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Ausblick 2018 für globale High Yields: Anleihen ohne Grenzen


07.12.17 12:00
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Für 2018 erwartet Tom Ross, Co-Manager der Global High Yield Bond Strategie bei Janus Henderson Investors, eine Fortsetzung der grenzüberschreitenden Emission von Anleihen.

Zudem dürften sich einige der besten Chancen bei kleineren Emissionen bieten.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus den Entwicklungen in diesem Jahr gewonnen?

Dass Zeit für die Pflege von Beziehungen gut investierte Zeit ist. Mit der Fusion von Janus Capital und Henderson Global Investors gingen auch Veränderungen im Anleiheteam in den USA einher. Für die erfolgreiche Integration der Teams hatten wir nur einige Wochen Zeit. Besonders drängte es bei unserem Global High Yield Team, denn auf beiden Seiten des Atlantiks hatten wir seit jeher zwei Portfoliomanager für unsere Fonds. Seth Meyer, der als neuer Co-Manager von Janus in Denver zum Team stieß, musste sehr schnell in seine Aufgabe hineinfinden und das Portfolio verstehen. Dabei half die gemeinsame Zeit, in der wir bereits vor der Fusion den Anlagestil des anderen kennenlernen konnten. Seitdem präsentieren wir nun auf gemeinsamen Veranstaltungen in Europa unsere erfolgreiche Anlagestrategie.

Welche zentralen Themen werden die Märkte, in die Sie investieren, 2018 vermutlich maßgeblich beeinflussen und wie wirkt sich das auf die Positionierung Ihres Portfolios aus?

Für 2018 erwarten wir eine Zunahme der titelspezifischen Risiken. Diese Tendenz hatte sich in der zweiten Jahreshälfte bereits angedeutet, beginnend mit den Schwankungen im Telekommunikationssektor im August, in dem es viele Gerüchte über Fusionen und Übernahmen gab. Gegen Ende 2017 wurde das Pharmaunternehmen Teva von Fitch in das High-Yield-Segment herabgestuft, Petroleos de Venezuela (PDVSA) nahm seine Restrukturierung in Angriff und in den Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation kam es erneut zu Schwankungen. Hieraus könnten größere Spread-Unterschiede resultieren, aus denen sich möglicherweise mehr Anlagechancen für einen selektiven Ansatz ergeben.

Der Anteil von US-Emittenten am europäischen Hochzinsmarkt ist von knapp über 6% Anfang 2016 auf 12% Ende 2017 gestiegen. Aufgrund der niedrigeren Renditen am europäischen verglichen mit dem US-Markt bietet ersterer günstigere Finanzierungsbedingungen. Weshalb wir auch im kommenden Jahr mit Emissionen von US-Unternehmen am europäischen Markt rechnen.

Wo sehen Sie in Ihrer Anlageklasse derzeit die meisten Risiken und die attraktivsten Anlagechancen?

Mit der Fusion von Janus und Henderson sowie der Verschmelzung der beiden Research-Teams für Unternehmensanleihen bieten sich uns große Chancen. Im Unterschied zu vielen Wettbewerbern haben wir uns bewusst dafür entschieden, dass sich alle unsere Kreditanalysten auf bestimmte Sektoren und deren gesamte Kapitalstruktur spezialisieren. Wir halten die Einteilung in Investment-Grade- und Hochzinsanleihen für willkürlich und sind überzeugt, dass mit zwei getrennten Teams für Investment-Grade- und Hochzinspapiere Chancen verloren gehen. Wir erwarten daher, dass unsere Kreditanalysten weiterhin Kandidaten für ein besseres Rating und den Aufstieg in das Investment-Grade-Spektrum aufspüren werden. Daneben fokussieren sich unsere Sektorspezialisten auch auf Bewertungsunterschiede (Relative Value) bei größeren Emittenten, die ihre Anleihen in unterschiedlichen Währungen ausgeben.

Zudem übersehen die größten High Yield-Manager und börsengehandelte Fonds häufig kleinere Emissionen, weil sie sich aufgrund ihrer Größe auf die liquidesten Emittenten konzentrieren. Nachunserer Einschätzung gibt es jedoch eine ganze Reihe kleinerer, wenig analysierter Anleihen von Emittenten mit niedrigerem Rating, bei denen sich gute Anlagechancen bieten können. Ein Beispiel ist der britische Einzelhandel, der momentan an zwei Fronten zu kämpfen hat. Einerseits leidet der traditionelle stationäre Handel unter dem wachsenden Einkauf im Internet. Andererseits machen den britischen Konsumenten das im Vergleich zu Kontinentaleuropa schwächere Wachstum und die höhere Inflation nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 zu schaffen.

Ungeachtet dieser Herausforderungen gibt es aber auch in diesem Sektor Emittenten, die uns gefallen. Das gilt etwa für den reinen Online-Anbieter Shop Direct sowie die führende britische Pizza-Restaurantkette Pizza Express. Dennoch sind auch hier die Anleihekurse gesunken, da Anleger ähnliche Risiken sehen wie in anderen Konsumbereichen. (07.12.2017/alc/a/a)