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Beenden wir die Inflationsdebatte


12.07.21 11:00
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - "Sowohl die USA als auch China könnten in Zukunft Wachstumseinbußen verzeichnen, während Europa noch eine Weile wirtschaftlichen Rückenwind erhält", sagt Didier Saint-Georges, Head of Portfolio Advisors, Managing Director und Mitglied des Strategic Investment Committee bei Carmignac.

In den USA könnten die Infrastrukturausgaben der Biden-Regierung geringer ausfallen als angenommen, und der wirtschaftliche Schub werde schwächer, als erwartet. Zwar werde das Wirtschaftswachstum durch aufgestauten Konsum angetrieben; mittelfristig betrachtet würden die Wachstumserwartungen jedoch nach unten korrigiert werden müssen. Dennoch bleibe der Inflationsdruck bestehen: Die Immobilienpreise würden steigen, angeheizt durch steigende Löhne und eine geringere Arbeitslosigkeit, während sich die Produktionslücke weiter verkleinere und damit zu dem für spätzyklische Phasen typischen Inflationsdruck beitrage. Solche Entwicklungen der Wirtschaftsleistung und der Inflation werde die US-Notenbank FED nicht ewig ignorieren können und es werde für sie nicht einfach, diesen Druck einzudämmen, ohne die wirtschaftliche Verlangsamung weiter zu verschärfen.

Auch in China würden die Experten eine Verlangsamung des Produktionswachstums beobachten, denn die Regierung ziehe die finanzielle Stabilität der Ankurbelung der Wirtschaft vor. Jedoch dürfte die Konjunkturverlangsamung relativ kontrolliert verlaufen, gerade, weil die Regierung und die Zentralbank Spielraum für eine Lockerung der Politik hätten, sollte dies nötig sein. Seine Rolle als Motor für das globale Wirtschaftswachstum dürfte das Land allerdings einbüßen.

Im Gegensatz dazu sei Europa im Konjunkturzyklus noch nicht so weit fortgeschritten und die Experten würden davon ausgehen, dass die Region noch etwas länger Rückenwind genieße - vorausgesetzt, dass neue COVID-Varianten und die deutsche Bundestagswahl im September nicht für Unsicherheiten sorgen würden.

Der Wendepunkt im Wirtschaftszyklus zeichne sich ab und die Finanzmärkte könnten volatiler werden. Der festverzinsliche Bereich dürfte zwischen einer deflationären Abschwächung und einer anhaltenden Kerninflation hin- und hergeschoben werden und erfordere eine aktive Steuerung der Duration. Bei Aktien würden die Experten mit einem begrenzten Aufwärtspotenzial bei zyklischen Sektoren wie Banken rechnen. Das Thema "defensives Wachstum" - Wachstum zu vernünftigen Preisen - dürfte dagegen eine Outperformance hinlegen und vor allem in den USA und in China zu finden sein, aber auch bei einer Reihe von Konsumgütersektoren in Europa Chancen eröffnen. (12.07.2021/alc/a/a)