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Bank of Japan: Kein Kotau vor dem neuen Regierungschef


17.09.20 11:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Bank of Japan hat am aktuellen Rand keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen, berichten die Analysten der Nord LB.

Folglich würden der "traditionelle" Leitzins und die Zielrendite für japanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren auch weiterhin regelrecht auf dem bisherigen Niveau festgezurrt. Bei den Kaufprogrammen habe es ebenfalls keine Veränderungen gegeben. Die Entscheidungen der Zentralbank in Tokio hätten die Finanzmärkte keinesfalls überrascht. Sie seien aber einmal mehr nicht einstimmig gefallen. Goushi Kataoka sehe noch immer einen Bedarf für neue Zinssenkungen, um der japanischen Wirtschaft zu helfen. Im Führungsgremium der Bank of Japan bleibe er damit aber ein einsamer Rufer.

Interessant sei allerdings schon, dass die Zentralbank in Tokio inzwischen weniger pessimistisch in die Zukunft blicke. Anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung habe der Zentralbankchef Haruhiko Kuroda betont, dass die japanische Geldpolitik bei der Bewältigung der aktuellen Krise schon geholfen zu haben scheine. In diesem Kontext habe er beispielsweise auf den nur begrenzten Anstieg der Arbeitslosigkeit verwiesen. Das Inflationsziel von 2%, welches zuletzt auch aufgrund der Coronavirus-Krise nicht habe erfüllt werden können, wolle Kuroda auch weiterhin beibehalten. Zudem habe er zu Protokoll gegeben, dass die Bank of Japan den Devisenmarkt genau beobachten werde. In Tokio gebe es die Sorge, dass der Yen bereits zu stark aufgewertet haben könnte. Kuroda habe in diesem Kontext betont, dass Wechselkurse angemessen die relevanten fundamentalen Faktoren reflektieren sollten. Am Aktienmarkt sehe er keine Tendenzen hin zu einer gefährlichen Überbewertung. Seiner Auffassung nach würden insbesondere die ETF-Käufe der Bank of Japan nicht zu Verwerfungen führen.

Mit Blick auf die weitere Geldpolitik in Japan müsse auch der neue Regierungschef genau im Auge behalten werden. In dieser Woche sei der bisherige Kabinettsminister Yoshihide Suga vom Parlament zum neuen Premierminister und Nachfolger Shinzo Abes gewählt worden. Suga wolle die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers grundsätzlich fortführen. Er könnte sogar noch eine Spur offensiver ins ökonomische Geschehen im Land der aufgehenden Sonne eingreifen wollen. So scheine Suga einen deutlich schwächeren Yen zu präferieren. Damit wolle er die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Unternehmen verbessern. Eine zentrale Maßnahme, welche nach Auffassung Sugas die gewünschte Bewegung in den Devisenmarkt bringen könnte, scheine in der Tat die Einführung von Negativzinsen zu sein.

Der neue Premierminister setze bei der Transmission geldpolitischer Impulse somit offenbar vor allem auf den Wechselkurskanal. Die Regierung in Tokio dürfte nach Auffassung der Analysten der Nord LB zukünftig zumindest gewissen zusätzlichen politischen Druck auf die Bank of Japan ausüben und den Währungshütern vor allem weitere Zinssenkungen nahelegen. Ohne weitere exogene Schocks werde die Notenbank dem neuen Premierminister in dieser Frage aber wohl eher nicht entgegenkommen. Zwar gebe es in der Bank of Japan vereinzelte Stimmen, die sich schon jetzt für Zinssenkungen aussprechen würden, diese Auffassung sei aber unter den zentralen Entscheidungsträgern keinesfalls mehrheitsfähig. Viele Zentralbanker hätten die Sorge, dass Negativzinsen die Gewinne der japanischen Banken verringern könnten und daher negativ für die Finanzmarktstabilität sein könnten. Immerhin habe Notenbankchef Kuroda aber zu Protokoll gegeben, dass weitere Zinssenkungen in Japan noch möglich sein könnten.

Die Bank of Japan habe keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen. Der neue Premierminister gelte zwar als Anhänger einer schwächeren heimischen Währung und präferiere daher wohl auch Negativzinsen, die Notenbank habe sich aber zumindest zunächst mit großer Mehrheit gegen den Kotau vor dem Nachfolger Shinzo Abes entschieden. (17.09.2020/alc/a/a)