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Die Bank of Canada bleibt vorsichtig


27.07.20 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß hat die Bank of Canada anlässlich der jüngsten Notenbanksitzung keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen und die Overnight Rate entsprechend bei 0,25% belassen, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Negativzinsen scheine man in Ottawa aber doch ziemlich kritisch zu sehen. Offenbar existiere mit Blick auf die Overnight Rate für die Bank of Canada eine Art untere Schranke im Bereich von 0,25%. Die Notenbank habe allerdings auch verkündet, erst dann konkreter über Leitzinsanhebungen nachdenken zu wollen, wenn das Inflationsziel von 2% auch wieder nachhaltig erreicht worden sei und die Arbeitslosenzahlen zudem auf das Vorkrisenniveau gefallen seien. Insofern sei in den kommenden zwei Jahren nicht mit höheren Leitzinsen zu rechnen, was natürlich auch Implikationen für die Kapitalmarktrenditen im CAD-Währungsraum habe.

Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass hochrangige Offizielle der Zentralbank gegenüber der Presse betont hätten, man beobachte die Erfahrungen Japans und Australiens mit der Zinsstrukturkurvensteuerung sehr genau. Die ökonomische Lage in Kanada scheine man innerhalb der Bank of Canada inzwischen weniger kritisch zu beurteilen. Die Notenbanker hätten zuletzt eine größere Zuversicht gezeigt, dass die im Rahmen der Coronavirus-Krise in Ottawa diskutierten Worst-Case-Szenarien für die kanadische Konjunktur wahrscheinlich vermieden werden könnten.

Zu dieser Einschätzung würden die jüngst gemeldeten Daten zur Entwicklung der kanadischen Einzelhandelsumsätze in der Tat sehr gut passen. Nach der Schwäche im Vormonat habe die Zeitreihe am aktuellen Rand deutlich zulegen können. In Zahlen gesprochen habe sich im Mai ein Zuwachs um immerhin 18,7% M/M ergeben. Der Blick auf die Details zeige zwar einen Anstieg auf breiter Basis, was natürlich positiv zu bewerten sei, der deutliche Umsatzzuwachs in den kanadischen Autohäusern sei allerdings schon bemerkenswert. Nach schwachen Zahlen im März und April habe diese Untergruppe im Berichtsmonat Mai um beachtliche 66,3% M/M zugelegt. Ähnliche Entwicklungen hätten sich auch in den USA gezeigt.

Mit Blick auf die kanadischen Zahlen bleibe aber festzuhalten, dass die Jahresrate auch im Mai noch ein deutliches Minus anzeige. Es würde einen weiteren kräftigen Absatzschub im Juni benötigen, um dies zu ändern. In den USA sei dies nach den bereits bekannten vorläufigen Daten gelungen. (Ausgabe August 2020) (27.07.2020/alc/a/a)