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Bank of Japan: Worte statt Taten - und Hoffnung auf bessere Zeiten


15.07.20 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß hat die Bank of Japan auch am aktuellen Rand keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vornehmen wollen, so die Analysten der Nord LB.

Somit würden der "traditionelle" Leitzins und die Zielrendite für japanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahre auf dem inzwischen "bewährten" Niveau bleiben. Auch bei den Kaufprogrammen habe es keine Anpassungen gegeben. Die Entscheidung der Zentralbank in Tokio sei nicht einstimmig gefallen. Goushi Kataoka habe sich angesichts des schwierigen ökonomischen Umfeldes für sinkende Zinsen am kurzen und langen Ende ausgesprochen. Auch diese Nachricht sei aber wohl kaum als größere Überraschung zu werten.

In jedem Fall bleibe die Notenbank in Tokio angesichts der Coronavirus-Krise sehr vorsichtig. Zentralbankchef Haruhiko Kuroda habe zu Protokoll gegeben, dass sich die japanische Wirtschaft in einer problematischen Situation befinden würde. Er habe allerdings auch betont, dass nach dem Einbruch der ökonomischen Aktivität zum Start des Jahres 2020 mit Besserungstendenzen im 2. Halbjahr zu rechnen sei. Hierfür gebe es auch bereits erste Anzeichen. So sei der Boden bei der Nachfrage nach Gütern nach Auffassung von Kuroda inzwischen erreicht.

Interessant sei, dass Kuroda in diesem angespannten Umfeld zwar dämpfende Effekte auf das makroökonomische Preisniveau sehe, die Gefahr des Abrutschens Japans in eine Deflation aber dennoch für eher gering zu halten scheine. Entsprechend behalte die Bank of Japan ihr ambitioniertes Inflationsziel von 2% auch weiterhin bei. Diese Nachricht würden die Analysten aber jedoch nicht überbewerten wollen. In der Tat sollte das durchaus umstrittenen Inflationsziel der Notenbank in Tokio wohl eher als eine Art indikative Interessenbekundung der Wirtschaftspolitiker angesehen werden, welche allenfalls sehr langfristig auch von wirklicher Relevanz für die japanische Geldpolitik sein dürfte.

Kuroda habe auch betont, dass die Notenbank im Bedarfsfall ohne größere Verzögerungen weitere dann notwendige stützende geldpolitische Maßnahmen ergreifen werde. In diesem Kontext habe der Zentralbankchef mögliche Leitzinssenkungen thematisiert, optional aber auch Spielraum für Anpassungen bei den Kaufprogrammen der Bank of Japan gesehen. Kuroda habe zudem zu Protokoll gegeben, dass die Japanische Zentralbank die Zinsen auf niedrigem Niveau verankern wolle. Die durch die Bank of Japan ergriffenen Maßnahmen hätten nach seiner Einschätzung bereits eindeutig geholfen, die Ökonomie des Inselstaates zu stabilisieren. In diesem Zusammenhang habe er vor allem auf den Arbeitsmarkt des Landes verwiesen.

Auch am aktuellen Rand habe die Bank of Japan keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen. Dieses Faktum stelle wohl kaum eine Überraschung dar. Das Motto der Zentralbank dürfte derzeit somit "Worte statt Taten" sein. Zudem hoffe man offenkundig auf eine wirtschaftliche Erholung nach dem Ende der Coronavirus-Krise. Der Notenbank in Tokio scheine es aber auch weiterhin sehr wichtig zu sein, den Finanzmärkte im Bedarfsfall ihre Bereitschaft zu weiteren geldpolitischen Lockerungen klar zu zeigen.

Zudem werde von den Zentralbankern auch immer wieder signalisiert, dass es in der praktischen Umsetzung wirklich noch neue Möglichkeiten zur Stützung der japanischen Wirtschaft durch die Bank of Japan geben könne. Dies zeige ohne jeden Zweifel die bei den Notenbankern weiterhin vorhandenen Sorgen bezüglich der konjunkturellen Entwicklung im Land der aufgehenden Sonne an. (15.07.2020/alc/a/a)