktreaktion zu selbstgefällig erscheine. Die US-Verbraucherpreise seien im Jahresvergleich um 5 Prozent gestiegen, während die Kernrate um 3,8 Prozent zugelegt habe. Es handle sich um den stärksten Inflationsdruck seit 1992 - damals lagen die zehnjährigen Renditen bei über 7,5 Prozent.

Für den aktuellen Inflationsanstieg seien teilweise höhere Auto- und Flugpreise verantwortlich. Es werde interessant zu beobachten, wie sich die Inflation nun auf das Verbraucherverhalten und die Inflationserwartungen auswirke. Die Zahl der offenen Stellen in den USA sei bei einem Rekordhoch von 9,3 Millionen angekommen - ein Anstieg um sage und schreibe mehr als 3 Millionen seit Ende 2019, bevor die Pandemie zugeschlugen habe.

Weil der Stellenzuwachs außerhalb der Landwirtschaft in den vergangenen Monaten, gelinde gesagt, bescheiden ausgefallen sei, deute alles darauf hin, dass die Arbeitnehmer auf höhere Löhne warten würden. Die Daten zu den steigenden Stundenlöhnen und der Umstand, dass großzügige Sozialleistungen den Mindestlohn de facto auf über 15 US-Dollar pro Stunde würden ansteigen lassen, scheinen diesen Eindruck zu bestätigen.

Insgesamt würden die Wachstumsaussichten aber robust bleiben. Der Wachstumsausblick der Atlanta FED liege bei stattlichen 10 Prozent für das laufende Quartal und die Experten seien weiterhin zuversichtlich, dass die Wirtschaft bis Ende 2021 in einem zügigen Tempo vorankomme: Die konjunkturelle Entwicklung werde von einer weiterhin sehr akkommodierenden Fiskal- und Geldpolitik getragen.

Es sei fraglich, wann die zu beobachtende Inflationsdynamik dazu führe, dass dem einen oder anderen Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank ein wenig blümerant werde. Auf der März-Sitzung habe die FED ihre Prognose für die PCE-Inflation, also die realen Konsumausgaben, für Ende 2021 von 1,8 Prozent auf 2,4 Prozent angehoben. Die Experten würden meinen: Eine weitere substanzielle Revision in Richtung 3 Prozent wäre durchaus angebracht.

Noch dürfte es zu früh sein, um eine Änderung der Rhetorik im Rahmen der Sitzung der Federal Reserve in der nächsten Woche zu erwarten. Würden jetzt jedoch noch ein oder zwei Mal starke Daten vom US-Arbeitsmarkt gemeldet, werde die Tapering-Debatte hochkochen. (11.06.2021/alc/a/a)