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Die Bank of Japan wartet ab


27.07.20 11:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß kämpft die Bank of Japan aktuell mit Worten und nicht mit Taten gegen die Coronavirus-Krise, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

In der vergangenen Woche habe man in Tokio keine Modifikationen an der geldpolitischen Ausrichtung vornehmen wollen. Somit würden der "traditionelle" Leitzins und die Zielrendite für japanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren weiterhin auf unverändertem Niveau bleiben. Auch bei den Kaufprogrammen habe es im Land der aufgehenden Sonne am aktuellen Rand keine Anpassungen gegeben. Der Notenbank in Tokio scheine es aber auch weiterhin sehr wichtig zu sein, den Finanzmärkten im Bedarfsfall ihre Bereitschaft zu weiteren geldpolitischen Lockerungen klar zu zeigen. Zentralbankchef Haruhiko Kuroda habe zudem zu Protokoll gegeben, dass er in diesem angespannten Umfeld zwar dämpfende Effekte auf das makroökonomische Preisniveau sehe, die akute Gefahr des Abrutschens Japans in eine Deflation aber dennoch als eher gering ansehen würde. Entsprechend behalte die Notenbank in Tokio ihr ambitioniertes Inflationsziel von 2% auch weiterhin bei, was allerdings - zumindest zunächst - wohl kaum von praktisch wirklicher Relevanz für die japanische Geldpolitik sein dürfte.

Japan sei bisher zwar relativ gut durch die Coronavirus-Krise gekommen und die deutlich an Dynamik gewinnende ökonomische Aktivität in China mache doch Hoffnung auf eine perspektivische Besserung, momentan würden die Probleme in Europa und Nordamerika die exportorientierte japanische Wirtschaft aber doch ziemlich nachhaltig belasten. Die Analysten der NORD/LB sähen ab dem 2. Halbjahr 2020 neue Impulse durch die auf das Jahr 2021 verschobenen Olympischen Sommerspiele. Allerdings würden sich Gesundheitspolitiker in Japan offenbar Sorgen bezüglich der Durchführbarkeit dieses sportlichen Großevents zu machen beginnen. Auch die Bevölkerung blicke doch recht skeptisch auf die Spiele. Eine aktuelle Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News zeige, dass sich 36,4% der Befragten für eine erneute Verschiebung und 33,7% der an der Umfrage teilnehmenden Personen sogar für eine Absage der Sommerspiele aussprechen würden. Nur 23,9% der Japaner würden die Austragung zum derzeit avisierten Termin favorisieren. Sollte die wohl wichtigste globale Sportveranstaltung des Jahres 2021 in der Tat doch noch komplett entfallen, würden die Analysten der NORD/LB ihre BIP-Prognose für Japan auf jeden Fall nach unten anpassen müssen. Dies sei derzeit aber keinesfalls ihr Basis-Szenario. (Ausgabe August 2020) (27.07.2020/alc/a/a)