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Die Berichtssaison des zweiten Quartals könnte den Ausblick für Anleihen stärken


17.07.20 10:45
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit dem Eintritt in die Berichtssaison des zweiten Quartals, wollen wir einen Blick darauf werfen, wie sich der Anleihenmarkt in den USA in den vergangenen drei Monaten entwickelt hat, so David Norris, Head of US Credit bei TwentyFour Asset Management, einer Tochter von Vontobel Asset Management.

Als die US-Banken am Dienstag mit ihrer Berichterstattung begonnen hätten, hätten J.P. Morgan Chase und die Citigroup die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen, angeführt von den Erträgen aus ihren Investment-Banking-Abteilungen. Wells Fargo habe sich dagegen weniger stark zeigen können und den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise vermelden müssen. Interessanterweise hätten alle drei Banken ihre Kreditreserven aufgrund der Ungewissheit über den künftigen Verlauf der Wirtschaft erheblich aufgestockt. Die Erhöhung der Rückstellungen für Kreditverluste, zukünftige Ausbuchungen, Kreditrückstände und Unterlassungsmaßnahmen hätten dann auch im Mittelpunkt der Q&As während der Telefonkonferenzen mit den Anlegern gestanden, um ein besseres Verständnis über weitere Verlustrückstellungen zu erlangen, die sich am Horizont abzeichnen könnten.

Abgesehen von der Erhöhung der Reserven habe sich ein roter Faden durch alle Bereiche gezogen. Jede der drei Bank habe über ein wirtschaftliches Basisszenario verfügt und angesichts ihrer Wirtschaftsprognosen entsprechende Rückstellungen vorgenommen. Der CEO von J.P. Morgan Chase, Jamie Dimon, habe sogar mitgeteilt, dass seine Bank konservative Rückstellungen vorgenommen habe. Doch trotz einiger positiver makroökonomischer Daten aus jüngster Zeit und bedeutender, entschlossener Maßnahmen der US-Regierung seien die Experten weiterhin unsicher, was den künftigen Weg der US-Wirtschaft betreffe und welche Folgen dies auf die Unternehmensgewinne haben könnte.

Was könne man also angesichts dieser verschwommenen Aussichten von den bevorstehenden Unternehmensgewinnen in den USA und mit Blick auf das dritte Quartal erwarten? Zu den kurzfristigen Katalysatoren, die die Aussichten verbessern könnten, würden unter anderem die folgenden gehören:

1. Die Verhandlungen über das nächste Finanzhilfegesetz sollten beginnen, wenn der Kongress nächste Woche wieder zusammenkomme. Die Erwartungen würden von einem Maßnahme-Paket ausgehen, das 1 Billion US-Dollar übersteige und nicht nur die Bestimmungen des CARES-Gesetzes erweitere, sondern auch Bestimmungen zur Unterstützung eines Infrastrukturgesetzes enthalten könnte.

2. Die Zahlen des zweite Quartals könnten positiv überraschen. Angesichts der Konsensprognose, dass die Gewinne im S&P 500 um 44% zurückgehen würden, sei die Messlatte ziemlich niedrig angesetzt, und Überraschungen nach oben würden den Markt stützen. Die Experten würden nicht damit rechnen, dass Unternehmen viele Zukunftsprognosen wagen würden. Raum für positive Überraschungen bestehe trotzdem, insbesondere in jenen Branchen, die von der frühen Phase der Wiedereröffnung profitiert hätten.

3. Da man sich auf absehbare Zeit wahrscheinlich in einem Niedrigzinsumfeld befinden werde, würden die Anleger an den Kreditmärkten nach zusätzlichen Renditen Ausschau halten. Man habe 14 aufeinanderfolgende Wochen mit Zuflüssen für Investment-Grade-Fonds erlebt, die seit März auf über 146 Mrd. US-Dollar angestiegen seien. High-Yield habe im gleichen Zeitraum etwas mehr als 55 Milliarden US-Dollar angezogen. Infolgedessen werde der Markt weiterhin gut unterstützt, da die Anleger auf der Jagd nach Rendite seien.

4. Ein Teil dieser Mittelzuflüsse sei darauf zurückzuführen, dass die Anleger aus den Märkten für niedrig verzinsliche Staatsanleihen in die Kreditmärkte wechseln würden. Wie die Experten bereits vor einiger Zeit gesagt hätten, würden Staatsanleihen zwar als "risikofrei" bezeichnet, aber die meisten von ihnen seien jetzt wahrscheinlich auch "renditefrei". Wenn man das zu der Anlageklasse hinzufüge, die weltweit negative Renditen abwerfe, dann sollten die Kreditmärkte weiterhin profitieren.

5. Die jüngsten Daten seien ermutigend gewesen: die Lohn- und Gehaltslisten für Juni, die Wohnungsbauzahlen für Mai, die persönlichen Ausgaben und die Einzelhandelsumsätze hätten sich alle wieder verbessert.

6. Für die zweite Jahreshälfte würden die Experten einen Rückgang der Neuemissionen erwarten. Da die Neuemissionen im Investment-Grade-Bereich seit Jahresbeginn bereits bei 100% des Niveaus von 2019 und der im High-Yield-Bereich nicht weit dahinter bei 60% lägen, hätten viele Emittenten bereits schützende Bargeldpuffer aufgebaut, um der derzeitigen Konjunkturabschwächung standzuhalten. Daher erscheine es sehr unwahrscheinlich, dass man für den Rest des Jahres ein ähnliches Niveau an Neuemissionen erreichen werde, es sei denn, es komme zu einer zweiten Ansteckungswelle.

7. Die massive Unterstützung durch die US-Notenbank FED werde in nächster Zeit nicht nachlassen. Jerome Powell habe die FED dazu verpflichtet, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit die Erholung so solide wie möglich ausfalle. Dies habe den Anlegern das Vertrauen gegeben, ihr Kapital in Rekordhöhe zu investieren. Die FED habe bei ihren jüngsten Secondary Market Corporate Credit Facility-Programmen nur an der Oberfläche gekratzt, was auch einen starken Hintergrund für die Kreditspreads geschaffen habe, um ihre Erholung auf das Niveau vor der COVID-Krise fortzusetzen.

Wie die Experten bereits zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt hätten, würden sie eine anhaltende Stärke an den Kreditmärkten und eine langsame Verengung der Spreads sehen. Sie würden den Rest der Gewinnsaison für das zweite Quartal abwarten, um mehr Licht auf den Verlauf der Erholung zu werfen. (17.07.2020/alc/a/a)