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Bank of England: 6,5 zu 2,5 beim Spiel Tauben gegen Falken


04.11.21 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat heute beschlossen, die Bank Rate als maßgeblichen britischen Leitzins unverändert bei einem Wert von 0,10% zu belassen, so die Analysten der Nord LB.

Erwartungsgemäß habe bei dieser Entscheidung keine Einstimmigkeit erzielt werden können. Michael Saunders und David Ramsden hätten für eine bereits am aktuellen Rand für höhere Zinsen gestimmt. Auch bei QE-Programmen seien zunächst keine Veränderungen vorgenommen worden. Hier sei es ebenfalls nicht zu einem einstimmigen Votum gekommen. Neben den beiden üblichen Verdächtigen - also Michael Saunders und David Ramsden - habe nun auch Catherine Mann für Anpassungen beim Quantitative Easing gestimmt. Dies sei allerdings keinesfalls eine überraschende Nachricht. In der Summe stehe es damit 6,5 zu 2,5 beim Spiel Tauben gegen Falken.

Die Inflationsentwicklung im Vereinigten Königreich übe ohne jeden Zweifel einen gewissen Handlungsdruck auf die Bank of England aus. Dieser Tatsache seien sich die Notenbanker in London natürlich bewusst. Folglich hätten einige Beobachter schon am aktuellen Rand mit Handlungen der verantwortlichen Entscheidungsträger gerechnet. Aufgeschoben sei aber natürlich nicht aufgehoben.

Nach Auffassung der Analysten sollte es nun recht bald zu einem Zinsschritt nach oben kommen. Die jüngsten Kommentare aus dem Führungszirkel der Bank of England würden sehr klar zeigen, dass man perspektivisch schon die Notwendigkeit für eine vorsichtige Neuausrichtung der britischen Geldpolitik sehe. Zentral dürfte in diesem Kontext aber wohl der Begriff "vorsichtig" sein. In der Tat hätten einige hochrangige britische Notenbanker den Finanzmärkten mit ihrer heutigen Prokrastination offenbar vor allem das Signal geben wollen, nicht auf zu hektische Bewegungen zu spekulieren.

Zudem dürften einige Entscheidungsträger der Bank of England planen, vor einem Zinsschritt noch weitere Arbeitsmarktdaten näher zu analysieren. Es müsse aber nochmals klar festgehalten werden, dass das aktuelle Inflationsumfeld Leitzinsanhebungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits sehr bald erforderlich machen werde. An dieser Stelle spiele auch die Glaubwürdigkeit der Notenbank eine nicht zu unterschätzende Rolle. Eine weniger expansive Ausrichtung der Geldpolitik der Bank of England sei perspektivisch auf jeden Fall angebracht.

Allerdings hat die Mehrheit der Entscheidungsträger im Monetary Policy Committee den Märkten mit ihrem am aktuellen Rand zu beobachtenden zögerlichen Verhalten auch eine Nachricht senden wollen - diese lautet: BITTE erwartet nicht ZU VIEL Aktivität von uns, so die Analysten der Nord LB. Entsprechend sei das Pfund nach der Veröffentlichung der aktuellen Entscheidungen der Notenbanker unter Druck geraten. Zudem hätten die britischen Kapitalmarktzinsen nachgegeben; die Rendite von Staatsanleihen des Landes mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren sei wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1,00% gefallen.

Die Bank of England habe zunächst keine Anpassungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vornehmen wollen. Man spiele in London also weiter auf Zeit. Die Entscheidung komme nicht völlig überraschend und habe auch nicht einstimmig gefällt werden können. Im Spiel Tauben gegen Falken stehe es nun 6,5 zu 2,5. Aufgeschoben sei allerdings keinesfalls aufgehoben - aufgrund Ihrer Zielvorgaben werde die Notenbank in London um eine Leitzinsanhebung nicht herumkommen. Sonst würde die Glaubwürdigkeit der Bank of England leiden.

Nach Auffassung der Analysten sei die heutige Prokrastination der Mehrheit der Zentralbanker vor allem ein Versuch, den Finanzmärkten eine Nachricht zu senden; die Marktteilnehmer seien wohl nach Auffassung der Bank of England in der Gefahr gewesen, zu viel Aktivität von der Notenbank zu erwarten. Diese Nachricht scheine nun angekommen zu sein! (04.11.2021/alc/a/a)