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Ausblick Asset Allocation: Identifikation neuer Trends im globalen Anlageuniversum


06.01.22 10:02
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Welt befindet sich nach wie vor im Bann von COVID, die lange prophezeite "Rückkehr zur Normalität" ist bislang ausgeblieben, so Olivier van Haute, Fondsmanager Global Balanced bei DPAM.

Wie schon 2020 sei die Finanzwelt auch im Jahr 2021 auf einem holprigen Weg unterwegs gewesen: Die Märkte hätten stetig nach oben tendiert, hätten aber mit einem hohen Maß an Volatilität zurechtkommen müssen. Doch trotz aller Schlagzeilen, die von neuen COVID-Varianten, über steigende Inflation bis hin zu Lieferkettenengpässen reichen würden, würden die Märkte weiterhin eine gute Entwicklung verzeichnen.

Wie gehe es weiter? Werde das Jahr 2022 Anlegern eine kleine Verschnaufpause verschaffen, um ihre Portfolios zu ordnen? Wie könne man neue Trends erkennen und Investitionen danach ausrichten? Die Experten würden einen Blick auf die verschiedenen Anlageklassen werfen und die Aussichten und Stolpersteine des neuen Jahres diskutieren.

Der Anstieg der Inflation überrasche weiterhin und sorge für Unruhe an den Anleihenmärkten. Zwar könnten auch die weiteren Meldungen zur Inflationsentwicklung unverändert hoch und unbeständig ausfallen, doch gebe es gute Gründe dafür, dass sich die Teuerung in den kommenden zwölf Monaten abschwächen werde. Da es Anzeichen dafür gebe, dass die aktuellen Probleme in der Lieferkette allmählich ihren Höhepunkt erreicht hätten und die Rohstoffmärkte die höheren Energiekosten neu bewerten würden, werde der Inflationsdruck im Laufe des Jahres 2022 nachlassen.

Hinzu kämen Basiseffekte, die eine deutliche und anhaltende Überschreitung der Inflationsziele der Zentralbanken potenziell eindämmen würden. Dennoch sei Wachsamkeit angebracht, denn es sei nicht vollständig auszuschließen, dass man noch länger mit einer höheren Inflation zu kämpfen haben werde. Diese gewinne zunehmend an Breite, was bedeute, dass die Volatilität - mit Blick auf 2022 - immer noch hoch sein werde und es etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte, bis sie wieder zurückgehe.

Mit Blick auf die Unternehmenskommunikation sei das Thema "Engpässe in der Lieferkette" keine Seltenheit mehr: Probleme in der Halbleiterproduktion hätten mehrere Sektoren lahmgelegt, und Transportschwierigkeiten würden Unternehmen auf der ganzen Welt im Würgegriff halten. Zu allem Überfluss würden auch die Öl- und Gaspreise für einen teuren Winter sorgen. Niedrige Lagerbestände und heikle Beziehungen zu russischen Lieferanten würden die Märkte zusätzlich verunsichern. Diese Faktoren würden sich zu Beginn des neuen Jahres auf das Risiko-Ertrags-Verhältnis von Aktien auswirken. In den ersten Monaten des Jahres 2022 dürfte mit einigen kurzfristigen Turbulenzen zu rechnen sein.

Dennoch sollten diese trüben Aussichten den rationalen Anleger nicht abschrecken. Tatsächlich seien die mittelfristigen Aussichten sehr viel besser, da die zugrunde liegenden Fundamentaldaten Anlass zu anhaltendem Optimismus böten. Überschüssige Ersparnisse würden voraussichtlich den Konsum ankurbeln, die Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte anziehen, und die Auswirkungen der Konjunkturpakete würden erst noch voll zum Tragen kommen. Die Zentralbanken würden weiterhin darauf achten, dass es zu keinen voreiligen bzw. zu aggressiven Straffungen ihrer Geldpolitik komme. Anleger würden eine "einfache" Normalisierung der Leitzinsen ohne ausgeprägte Korrektur an den Aktienmärkten begrüßen.

Insbesondere die europäischen Märkte böten für die kommenden Monate günstige Voraussetzungen für Wachstum. Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Pendants würden sich europäische Aktien noch in der Mitte des Zyklus befinden und seien relativ günstig. Zudem profitiere Europa am stärksten von den Impfstoffen und der anhaltend akkommodierenden Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Aber auch amerikanische Aktien seien nicht ganz von der Hand zu weisen. Gegen die Vielzahl innovativer und disruptiver Unternehmen auf diesem Markt und die fiskalischen Konjunkturmaßnahmen der Regierung zu wetten, erscheine unklug.

Hingegen seien die Experten mit Blick auf die asiatischen Schwellenländer und insbesondere China vorsichtig. Das Reich der Mitte habe momentan mit einer Konjunkturabkühlung, potenziellen Liquiditätsproblemen im Immobiliensektor und der strengen staatlichen Regulierungsaufsicht, die einige der größten Unternehmen betreffe, zu kämpfen. Dieses Bündel von Risiken sorge für Unsicherheit und setze die Bewertungen unter Druck. Bis die Experten mehr Klarheit über die Absichten der chinesischen Politik hätten, würden sie sich zurückhalten.

Hinsichtlich der Investmentstile habe das Jahr 2021 mit einer starken Wertentwicklung des Value-Stils begonnen. Jedoch hätten die Investoren in der zweiten Jahreshälfte wieder in den Quality-Growth-Bereich umgeschwenkt. Der Performancebeitrag, den die Auswahl der Investment-Stile im Rahmen der Aktien-Allokation von Anlageportfolios geliefert habe, sei im vergangenen Jahr erneut unterdurchschnittlich gewesen. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung und des Inflationsumfelds könnte es auch im Jahr 2022 zu weiteren, kurzlebigen Stilrotationen kommen. Zyklische Aktien dürften sich weiterhin besser entwickeln als defensive Werte, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im ersten Halbjahr 2021. Small Caps würden wohl auch im neuen Jahr stärker von den wirtschaftlichen Bedingungen profitieren als Large Caps.

Bei Staatsanleihen sei nach Ansicht der Experten das Aufwärtsrisiko nicht so hoch. Die Zentralbanken würden wohl weiterhin unterstützend agieren. Sie würden von keinen aggressiven Zinserhöhungen ausgehen, um dem jüngsten Inflationsschub entgegenzuwirken. Möglicherweise würden die Inflationserwartungen noch weiter steigen, aber es sei bereits viel eingepreist.

Die Experten seien positiv eingestellt, was die europäischen Peripherieländer betreffe, würden aber vorsichtig im Hinblick auf die Kernländer bleiben (z. B. Deutschland, Frankreich, Niederlande). Sie würden weiterhin das Renditepotenzial innerhalb Europas nutzen, aber an einem vorsichtigen Durationsprofil bei den Kernländern festhalten. Bei US-Staatsanleihen seien die Experten untergewichtet, obwohl Wert dadurch geschaffen worden sei, dass bereits fast fünf Zinsschritte eingepreist seien. Die USA würden aber wieder interessant. Bevor sich die Experten voll engagieren würden, möchten sie Klarheit über den geldpolitischen Kurs der FED gewinnen.

Im Segment Schwellenländeranleihen würden die Experten einige interessante Anlagechancen sehen. Ihre Strategen würden davon ausgehen, dass die realen Leitzinsen ab diesem Jahr ins Positive drehen würden, was die Währungsmärkte der Schwellenländer stabilisieren und 2022 einige potenzielle Chancen eröffnen dürfte. Darüber hinaus würden den Experten chinesische Staatsanleihen attraktiv erscheinen, während sie bei chinesischen Aktien weiterhin vorsichtig seien. Makroökonomisch scheine eine Straffung der Geldpolitik vom Tisch zu sein, was die aktuellen Renditen sehr attraktiv mache und sie dazu neigen lasse, nach unten zu tendieren.

Bei Unternehmensanleihen seien die Experten eher neutral eingestellt. Eine Verengung der Spreads über das derzeitige Niveau hinaus sei unwahrscheinlich, wobei die Experten auch keine starke Ausweitung sehen würden. Das geringere Angebot werde die Anlageklasse stützen. Dies mache sie zu einem idealen Grundstock und Diversifikator für ein Multi-Asset-Portfolio. Die Kommunikation der EZB werde von entscheidender Bedeutung sein, da die Experten mehr Klarheit darüber benötigen würden, wie Investment-Grade-Anleihen weiter in das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten einbezogen werden sollten.

Mit Blick auf 2022 würden die Experten an ihrer Präferenz für Aktien festhalten. Trotz höherer Bewertungen dürfte die Anlageklasse der wichtigste Performancetreiber bleiben. Die Experten würden ihre Ausgewogenheit in Bezug auf die Anlagestile aufrechterhalten, da die von Schlagzeilen geprägten Märkte schnell und heftig umschlagen könnten. Geduldige Anleger würden im Laufe des Jahres mit Gewinnen rechnen können. Anleihen würden ein Diversifikator bleiben, wobei es auf selektives Investieren ankomme. Die Experten würden sich neuen Anlagemöglichkeiten zuwenden, wie chinesischen Anleihen zur Diversifizierung sowie Schwellenländer und europäische Peripherieländer aus Renditegesichtspunkten, während sie US-Staatsanleihen zur Risikoabsicherung halten würden. (06.01.2022/alc/a/a)