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Bankanleihen deutlich interessanter als Bankaktien


11.05.20 12:45
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Die Ertragsschwäche ist die Achillesferse vieler Großbanken in Europa, so Marc Decker, Head of Asset Management bei Merck Finck Privatbankiers.

Die extrem niedrigen Zinsen, der regulatorisch auferlegte Kapitalaufbau und hausgemachte Probleme hätten die Profitabilität arg belastet. Inzwischen erwirtschafte mehr als die Hälfte aller Banken in Europa nur noch eine Eigenkapitalrendite (RoE) von weniger als sechs Prozent. Noch vor drei Monaten habe lediglich ein Drittel von ihnen solch schlechte Rentabilitätszahlen gehabt, wie die europäische Bankenaufsicht (EBA) in ihrem aktuellen Risk Dashboard feststelle. Viele Institute könnten damit nur noch schwer ihre Kapitalkosten erwirtschaften.

Mit dieser schwachen Profitabilität seien Aktien der meisten europäischen Großbanken derzeit ein unattraktives Investment. Die Bewertungen seien zwar niedrig, aber nicht günstig.

Anders sehe es für Anleihegläubiger der europäischen Banken aus. Der jahrelange Aufbau von Kapital und Liquidität habe die Banken für Stürme gut gewappnet - vielleicht so gut wie niemals zuvor. Ihre Gläubiger könnten demnach heute ruhiger schlafen. Das würden auch die Risikoaufschläge für Bankanleihen reflektieren, die zum Jahreswechsel auf sehr niedrigen Niveaus notiert hätten.

In der Corona-Krise haben sich die Renditen von in Euro denominierten Finanzanleihen in der Spitze im März verdreifacht, sowohl vorrangige als auch nachrangige Titel. Doch eine faktische Ausfallgefährdung ist derzeit nicht zu erkennen, selbst wenn die Risikovorsorge in Folge der Krise deutlich anschwellen dürfte und die Ratings tendenziell schlechter werden sollten. Immerhin unterstützen die Krisenmaßnahmen der EZB.

Hinzu komme, dass der Kursverfall ihrer Anleihen den Banken erlaube, ihr Fremdkapital effizienter zu managen und damit ihre Bilanz zu verbessern: Viele Banken würden zu den niedrigen Kursen ausstehende eigene Anleihen zurückkaufen und auf diese Weise nennenswerte Kapitalgewinne erzielen. Zudem würden durch die Rückkäufe die Renditeaufschläge von ausstehenden Anleihen verringert. Das wiederum mache es für die Institute auch günstiger, neue Anleihen zu begeben.
Häuser wie beispielsweise die Crédit Agricole SA und die Lloyds Banking Group Plc hätten dieses Umfeld genutzt und im April Tender für alte Anleihen abgeschlossen. Merck Finck Privatbankiers rechne damit, dass die Banken in Europa diesen Kurs weiter verfolgen dürften. Dafür kämen aktuell ausstehende Anleihen in einem Gesamtvolumen von rund 31 Milliarden Euro infrage.

Am Anleihenmarkt würden die Stabilität und Kapitalstärke vieler Großbanken derzeit nicht ausreichend gewürdigt. Für Investoren seien Bankanleihen jedenfalls deutlich interessanter als Bankaktien. (11.05.2020/alc/a/a)