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Bank of Japan: Notenbank mit ruhiger Hand und grünem Daumen


16.07.21 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat heute wieder keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik verkünden wollen, so die Analysten der Nord LB.

Die Notenbanker in Tokio würden die japanische Wirtschaft folglich auch weiterhin mit sehr ruhiger Hand steuern - kritische Beobachter könnten allerdings auch argumentieren, dass man einfach nur auf Zeit spiele. In jedem Fall würden der traditionelle Leitzins und die Zielrendite von Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren weiterhin auf dem "bewährten" Niveau bleiben. Diese Nachricht stelle aber wohl keine Überraschung dar.

Die Notenbanker in Tokio würden inzwischen allerdings wieder etwas skeptischer auf die Entwicklung der japanischen Wirtschaft im Fiskaljahr 2021 blicken. Die entsprechende Prognose sei am aktuellen Rand reduziert worden. Dies sei eine Folge der Belastungen durch die Coronavirus-Krise. Für 2022 sei man daher nun etwas optimistischer. Erwartungsgemäß habe wieder keine Einstimmigkeit bei den Beschlüssen zur weiteren Zinspolitik erzielt werden können. Goushi Kataoka spreche sich noch immer für eine Senkung der Leitzinsen in Japan aus und wolle damit Impulse für weitere Investitionen des Unternehmenssektors im Land der aufgehenden Sonne liefern. Er bleibe allerdings ein einsamer Rufer.

Die Notenbank in Tokio habe abermals die ökonomischen Risiken betont, die der Klimawandel in Japan auslösen könne. Die Zentralbank wolle an dieser Stelle helfen und sich den für die Geldpolitik recht neuen Herausforderungen vor allem auch zügig stellen. Daher habe man heute konkretere Informationen zum neuen Programm zur Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel bereitgestellt. Zudem plane die Bank of Japan verstärkt Greenbonds zu kaufen. So wolle die Notenbank im Rahmen ihrer neuen Klimastrategie zukünftig grüne Fremdwährungsanleihen ausländischer Staaten und Institutionen erwerben.

Nach der Notenbanksitzung habe der Zentralbankchef Haruhiko Kuroda anlässlich der turnusmäßigen Pressekonferenz betont, dass die Erholung der Ökonomie Japans anhalten würde. Dabei helfe die Nachfrage aus dem Ausland und die zunehmende Zahl an geimpften Personen. Die Unsicherheit bleibe seiner Auffassung nach aber groß. Entsprechend wäre die Notenbank in Tokio bei Bedarf auch weiterhin bereit, zügig zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung der japanischen Wirtschaft zu ergreifen. Kuroda habe abermals die Bedeutung des Inflationsziels der Bank of Japan betont; die "magische" Marke von 2% solle möglichst zügig erreicht werden.

In diesem Kontext habe er auch auf den kräftigen Anstieg der Rohstoffpreise verwiesen, der seiner Auffassung nach vor allem als Resultat des globalen Anstiegs der Nachfrage anzusehen sein dürfte. Die Notenbank in Tokio wolle diese aktuellen Entwicklungen an der makroökonomischen Preisfront nun besonders genau beobachten. Die Inflationsprognose für das Fiskaljahr 2021 sei entsprechend etwas angehoben worden. Dies sei vor allem ein Resultat der gestiegenen Energiepreise. Die Zentralbank habe zudem betont, dass die dämpfenden Effekte durch niedrigere Gebühren im Mobilfunkbereich nun nach und nach in den Hintergrund treten würden.

Mit Blick auf ihre Zinspolitik warte die Bank of Japan erwartungsgemäß auch weiterhin ab und habe heute daher auch keine Anpassungen verkünden wollen. Der Kampf gegen den Klimawandel rücke aber zunehmend stärker in den Fokus der Notenbank. So seien von der Bank of Japan beispielsweise konkretere Informationen zum neuen Programm zur Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel geliefert worden. Die Notenbank agiere inzwischen folglich nicht nur mit ruhiger Hand, sondern auch zunehmend mit grünem Daumen. (16.07.2021/alc/a/a)