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Bank of England: Geldpolitischer Warnschuss wird zum Rohrkrepierer


02.11.17 17:05
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) hat auf seiner heutigen Sitzung entschieden, die Bank Rate um 25 Basispunkte auf nun 0,50% anzuheben, so die Analysten der Nord LB.

Die Zielgrößen der Ankaufprogramme von Staats- und Unternehmensanleihen seien nicht angetastet worden. Diese erste Leitzinserhöhung der Londoner Notenbank seit rund zehn Jahren sei von den Analysten und nahezu allen anderen Volkswirten erwartet worden und daher kaum überraschend.

Bei der Abstimmung zum Leitzins hätten immerhin sieben der neun Mitglieder des MPC für den Zinsschritt votiert. Dagegen hätten Jon Cunliffe und Dave Ramsden gestimmt, die ihren Ruf als Befürworter einer lockeren Geldpolitik damit bestätigt hätten. Die Beschlüsse zu den Ankaufprogrammen seien einstimmig erfolgt.

Die BoE habe mehrheitlich die Abwägung zwischen Inflationsgefahren und den Risiken einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik zugunsten einer gegen die ausufernde Teuerung gerichteten Geldpolitik getroffen. Die in ihrem vierteljährlich aktualisierten Inflation Report heute vorgestellten gesamtwirtschaftlichen Projektionen hätten sich gegenüber den im August veröffentlichten Prognosen denn auch kaum verändert.

Die Notenbank erwarte ein Überschießen der Inflation zwischenzeitlich sogar auf Werte oberhalb der 3%-Marke, die im September bei den Verbraucherpreisen bereits erreicht worden sei. Nicht zuletzt die Zahlen des Statistikamtes ONS zum überraschend robusten Wirtschaftswachstum im 3. Quartal hätten für den Augenblick zwar den Weg für einen Zinsschritt frei gemacht. Die BoE betone in ihrem Inflation Report aber sehr eindringlich die erheblichen Risiken etwaiger Rückschläge bei den Investitionen und auch auf dem Arbeitsmarkt als Konsequenzen eines ungeregelten Brexit.

Damit sei die heutige Leitzinsanhebung weniger ein Startschuss für den Kurswechsel hin zu einer wieder neutraleren Ausrichtung als ein Warnschuss, der seine Wirkung im ersten Moment allerdings verfehlt zu haben scheine. Gewiss habe die BoE unter Beweis stellen wollen, dass sie die in ihrem Köcher befindlichen Pfeile auch abzuschießen bereit sei - gegen das schwache Pfund und die importierte Inflation. Ihr - verständlicherweise - sehr auf die Risiken gerichteter Ausblick deute aber keineswegs darauf hin, dass das MPC allzu bald noch einmal nachlegen werde. Im Gegenteil.

Die Analysten würden auf Sicht eine Geradeausfahrt in dem engen Korridor zwischen den über der Ziellinie liegenden Inflationsraten und einer sich im Kontext des Brexit mehr und mehr abschwächenden Wachstumsdynamik erwarten. Die Devisenmärkte schienen es ähnlich zu interpretieren, so die Analysten der Nord LB. Das Pfund habe gegenüber allen relevanten Währungen deutlich an Wert verloren. Damit werde der geldpolitische Warnschuss zum Rohrkrepierer.

Die BoE sei für die verheerenden Konsequenzen der Brexit-Entscheidung nicht verantwortlich und habe von Beginn an davor gewarnt. Die Hilflosigkeit, mit der sie nun versuche, die Nebenwirkungen beim Wechselkurs und bei der Preisstabilität zu bekämpfen, sei aber geradezu bedrückend.

Die Bank of England habe heute zum ersten Mal seit zehn Jahren die Leitzinsen angehoben. Eine Mehrheit der Mitglieder des MPC habe die Abwägung zwischen Inflationsgefahren und den Risiken einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik zugunsten einer gegen die ausufernde Teuerung gerichteten Geldpolitik getroffen. Die Entscheidung sei jedoch weniger ein Startschuss für den Kurswechsel hin zu einer wieder neutraleren Ausrichtung als ein Warnschuss, der seine Wirkung im ersten Moment allerdings verfehlt zu haben scheine. Das Pfund habe gegenüber allen relevanten Währungen deutlich an Wert verloren. Damit werde der geldpolitische Warnschuss zum Rohrkrepierer. (02.11.2017/alc/a/a)