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Australiens Covered Bond-Markt meldet sich zurück


01.07.21 10:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nachdem im Mai der neuseeländische Emittent ASB Finance die erste EUR-Benchmark aus Down Under seit dem Jahr 2019 begeben hat, haben wir uns bereits gefragt, wann Emittenten aus Australien es ihren Nachbarn aus Neuseeland gleichtun würden, so Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

Mit der National Australia Bank (NAB) sei nunmehr ein australisches Institut auf seine Investoren zugegangen und beende damit den ebenfalls seit 2019 andauernden Schlummermodus des australischen EUR-Benchmarksegments. Die Analysten möchten den erfreulichen NAB-Marktauftritt zum Anlass nehmen, eine Neubewertung des australischen Teilmarktes vorzunehmen und dabei zudem einen Ausblick für das zweite Halbjahr 2021 zu geben. Auch wenn aufgrund des Fälligkeitsprofils in 2021 für Australien eine negative Net Supply zu erwarten sei, könnte sich wenigstens eine erhöhte Dynamik am Primärmarkt einstellen - dies habe nicht zuletzt das Beispiel Neuseelands eindrucksvoll gezeigt.

In Australien würden derzeit mit der Westpac Banking Group (WSTP; EUR 7,75 Mrd.; 8 Anleihen), der National Australia Bank (NAB; EUR 6,85 Mrd., 7 Anleihen), der Commonwealth Bank of Australia (CBAAU; EUR 7 Mrd.; 7 Anleihen), der Australia & New Zealand Banking Group (ANZ; 4,25 Mrd.; 4 Anleihen) sowie der Bank of Queensland (BQDAU; EUR 1 Mrd.; 2 Anleihen) insgesamt fünf Emittenten über ausstehende EUR-Benchmarks verfügen. Im Jahr 2020 seien keine Primärmarkttransaktionen aus Australien zu vermelden gewesen. Vor der National Australia Bank habe sich zuletzt die Bank of Queensland am Markt gezeigt und am 23. Mai 2019 eine EUR-Benchmarkanleihe (EUR 500 Mio.; BQDAU 0 1/8 06/04/24) platziert. Seit der Fälligkeit ihrer letzten EUR-Benchmark (MQGAU 0 3/8 03/03/21) im März dieses Jahres, verfüge die Macquarie Bank (MQGAU) über keine ausstehenden Benchmarks mehr.

Die Covered Bond-Programme der fünf aktiven EUR-Benchmarkemittenten würden über die jeweiligen Bestratings von Fitch (AAA) und Moody’s (Aaa) verfügen und sich durchweg durch auch im internationalen Vergleich sehr gute Moody’s-Collateral Scores auszeichnen. Die Cover Assets seien ausschließlich australischen Ursprungs. Mit Blick sowohl auf die Beleihungsausläufe als auch die Granularität der Deckungswerte seien die Cover Pools der australischen Emittenten durchaus vergleichbar.

Auch in Bezug auf die regulatorische Einwertung gelte festzuhalten, dass nach Einschätzung der Analysten jeweils die für Overseas-Emissionen bestmöglichen Ausprägungen erreicht würden. Etwas differenzierter sei hingegen die Fälligkeitsstruktur. Tatsächlich seien ausschließlich in Australien alle drei gängigen Formate, also Soft Bullet, Hard Bullet sowie Conditional passthrough (CPT), anzutreffen. ANZ verfüge sowohl über Hard-als auch Soft-Bullet Bonds, während die Bank of Queensland ausschließlich im CPT-Format aktiv sei. Als Soft Bullet-Emittenten würden CBAAU, NAB und WSTP auftreten.

Die fünf hier betrachteten Institute würden auch zu den aktiven Covered Bond-Emittenten abseits des Euro zählen. Tatsächlich seien mit BQDAU(AUD 750 Mio. 05/2020), NAB (GBP 1,0 Mrd. 01/2020), WSTP (USD 1,75 Mrd.; 01/2020) sowie CBAAU (GBP 1,0 Mrd.; 01/2020) vier Institute im Jahr 2020 an den Fremdwährungsmärkten aktiv gewesen. Das größte ausstehende Volumen an USD-Deals entfalle auf WSTP (USD 3,75 Mrd.), gefolgt von CBAAU (USD 2,5 Mrd.) sowie NAB (USD 2,15 Mrd.). Größter Emittent im australischen GBP-Segment sei aktuell CBAAU (GBP 1,75 Mrd.), gefolgt von NAB (GBP 1,45 Mrd.). Über das größte Volumen an öffentlich platzierten Covered Bonds in Heimatwährung verfüge WSTP (AUD 2,725 Mrd.) vor NAB (AUD1,8 Mrd.).

Emissionen abseits des Euro seien damit in Australien durchaus üblich und im Jahr 2020 - zum Teil bereits unter dem direkten Einfluss der Unsicherheit im Kontext des Ausbruchs der Corona-Krise - ein bedeutendes Fundingvehikel gewesen, wobei umgerechnet in Euro auf Basis aktueller FX-Notierungen der größte Anteil auf USD (EUR 7,05 Mrd.) entfalle (GBP: EUR 5,76 Mrd. und AUD: EUR 5,52 Mrd.). Der gesamte FX-Markt summiere sich entsprechend auf umgerechnet EUR 18,33 Mrd. Damit bleibe der EUR gemessen am ausstehenden Volumen die mit Abstand bedeutendste Währung. Die Analysten würden dies nicht zuletzt als Resultat der Relevanz des EUR-Marktes auf der Investorenseite ansehen.

Mit Blick auf die Primärmarktallokation seien in der Vergangenheit die größten Anteile der EUR-Emissionen aus Australien Investoren der DACH-Region zugeteilt worden. Auch beim jüngsten NAB-Deal seien Investoren aus Deutschland und Österreich mit 49% auf den größten Anteil an der Zuteilung gekommen. Auffällig sei bei der Platzierung zudem das hohe Gewicht von Benelux-Investoren (29%). Nach Investorenart sei im Durchschnitt ein hoher Anteil auf Bankenseite zu konstatieren, wobei dieser Anteil vergleichsweise stabil sei.

Die im Zuge des Ausbruchs der Corona-Krise auch für Australien zu beobachtenden Ausweitungen beim ASW-Spread hätten sich - wie auch in den anderen Covered Bond-Jurisdiktionen - vergleichsweise schnell zurückgebildet. Aufgrund der Begrenzung des CBPP3 auf EMU-Bonds würden australische Covered Bonds nicht direkt von den Ankäufen des Eurosystems profitieren. Gleichwohl strahle das allgemeine Spreadniveau auf die Overseas-Märkte und damit auch Australien aus. Das spiegle sich nach Auffassung der Analysten auch in den aktuellen Spreadniveaus für Covered Bonds aus Australien wider.

In diesem Kontext erscheine auch die jüngste Benchmarkemission aus Australien bemerkenswert. Mit einer Laufzeit von 7,5 Jahren habe der NAB-Bond ganz knapp eine positive Rendite (Emissionsrendite: +0,048%) erreicht. Auf Basis von aktuellen Bloombergschirmpreisen seien es für den australischen Markt ausschließlich die Bonds längerer Laufzeit, die eine positive Rendite am Markt aufweisen würden. Für den weiteren Jahresverlauf würden die Analysten bei den Spreads von einer Seitwärtsbewegung ausgehen.

Wie die Analysten bereits im Mai angemerkt hätten, stehe auch das EUR-Benchmarksegment in Australien in 2021 vor einer nennenswerten Schrumpfung. Dabei seien sie im Mai noch von einem Primärmarktvolumen in Höhe EUR 1 Mrd. ausgegangen, wobei sie bis zum März 2021 noch mit EUR 2 Mrd. gerechnet hätten. Dass sich NAB noch vor der Sommerpause erfolgreich am Markt gezeigt habe, erhöhe - wie die Analysten im Mai angedeutet hätten - das Prognoserisiko für die EUR 1 Mrd. EUR 2 Mrd. würden sie nunmehr wieder als wahrscheinlicher erachten. Demgegenüber stünden im Gesamtjahr 2021 Fälligkeiten in Höhe EUR 5,5 Mrd. Somit stünde bei EUR 2 Mrd. an Neuemissionen eine negative Net Supply von EUR 3,5 Mrd. zu Buche.

Im Zuge des Ausbruchs der Corona-Krise habe auch die australische Notenbank, die Reserve Bank of Australia (RBA), möglichen Verwerfungen am Finanzmarkt - und den daraus resultierenden negativen Konsequenzen für die Liquiditäts-bzw. Finanzierungsbedingungen für die Realwirtschaft - versucht, entgegenzuwirken. Eine maßgebliche Komponente sei das Instrument der Term Funding Facility (TFF) gewesen, welches im März 2020 eingeführt worden sei. Das Zentralbank-Funding mit einer Laufzeit von drei Jahren sollte den Zinssatz für Finanzierungen über die Geschäftsbanken reduzieren und Anreize für Geschäftsbanken des Landes (authorised deposit-taking institutions, ADI) schaffen, insbesondere KMU zu finanzieren. Im September 2020 sei die Laufzeit des Programms ausgeweitet worden (neues Enddatum 30. Juni 2021) und im November 2020 habe sich die RBA zu einer Verbesserung der Konditionen für neue Ziehungen der TFF (von 0,25% auf 0,10%) entschieden.

Im Rahmen der jüngsten RBA-Zinsentscheidung werde die Stärke der konjunkturellen Erholung des Landes betont, wobei auch hier Abwärtsrisiken zu berücksichtigen seien. Auch mit Blick auf die Immobilienmärkte werde von einer Erholung gesprochen, was nach Erachten der Analysten auch als positives Signal für den Covered Bond-Markt und das Emissionsverhalten zu werten sei. Gleichzeitig verweise aber die RBA auf die Notwendigkeit eines Beibehaltens der Kreditvergabestandards auch bei Wohnimmobilien.

Die RBA gebe außerdem an, dass bisher im Rahmen des TFF AUD 134 Mrd. aufgenommen worden seien und bis zum 30. Juni 2021 noch weitere AUD 75 Mrd. in Anspruch hätten genommen werden können. Das Auslaufen der TFF könnte auch Implikationen für den Covered Bond-Markt des Landes haben, auch wenn die Laufzeit (3y) für das EUR-Benchmarksegment keine übermäßig große Relevanz habe. Dennoch könnte der Funding-Mix der Institute auch in Verbindung mit weniger stark ausgeprägten Kundeneinlagen eine nachhaltige Veränderung zugunsten öffentlicher Emissionen erfahren.

Dabei gelte es außerdem abzuwarten, inwiefern der seit der Pandemie zu beobachtende Anstieg der Liquidität im australischen Bankensektor (via TFF und Bondankäufe durch die RBA) auch am Covered Bond-Markt einen nachhaltigen Einfluss geltend mache. Letztlich sei es die Erwartung der Analysten, dass insbesondere die Möglichkeit des Zugangs zum liquiden EUR-Markt in Verbindung mit einem dynamischen Immobilienmarkt ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal für Covered Bonds im EUR-Benchmarkformat gewesen sei und wieder sein werde.

Die National Australia Bank hole Australiens EUR-Benchmarksegment aus dem Schlummermodus. Nachdem 2020 lediglich Fremdwährungsplatzierungen hervorgebracht habe, würden die Analysten auch vor dem Hintergrund der konjunkturellen und geldpolitischen Perspektive in 2021 noch mit weiteren Emissionen im EUR-Benchmarkformat aus Australien rechnen. Wie auch beim NAB-Deal dürften eher längere Laufzeiten im Fokus sein - nicht zuletzt um eine positive Emissionsrendite zu erzielen. Doch auch das Aufbauen einer neuen eigenen Kurve dürfte einigen Instituten nach der Abstinenz der vergangenen Jahre ein Anliegen sein. (Ausgabe vom 30.06.2021) (01.07.2021/alc/a/a)