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Bank of England in der Zwickmühle


03.10.17 10:00
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England (BoE) steht vor einer schwierigen Aufgabe, so die Analysten von BNP Paribas.

In den Austrittsgesprächen Großbritanniens mit der EU gehe es bislang kaum vorwärts. Der Verfall des Britischen Pfunds sorge zudem dafür, dass der Import von Gütern immer teurer werde, was die Lebenshaltungskosten auf der Insel weiter in die Höhe treibe. Allein für Bekleidung hätten die Briten im vergangenen Monat 4,6 Prozent mehr bezahlen müssen. Die Jahresteuerung habe im August bei 2,9 Prozent gelegen. Die britischen Währungshüter würden sogar erwarten, dass die Inflation im Oktober die 3-Prozent-Marke übersteigen könnte. Damit würde die Zielmarke der BoE von 2 Prozent weiter in die Ferne rücken.

In der Regel reagiere eine Zentralbank auf Inflationsdruck mit Zinserhöhungen. Doch dafür müsste die Wirtschaft höhere Zinsen auch verkraften können. Doch genau hier befinde sich die nächste Baustelle des Landes. Das Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens sei im zweiten Quartal lediglich um 0,3 Prozent gewachsen. Stagnierende Investitionen der Unternehmen sowie die Flaute in der Bauwirtschaft hätten sich hier deutlich bemerkbar gemacht. Da das Lohnwachstum nicht mit der Inflation Schritt halten könne, würden die Bürger Käufe zurückstellen, was die Konjunktur zusätzlich bremse.

Auf der Notenbanksitzung am 14. September habe die BoE die Leitzinsen daher unangetastet gelassen - der Schlüsselsatz sei auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,25 Prozent geblieben. Wie bereits auf der vorherigen Sitzung hätten von den neun stimmberechtigten Notenbankmitgliedern nur zwei für eine sofortige Zinserhöhung votiert. Allerdings habe die BoE im Anschluss an die Zinsentscheidung klare Signale einer baldigen Straffung der Geldpolitik gesendet. An den Finanzmärkten sei man zuletzt eher davon ausgegangen, dass die Notenbanker erst Fortschritte bei den Austrittsgesprächen mit der EU sehen möchten, bevor sie die Geldpolitik lockern würden. Doch hätten die Währungshüter den Fokus wieder verstärkt auf die Inflationsentwicklung gelegt, weshalb es nach der Zinsentscheidung zu einer deutlichen Reaktion an den Märkten gekommen sei.

Das Pfund habe zum Euro deutlich fester tendiert. Gleichzeitig hätten die Anleiherenditen kräftig angezogen. Eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr scheine für die Marktteilnehmer nun beschlossene Sache zu sein. Doch selbst wenn es zu einer Erhöhung kommen sollte, viele weitere Zinserhöhungen seien in naher Zukunft nicht unbedingt zu erwarten. Mit einem Zinsschritt würde Marktbeobachtern zufolge lediglich die im Zuge des Brexit-Votums überstürzte Leitzinssenkung aus dem Vorjahr korrigiert. (Ausgabe Oktober 2017) (03.10.2017/alc/a/a)