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Bank of Japan wartet weiterhin ab


03.05.22 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat jüngst erwartungsgemäß abermals keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vornehmen wollen, so die Analysten der Nord LB.

Der traditionelle Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren würden folglich auf dem bisherigen Niveau verharren. Diese Nachrichten würden keine Überraschung darstellen. Die Notenbank habe aber auch zu Protokoll gegeben, dass man weiterhin die obere Grenze von 0,25% für die Rendite von Staatspapieren mit einer Laufzeit von zehn Jahre verteidigen wolle. Daher zeige sich die Bank of Japan bereit, Anleihen in unbegrenztem Umfang zu kaufen.

Aufgrund der aktuellen Schwäche des Yen hätten einige Marktteilnehmer anlässlich der jüngsten Notenbanksitzung scheinbar Signale für eine perspektivisch mögliche vorsichtige Straffung der geldpolitischen Ausrichtung in Tokio erwartet. Die klare Bereitschaft zu Anleihekäufen habe die Währung Japans daher weiter belastet. Mit Blick auf den US-Dollar sei in diesem Umfeld die psychologisch wichtige Marke von 130,00 JPY pro USD überboten worden. Die Kommentare Haruhiko Kurodas, der in der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung betont habe, dass ein schwacher Yen in der Summe wohl auch weiterhin stützend für die heimische Wirtschaft sein dürfte, hätten der japanischen Währung natürlich auch nicht geholfen.

Der schwache Yen sei zwar positiv für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Exportunternehmen, in der Regierung habe man sich zuletzt aber Sorgen gemacht, dass die ausgeprägten Abwertungstendenzen der heimischen Währung die Konsumfreude der privaten Haushalte belasten könnten. Entsprechende Erwägungen seien jüngst beispielsweise vom Finanzminister Shunichi Suzuki geäußert worden. Der Regierungschef Fumio Kushida habe inzwischen aber den Bedarf für eine auch weiterhin sehr locker ausgerichtete Geldpolitik in Japan betont. Er wolle nun offenbar vor allem mit fiskalpolitischen Maßnahmen gegen die negativen Effekte der aktuellen Schwäche des Yen kämpfen.

Die weiterhin expansive Ausrichtung der Geldpolitik in Tokio dürfte auch eine Konsequenz der Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg sein. Zudem könnte der "Stau" im Containerhafen von Shanghai noch zu einem Problem für die exportorientierte Ökonomie Japans werden; daher sei nur von einer moderaten Konjunkturerholung auszugehen. (Ausgabe Mai 2022) (03.05.2022/alc/a/a)