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Die Bank of Japan will warten


23.02.21 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die noch vorläufigen realen japanischen BIP-Zahlen für das 4. Quartal haben fast alle interessierten Beobachter mit einem Anstieg um beachtliche 3,0 Q/Q positiv überraschen können, so die Analysten der Nord LB.

Nach dem starken Zuwachs der ökonomischen Aktivität im 3. Quartal sei zum Abschluss des Jahres 2020 mit einem verringerten Tempo beim Wirtschaftswachstum zu rechnen gewesen; diese grundsätzlich vorhersehbare Abschwächung der Dynamisierung der Erholung der Ökonomie des Landes habe sich nun im Vergleich zu den an den Finanzmärkten eigepreisten Erwartungen als weniger ausgeprägt erwiesen. Zum Start des neuen Jahres werde der aufgrund der Coronavirus-Krise ausgerufene Notstand das Wirtschaftswachstum im Land der aufgehenden Sonne ohne jeden Zweifel in gewissem Umfang belasten. Anfang März sollten diese Maßnahmen im Kampf gegen das Virus dann aber wohl enden können, was der Wirtschaft Japans natürlich helfen werde.

Zudem müssten kurzfristig die dämpfenden Effekte des Erdbebens im Nordosten des Landes im Auge behalten werden, die aufgrund der bisherigen Nachrichtenlage allerdings noch schwer abzuschätzen seien. Mittelfristig bleibe die Unklarheit über eine mögliche Absage der Olympischen Spiele in Tokio noch immer ein Unsicherheitsfaktor für die Wachstumsprognose. Sicher sei momentan wohl nur, dass die aktuell gemeldeten BIP-Zahlen als positive Überraschung bezeichnet werden müssten. Entsprechend habe der Nikkei von den Daten profitieren können - und die Low-Beta-Währung Yen sei entsprechend unter einen gewissen zusätzlichen Abwertungsdruck gekommen.

Die Bank of Japan wolle ganz offenkundig auch weiterhin nicht agieren. Man sehe bei der Notenbank in Tokio grundsätzlich Chancen auf eine nachhaltige ökonomische Erholung, diagnostiziere aber noch immer signifikante Risiken. Entsprechend warte man zunächst einmal auf die Ergebnisse des "Reviews" der geldpolitischen Strategie - und dann (zur Sicherheit) wohl einfach noch etwas länger. Ein Notenbanker werde sich weiterhin für neue Zinssenkungen aussprechen. Dies dürfte aber eine Mindermeinung bleiben.

Asahi Noguschi, der "Neue" im Führungsgremium der Bank of Japan, gelte zwar als großer Anhänger einer expansiven geldpolitischen Ausrichtung - und habe sich beispielsweise schon in 2019 eher positiv zu den MMT-Ideen geäußert - sei aber auch dafür bekannt, voll hinter der Strategie Haruhiko Kurodas zu stehen. Insofern sollte man von ihm wohl keine zu kritischen Anmerkungen erwarten. (Ausgabe vom 19.02.2021) (23.02.2021/alc/a/a)