Ausblick auf die EZB-Septembersitzung - Diskussionen nehmen zu


04.09.19 13:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung in der nächsten Kalenderwoche am 12. September wirft ihre Schatten voraus, unterschiedliche Mitglieder des EZB-Rats äußerten sich nicht zwangsläufig mit der gleichen Stoßrichtung, so Thomas Scholz, CIIA bei NORD/LB.

So zähle Olli Rehn in seiner Funktion als finnischer Zentralbankdirektor offensichtlich zunehmend zum Lager der Tauben. Er habe Ende der letzten Woche davon gesprochen, dass es wichtig sei, dass die EZB den Weg eines starken monetären Stimulus weiter verfolge.

Im Vergleich hierzu habe sich Sabine Lautenschläger deutlich konservativer geäußert: "I don't see the need for a restart of the asset purchase program." Weiterhin habe sie sich in einem MNI Interview auch zu Leitzinssenkungen geäußert: "(Rate Cuts are) part of the standard monetary policy tools, so it is something you should certainly think about before you consider non-standard measures like APP." Dieser Halbsatz werde in der Folge weiter ausgeführt und sei insofern von besonderer Bedeutung für das Segment der SSA-Anleihen: "I don't see the need for a huge package." Bezogen auf eine mögliche Anpassung der ISIN-Limite im Ankaufprogramm habe sie gesagt: "(Keeping current limits) is for me of utmost importance to address the risk of monetary financing."

Alles in allem verstehen wir diese Einlassungen als deutliches Signal an den EZB-Rat, dass nicht von allen eine sofortige Notwendigkeit einer wieder stärkeren monetären Lockerung und hierbei vor allem der unkonventionellen Instrumente (APP) für notwendig gehalten wird, so die Analysten der NORD/LB. Grundsätzlich sei die Hausmeinung der Analysten der NORD/LB, dass der Einlagensatz mit einer hohen Wahrscheinlichkeit um 20 Bp gesenkt werde. Eine Wiederaufnahme des EAPP werde demnach auch beschlossen, wobei neue Nettoankäufe von EUR 40 bis 60 Mrd. ab spätestens Januar 2020 umgesetzt werden sollten. Zusätzlich würden Easing Bias beibehalten und Forward Guidance verlängert werden.

An den SSA-Märkten, deren Spreads spürbar durch die Ankäufe des Eurosystems beeinflusst worden seien, sei ein bedeutendes Lockerungspaket eingepreist. Seit dem 17.06.19, dem Tag vor der Sintra-Rede Draghis, sei die EUR-Swaprendite (10y) von rund 0,26% auf -0,32% zurückgegangen. Renditen der KfW seien im 10-Jahresbereich um rund 48 Bp gesunken, die der Rentenbank um 51 Bp, die NRWBank habe gar einen Rückgang von 52 Bp verzeichnet. Interessant hierbei sei, dass sich der ASW-Spread der hier beispielhaft genannten Emittenten im gleichen Zeitraum kaum verändert habe. Die ASW-Spreads (ms; zehn Jahre) der NRWBank (17.06. -5 Bp; 03.09. -2 Bp), Rentenbank (rund -13; -10 Bp) und der KfW (rund -16 Bp; -11 Bp) würden sich sogar leicht ausweiten. Die Bewegung deute also eindeutig auf den veränderten Zinsausblick hin, einhergehend mit einer veränderten geldpolitischen Ausrichtung der EZB und nicht mit einer veränderten Risikobepreisung von Agency-Anleihen (andere Sub-Segmente würden ein ähnliches Bild zeigen).

In diesem Zusammenhang würden die Analysten der NORD/LB davon ausgehen, dass große Teile des Renditeanpassungsprozesses stattgefunden hätten und insofern für das Segment der SSA-Anleihen eher negatives Überraschungspotenzial in Form eines Beschlusses für ein deutlich schwächer ausgeprägtes Stimuluspaket am 12. September bestehe. (Ausgabe 35 vom 04.09.2019) (04.09.2019/alc/a/a)