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Bank of Japan: Kuroda kauft Uhr, lehnt es ab, über Exit zu reden


16.06.17 12:50
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat, wie allseits erwartet, nicht in den geldpolitischen Instrumentenkoffer gegriffen, so die Analysten der Nord LB.

Das heiße, es bleibe bei einem Leitzins in Höhe von -0,10% und der 0,00% Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen.

Obwohl die Entwicklung der Inflation - im April 0,4% Y/Y - unterhalb der Projektion der Notenbank liege, habe Kuroda die Einschätzung zur Lage der Wirtschaft und der Inflation kaum geändert. Die Erwartung an den privaten Konsum sei leicht nach oben korrigiert worden.

Die Preisentwicklung sei allerdings der kritischste Punkt. Hier habe sich die Bank of Japan immer wieder Mühe zu erklären gegeben, warum das Inflationsziel aktuell nicht erreichbar sei. Ohnehin sei der Zeitplan der Erreichung der Zielmarke mehrfach nach hinten verschoben worden. Seien erst Sonderfaktoren wie der Preisverfall des Öls "Schuld" gewesen, sei es nun das über Jahrzehnte geprägte deflationäre Mindset der Japaner, das eben viel Zeit brauche, um es zu ändern. Das sei schon eine halbe Kapitulation.

Normalerweise müsste es bei einem Wachstum über Potenzial und einer hohen Beschäftigung - die Arbeitslosenquote liege bei 2,8% - in der Tat einen stärkeren Preisauftrieb geben. Allerdings reflektiere sich das Wachstum auch nicht so in der Lohnentwicklung, wie man es in solch einer Situation nach Lehrbuch erwarten könnte. Das sei aber auch ein deutlicher Hinweis auf ein möglicherweise zu hoch gestecktes Ziel.

Abgesehen von den Preisen gebe es derzeit nur wenige Gründe, mit der wirtschaftlichen Entwicklung oder den Wechselkursen unzufrieden zu sein. Daher überrasche es auch nicht, dass auf der Pressekonferenz auch das Thema Exit angefragt worden sei. Notenbankgouverneur Kuroda habe es aber abgelehnt, darüber zu reden, solange die Zielinflation nicht erreicht sei. Der Druck, zumindest über einen langsamen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik zu diskutieren, werde dennoch größer, zumal die FED nach vier Zinserhöhungen nun bald effektiv anfänge, die Bilanz zurückzubauen und die EZB auch die erste verbale Abrüstung in der letzten Woche geliefert habe. Angesichts der robusten wirtschaftlichen Lage dürfte zumindest eine Diskussion über ein Ausstiegsszenario erlaubt sein, Herr Kuroda.

Als kleine Anekdote am Rande: befragt nach seinem letzten Konsum habe der Notenbankgouverneur auf seine Uhr gezeigt. Die sei sicher nicht billig gewesen, also habe er damit selbst einen kleinen Beitrag zur Steigerung des privaten Konsums geliefert.

An den Märkten habe die heutige Sitzung wenig Spuren hinterlassen. Der Yen notiere zum US-Dollar leicht schwächer. Der Nikkei habe nicht wirklich auf die Ankündigung reagiert, die Uhrenhersteller-Aktien nicht auf die Pressekonferenz.

Die japanische Notenbank belasse alles beim Alten. Sie passe auch die Einschätzung zur Lage nur marginal an. Die Verfehlung des Inflationsziels werde mit dem deflationären Mindset der Japaner begründet, dass sich halt nur sehr langsam ändern würde. Das klinge schon halb nach Kapitulation. Die positive Situation der Wirtschaft und die beginnende geldpolitische Abrüstung vor allem in den USA, verbal aber auch in Europa, erhöhe den Druck auf die Bank of Japan, eine Exit-Strategie zumindest zu diskutieren. Notenbankgouverneur Kuroda lehne es aber ab, darüber zu reden, so lange das Inflationsziel nicht erreicht sei. Von der Pressekonferenz sei vor allem hängen geblieben, dass sich der Notenbankchef anscheinend eine neue Uhr gekauft habe - das sage schon viel aus. (16.06.2017/alc/a/a)