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Beginnt die FED im Oktober das gigantische Anleiheportfolio zu reduzieren?


11.09.17 08:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die relevanten US-Konjunkturdaten der nächsten Tage stehen alle am Donnerstag und Freitag an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Aus Sicht der meisten Marktteilnehmer die wichtigste Veröffentlichung dürften die Verbraucherpreiszahlen (Do.) für August sein. Nachdem der Preisauftrieb seit Februar spürbar nachgelassen habe - genauer gesagt würden die Preise bereinigt um saisonale Effekte seither stagnieren - deute sich nun eine Wende an. Im August dürften die Verbraucherpreise ohne die Berücksichtigung von Energie- und Nahrungsmittelpreisen um 0,2% gegenüber dem Vormonat gestiegen sein. Bei der Gesamtinflationsrate zeichne sich sogar ein Plus von 0,4% p.m. ab. Allein der - für einen August untypische - Anstieg der Kraftstoffpreise dürfte 0,15 Prozentpunkte zum Anstieg der Verbraucherpreise beigetragen haben.

Die höheren Kraftstoffpreise seien Folge von Hurrikan Harvey. Der wahre Preisschock drohe aber im September. Bis jetzt lägen die Kraftstoffpreise 10% über dem Durchschnitt vom August. Selbst wenn sich hier im Verlaufe des Monats eine Normalisierung einstelle, würden die Preise im Monatsschnitt wohl mindestens um 8% höher liegen als im August. Angesichts der beiden nächsten Wirbelstürme Irma und Jose, die auf die USA zuziehen würden, sei ein rascher Preisrückgang unwahrscheinlich. Da die Kraftstoffpreise im September normalerweise um 1% bis 2% p.m. sinken würden, werde nach erfolgter Saisonbereinigung ein Plus von etwa 10% p.m. stehen. Dieser Effekt würde zu einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,35% p.m. führen. Die Vorjahresrate der Verbraucherpreise dürfte im August auf 1,9% geklettert sein, im September rechnen die Analysten der RBI mit 2,1%.

Abseits der Inflationsdaten halten die Analysten der RBI die Einzelhandelsdaten (Fr.) für August für sehr wichtig. Nachdem der Umsatz im Juni und Juli kräftig zugelegt hatte, rechnen die Analysten der RBI für August mit einem schwächeren Ergebnis. Den höheren Kraftstoffpreisen, die den Umsatz aufblähen würden, stehe ein markanter Rückgang bei den Neuwagenverkäufen gegenüber. In den nächsten Monaten dürften die Einzelhandelsumsätze dann von den Wiederaufbauarbeiten in den von den Wirbelstürmen betroffenen Gebieten profitieren.

Mit den Zahlen zur Industrieproduktion stehe am Freitag ein weiterer "harter" Konjunkturindikator an. Die vorliegenden Arbeitsmarktdaten für das Verarbeitende Gewerbe würden hier auf ein deutliches Produktionsplus schließen lassen. Trotz eines leicht rückläufigen Outputs bei Versorgern und im Bergbau dürfte die Produktion im Produzierenden Gewerbe im August um 0,3% höher ausgefallen sein als im Juli. In Folge der Wirbelstürme dürfte die Produktion im September aber deutlich sinken.

Laut Insidern aus dem Weißen Haus habe Donald Trumps bisheriger Wunschkandidat für die Nachfolge von FED-Präsidentin Yellen, Gary Cohn, wegen seiner kritischen Äußerungen zu Trumps Haltung zu den Ausschreitungen von Charlottesville wohl keine Chance mehr auf diesen Posten. Sollte sich Präsident Trump dazu entschließen, Frau Yellen nicht mit einer zweiten Amtszeit zu betrauen, könne er nach dem überraschenden Rücktritt von FED-Vize Stanley Fischer fünf Positionen des FED Boards neu besetzen. Sollte Lael Brainard wie kolportiert auch vor einem Rücktritt stehen, wären es sogar sechs der insgesamt sieben Posten.

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen notiere nur noch knapp über 2%. Gründe für das niedrige Renditeniveau zu finden, falle zugegebenermaßen etwas schwer. Es scheine beschlossene Sache zu sein, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am 20. September ankündige, ab Oktober mit der Reduktion des gigantischen Anleiheportfolios zu beginnen. Die jüngsten Konjunkturdaten seien in Summe erfreulich gewesen und auch die Aussichten seien positiv. Die Inflationsrate werde in den nächsten Monaten wohl wegen der Effekte der Wirbelstürme deutlich höher ausfallen als noch bis vor kurzem gedacht.

Der US-Dollar habe seit seinem jüngsten Hoch handelsgewichtet rund 8% an Wert verloren und mache damit Anlagen in US-Anleihen weniger interessant. Durch die Einigung auf eine Verlängerung der Aussetzung der Schuldenobergrenze sowie einen Übergangshaushalt bis Mitte Dezember habe sich die Wahrscheinlichkeit eines Government Shutdown zunächst erheblich reduziert. Nachdem die Rendite von US-Staatsanleihen dennoch nicht steigt, setzen die Analysten der RBI ihr Dezemberrenditeziel über alle Laufzeiten in Revision. (Ausgabe vom 08.09.2017) (11.09.2017/alc/a/a)