Die BaFin erhöht ihre Anforderungen an Versicherer und Pensionskassen


05.11.19 10:30
Quant.Capital Management

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die dauerhafte Niedrigzinsphase nagt an der Kapitalstärke von Versorgungseinrichtungen, so die Experten von Quant.Capital Management.

Versicherer wie Pensionskassen sollten deshalb von der BaFin stärker kontrolliert werden, habe die Aufsichtsbehörde auf der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht am 29. Oktober erklärt. "Kostensenkungen allein reichen allerdings nicht aus, ein gezieltes Risikomanagement kann neue Spielräume für Renditen schaffen", sage Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH.

"Viele Versicherer haben auf der Kostenseite bereits viel gespart", sage Mlinaric. Dazu seien zum Teil die Überschussbeteiligungen erheblich heruntergesetzt und so auch die Eigenmittel gestärkt worden. "Dies alles wirkt zwar derzeit entlastend, ist aber nur bedingt zukunftsfähig", so Mlinaric. Es bleibe das Dilemma, dass Versicherer wie Pensionskassen in der Vergangenheit vor allem auf Zinserträge gesetzt hätten, um ihre Verpflichtungen zu bedienen. Diese aber würden nun dauerhaft wegfallen.

"In vielen Portfolios sehen wir die letzten noch mit soliden Kupons ausgestatteten Anleihen auslaufen", sage Mlinaric. "Bis jetzt gab es die Hoffnung, dass irgendwann die Zinsen wieder anziehen und neue Anleihen mit auskömmlicher Rendite eine Fortsetzung der risikoarmen Anlagestrategie ermöglichen." Diese Hoffnung sei angesichts der jüngsten Äußerungen der Notenbanken zerstoben. "Es bleibt vielen Pensionskassen und Versicherern gar nichts anderes übrig, als in risikoreichere Anlageklassen zu investieren", sage Mlinaric.

Das interne Controlling müsse dabei aber mehr und mehr auf eine Risikosicht umgestellt werden. Auch die BaFin fordere risikoangepasste Meldepflichten. "Das Risikomanagement ist heute wesentlich effizienter geworden und kann bei geringen Kosten zusätzliche Renditepotenziale erschließen", sage Mlinaric. Ausgangspunkt müsse dabei immer ein Risikomonitoring sein, das mehr als die gängigen Kennzahlen umfasse. "Wir haben gesehen, dass sich Korrelationen verändern und Aktien wie Renten zum Teil in die gleiche Richtung laufen", sage Mlinaric. Hier gelte es, steuernd einzugreifen.

Gleichzeitig könnten durch ein Risikomanagement innerhalb der bestehenden Systeme zusätzliche Risikobudgets geschaffen werden, die eine renditeträchtigere Anlage möglich machen würden, ohne dabei das Gesamtrisiko zu erhöhen. "Hier geht es um ein asymmetrisches Verschieben des Risikos: Zwar werden nicht mehr alle Spitzen bei der positiven Rendite mitgenommen. Dafür werden die Abstürze weitgehend reduziert, was in der Summe eine Mehrrendite ermöglicht", erkläre Mlinaric. (Ausgabe vom 04.11.2019) (05.11.2019/alc/a/a)