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Bank of England: Der Spagat wird nicht einfacher


14.09.17 16:11
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Auf seiner heutigen Sitzung hat das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) mehrheitlich entschieden, alle relevanten geldpolitischen Parameter im Vereinigten Königreich unverändert zu belassen, so die Analysten der Nord LB.

Die Bank Rate verbleibe bei 0,25% und auch die Zielgrößen der Ankaufprogramme von Staats- und Unternehmensanleihen seien nicht angetastet worden. Diese Geradeausfahrt der Londoner Notenbank sei von den Analysten und allen anderen von Bloomberg befragten Volkswirten erwartet worden und daher nicht überraschend.

Bei der Abstimmung zum Leitzins hätten mit Ian McCafferty und Michael Saunders erneut zwei Mitglieder des MPC für eine Anhebung der Bank Rate um 25 Basispunkte votiert. Die Beschlüsse zu den Ankaufprogrammen seien einstimmig erfolgt. Nachdem Charlotte Hogg aufgrund eines Interessenkonflikts bereits im März auf ihr Amt verzichtet habe, sei mit Sir Dave Ramsden nun ein Nachfolger in das MPC gerückt, welches damit wieder vollzählig sei.

Der bisherige Wirtschaftsberater im Finanzministerium könne als Befürworter einer eher lockeren Geldpolitik gelten. Das Meinungsbild im MPC lasse sich etwas flapsig mit der Umschreibung "MacCafferty und Saunders gegen den Rest" kennzeichnen. Die Analysten würden vorerst von einem unveränderten Kurs der BoE ausgehen. Allerdings weise die Notenbank in ihrer heutigen Erklärung darauf hin, dass über kurz oder lang eine Straffung der Geldpolitik gerechtfertigt sein könne, sofern sich die Wirtschaft so wie in den im letzten Monat vorgestellten Projektionen entwickele. Das Pfund habe daraufhin gegenüber allen relevanten Währungen ein wenig an Boden gut machen können.

In der Tat sei der Spagat, den die BoE zwischen hohen Inflationsraten und einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik nun schon seit einiger Zeit vollziehe, nicht einfacher geworden. Im August sei die Jahresteuerungsrate bei den Lebenshaltungskosten auf 2,9% Y/Y geklettert. Neben den auch in anderen Ländern zuletzt zu beobachtenden Basiseffekten bei den energiesensitiven Komponenten sei das schwache Pfund maßgeblich für den starken Anstieg der Verbraucherpreise verantwortlich. Der Anteil importierter Produkte im statistischen Warenkorb sei in Großbritannien typischerweise sehr hoch.

Der gestern veröffentlichte Arbeitsmarktbericht habe mit der auf den historischen Tiefstwert von 4,3% gefallenen Arbeitslosenquote auf den ersten Blick zwar erfreuliche Informationen zu bieten gehabt. Der weiterhin nur sehr schleppende Zuwachs bei den Löhnen und Gehältern um gerade einmal 2,1% Y/Y werde von der hohen Inflationsrate aber mehr als aufgezehrt. Eine Erosion der Kaufkraft der Verbraucher im Vereinigten Königreich sei die Folge. Obwohl viele Briten versuchen würden, ihr Konsumniveau zu Lasten der Ersparnis aufrecht zu erhalten, werde das nicht lange gut gehen und die Binnennachfrage noch stärker unter Druck bringen.

Gegen eine Straffung der Geldpolitik spreche nach Auffassung der Analysten aber vor allem die große Verunsicherung im Kontext der konzeptlosen Vorgehensweise der Briten bei den nunmehr bereits in die vierte Runde gehenden Brexit-Verhandlungen. Die mit dem Brexit verbundenen Risiken habe der Governor der BoE Mark Carney denn auch hinreichend eindringlich zum Ausdruck gebracht.

Die Bank of England habe heute mit sieben gegen zwei Stimmen entschieden, den Leitzins und die Zielgrößen der Ankaufprogramme unverändert zu belassen. Allerdings weise die Notenbank in ihrer heutigen Erklärung darauf hin, dass "in den nächsten Monaten" eine Straffung der Geldpolitik gerechtfertigt sein könne, sofern sich die Wirtschaft so wie in den im letzten Monat vorgestellten Projektionen entwickele. Das Pfund habe daraufhin gegenüber allen relevanten Währungen ein wenig Boden gut machen können. Gegen eine Straffung der Geldpolitik würden nach Auffassung der Analysten aber die sich abschwächende Konjunktur und vor allem die Verunsicherung im Kontext der Brexit-Verhandlungen sprechen. (14.09.2017/alc/a/a)