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Bank of England sieht Stabilisierungsanzeichen


01.07.20 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Auf ihrer Juni-Sitzung haben sich die geldpolitischen Entscheidungsträger auf eine Ausweitung des Quantitative Easings um GBP 100 Mrd. geeinigt und damit erwartungsgemäß agiert, so die Analysten der Nord LB.

Der MPC-Beschluss selbst - aus dem nunmehr eine QE-Zielgröße von GBP 745 Mrd. resultiere, welche nach Angabe der Notenbanker zum Jahresende erreicht werden sollte - sei somit keineswegs als Überraschung zu bewerten gewesen. Hervorzuheben sei hingegen durchaus, dass die indizierte Verlangsamung des Ankauftempos eine MPC-Einschätzung widerspiegle, nach der sich die Liquiditätssituation im Land verbessert habe. Auch die (einzige) Gegenstimme in Bezug auf die QE-Ausweitung, die vom BoE-Chefvolkswirt Haldane zu Protokoll gegeben worden sei, würden die Analysten als bemerkenswert erachten. So habe es hier im Statement als Begründung geheißen, dass sich Nachfrage und Produktion früher und schneller erholt hätten, als es noch zur Mai-Sitzung erwartet worden sei.

Einige der jüngsten Konjunkturindikatoren des Landes würden tatsächlich eine relative Belebung der ökonomischen Aktivität im Vereinigten Königreich andeuten. So sei für die Einkaufsmanagerumfragen des Landes eine Gegenbewegung zu vermelden. Demnach habe der UK Markit/CIPS Services Flash PMI spürbar auf 47 Punkte angezogen (Vormonat: 29 Zähler). Auch im Verarbeitenden Gewerbe materialisiere sich der Schnellschätzung für den Monat Juni folgend eine dynamischere Aktivität. Der Manufacturing PMI habe mit 50,1 Punkten die Schwelle von 50 Zählern überschreiten können (Vormonat: 40,7).

Als Schwachpunkt der britischen Volkswirtschaft sei insbesondere der von den COVID19-bedingten Lockdowns hart getroffene Arbeitsmarkt anzusehen. Die bereits erfolgten und ab dem 04. Juli noch einmal weiterreichenden Lockerungen dürften hier erst zeitverzögert zu einer Verbesserung der Lage beitragen, zumal die Öffnungsstrategie von PM Boris Johnson nicht ohne Risiken sei. Insofern sei nach Erachten der Analysten auch mit weiteren staatlichen Stützungsimpulsen zu rechnen, die auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sein sollten. Unter anderem in diesem Kontext würden sie dann auch Argumente für eine weitere Aufstockung der QE-Zielgröße der BoE als wahrscheinlich ansehen.

Die zweite Jahreshälfte werde außerdem von den Brexit-Verhandlungen mit der EU geprägt sein. Die Option auf eine formale Verlängerung der Verhandlungszeit über den 31. Dezember 2020 hinaus habe London in diesem Monat (und damit gänzlich) bewusst verfallen lassen. Dies erhöhe den Druck auf die kommenden Verhandlungsrunden im Juli und August, wobei die Analysten verhalten optimistisch bleiben würden. Ihre Konjunkturprognosen würden weiterhin keinen "harten Brexit" widerspiegeln. (Ausgabe vom Juli 2020) (01.07.2020/alc/a/a)