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Ausblick US-Anleihemarkt 2021


11.02.21 10:30
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Demokraten die Senatsstichwahlen in Georgia Anfang Januar gewonnen haben, stieg auch die Wahrscheinlichkeit für zusätzliche Staatsausgaben, was sich zugleich in den Markterwartungen für steigende US-Zinsen widerspiegelte, so Brad Tank, CIO Fixed Income bei Neuberger Berman.

Wenn die Coronakrise endlich vorbei sei, so die Erwartung, werde die expansive Fiskalpolitik nicht nur das Wachstum, sondern auch die Inflation erhöhen - und vielleicht werde dann auch die lockere Geldpolitik der Federal Reserve (FED) schneller gestrafft.

Das Wachstum und Inflation und damit auch die Zinsen, dürften von Tempo, Ausmaß und Struktur des neuen Konjunkturprogramms abhängen, das der Kongress vermutlich verabschieden werde. Der Vorschlag der Republikaner sehe zwar nur 618 Milliarden US-Dollar Hilfen vor, doch könnten die Demokraten nun ihr 1,9 Billionen-Paket trotzdem durchs Parlament bringen. Geplant seien unter anderem Konsumschecks im Wert von 1.400 US-Dollar pro Person und eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar pro Stunde.

Sollte dieses derart große Paket tatsächlich verabschiedet werden, müsste das Finanzministerium vermutlich mehr Anleihen emittieren. Wachstum und Inflation dürften ebenfalls stärker zulegen. Und dann sei auch mit einer rascheren Normalisierung der Langfristrenditen zu rechnen.

Anzeichen einer Reflation

Es sei davon auszugehen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der zweiten Jahreshälfte und Anfang 2022 stark wachse. Das 935 Milliarden US-Dollar schwere Paket aus dem Dezember dürfte dann ebenso wirken wie die umfangreichen neuen Hilfen, über die der Kongress zurzeit debattiere. Hinzu komme ein beachtlicher Nachfragestau. Wenn wir durch die Impfungen der Herdenimmunität näherkämen, würden die Verbraucher, vielleicht gegen Jahresmitte, wohl auch ihre Ausgaben erhöhen.

Schon jetzt gebe es in den USA Anzeichen für eine Reflation. Wenn die Arbeitslosigkeit in den kommenden Wochen zurückgehe, würden vermutlich auch die Mieten wieder steigen. Diese Komponente des Verbraucherpreisindex sei zuletzt sehr schwach gewesen. Hinzu kämen Basiseffekte. Etwa zur Jahresmitte dürfte sich die niedrige Inflation des Vorjahres in den Zahlen bemerkbar machen. Die große Frage sei aber, warum würden die Realrenditen nicht parallel zu dieser Reflationsdynamik steigen?

Die Realrenditen würden meist dann zurückgehen, wenn die Schuldenstandsquote steige, also der Quotient aus Staatsschulden und BIP. Die Anleihenmärkte würden auf konkrete Zahlen reagieren. Man unterstelle, dass eine hoch verschuldete Regierung nichts gegen eine höhere Teuerung aufzubringen habe und Staatsschulden wachstumsfördernde Investitionen verdrängen würden - es sei denn, das BIP zeige das Gegenteil.

Umgekehrt könnten die Realrenditen allmählich steigen, wenn an der Unterstützung seitens Fiskalpolitik kein Zweifel mehr bestehe und die Impfkampagnen problemlos ablaufen würden. Die Wirtschaft könne dann wieder geöffnet werden und über den Langfristtrend wachsen. Dann sei davon auszugehen, dass die nominalen Renditen schnell reagieren würden - und damit auch die realen. Zu guter Letzt würden sich auch die höheren Staatsanleihenemissionen zur Finanzierung der beispiellosen Konjunkturprogramme in den Kursen zeigen.

Höhere Laufzeitprämien in Aussicht?

Die Nachfrage ausländischer Investoren nach US-Staatsanleihen könnte den Renditeanstieg aber begrenzen. Wenn die FED schließlich auf die neue Inflationsdynamik reagiere, werde sie wohl entschlossener handeln als am Markt vermutet. Dennoch lägen die Marktteilnehmer wohl richtig, wenn sie dies erst in einigen Jahren erwarten würden. Dieses Jahr könnten niedrige Kurzfristzinsen und längere Durchschnittslaufzeiten von US-Staatsanleihen aber für eine deutlich steilere US-Zinsstrukturkurve sorgen.

Diese steilere Kurve könnte ausländischen Investoren in den USA eine deutlich höhere Laufzeitprämie bieten, als sie wahrscheinlich an ihren eigenen Anleihemärkten erhalten würden und das bei einer recht günstigen Währungsabsicherung des US-Dollars. Die Frage sei, ob die Zuflüsse von Nicht-US-Anlegern in US-Staatsanleihen ausreichen würden, um einen erheblichen Anstieg der Renditen von Anleihen mit langer Laufzeit zu verhindern.

Die Nachfrage aus dem Ausland könnte die Laufzeitprämie in den USA dämpfen. Sie ändere aber nichts an der wirtschaftlichen Entwicklung und der Haltung der FED - und damit auch nichts an der Erwartung steigender Renditen. Neuberger Berman bevorzugen# deshalb inflationsindexierte Titel und setze in seinen Portfolios im weiteren Verlauf des Jahres auf eine unterdurchschnittliche Duration. (11.02.2021/alc/a/a)