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Der Aufschwung setzt sich fort, die Inflation dürfte ihren Höhepunkt bald erreicht haben


03.11.21 10:27
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Die Wirtschaftsdaten bestätigen die Fortsetzung der konjunkturellen Erholung, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Die Probleme, die zu Beginn des Sommers die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen hätten, seien immer noch ungelöst, schienen aber unter Kontrolle zu sein. So habe sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt und seine Auswirkungen auf den Konjunkturzyklus seien nunmehr gering.

Der Wirtschaftsaufschwung leide immer noch unter Engpässen, und die Inflation bleibe hoch, beschleunige sich aber auch nicht mehr. Zu den weiteren positiven Nachrichten gehöre, dass Russland bereit sei, seine Erdgaslieferungen auszuweiten. Ähnliches werde von der OPEC erwartet. Chinas Wachstum sei im dritten Quartal auf 4,9 Prozent gefallen und habe damit unter dem mittelfristigen Zielwert gelegen, was die Wahrscheinlichkeit expansiver Maßnahmen in den kommenden Monaten erhöhe.

Vor dem Hintergrund dieser miteinander verflochtenen Themen habe die Federal Reserve ihre Absicht bekräftigt, die Konjunkturmaßnahmen schrittweise zu reduzieren. Hierzu werde sie ihre Anleihenkäufe ab dem Jahresende zurückfahren und die Zinsen ab 2023 anheben. Diese Agenda entspreche den Erwartungen der Anleger und bereite den Märkten daher keine Sorgen.

In der Eurozone setze sich der Aufschwung fort, liege aber einige Monate hinter den USA zurück. Die Inflation steige weiter, aber der Höhepunkt dürfte bald erreicht sein. Das Hauptaugenmerk der Anleger liege daher fortan auf der internen Debatte der Europäischen Zentralbank über die Neugestaltung der geldpolitischen Stimulierung ab März 2022.

Thema des Monats: OPEC hole zum Schlag aus

Die starke weltweite Wiederbeschleunigung in der ersten Hälfte dieses Jahres habe die verfügbaren Produktionskapazitäten schnell erschöpft und die Lieferketten stark unter Druck gesetzt. Dies seien die bekannten Versorgungsengpässe, die sich sofort in einem allgemeinen Aufflammen der Inflation niedergeschlagen hätten.

Die ideale Lösung wäre eine Erhöhung der Produktionskapazität, um die gesamte Nachfrage zu befriedigen, die nach anderthalb Jahren Stillstand der Weltwirtschaft plötzlich entstanden sei. Diese Lösung sei theoretisch denkbar, aber nicht in die Praxis umsetzbar. Die Erhöhung der Produktionskapazität müsste sofort erfolgen. Allerdings könne man nicht einfach über Nacht neue Fabriken errichten. Außerdem müsste diese Erhöhung befristet sein, denn wenn sich die Nachfrage wieder normalisiere, werde der gesamte Produktionskapazitätsausbau nicht mehr benötigt.

Die einzige Möglichkeit, die Engpässe zu beseitigen, bestehe also darin, die Rückkehr zu einer normalen Wachstumsrate abzuwarten.

In der Tat könnten einige Maßnahmen zur Erhöhung des Angebots ergriffen werden, zum Beispiel bei einigen Rohstoffen. Es sei kein Zufall, dass die Erdgaspreise nicht mehr steigen würden, seitdem Russland sich bereit erklärt habe, seine Lieferungen zu erhöhen.

Die nächsten Wochen würden zeigen, ob Russland Wort halte und was die "politische" Gegenleistung dafür sein werde.

Im Ölsektor bewege sich hingegen noch nichts. Das OPEC-Kartell habe das Angebot bisher nur sehr langsam erhöht. Als die Pandemie ausgebrochen sei, habe es das Angebot dagegen sehr schnell reduziert. Die Rückkehr des Ölpreises auf über 80 Dollar sei auch eine bewusste Entscheidung der Produzenten, um das wiedergutzumachen, was sie während des Lockdowns verloren hätten, als der Preis sogar unter null gefallen sei.

Jetzt aber werde das Seil vielleicht ein wenig zu straff gezogen. Der Rohölpreis liege 30 Dollar über dem Niveau von vor der Pandemie. Die Nachfrage nehme weltweit zu. In den USA seien die Lagerbestände im Verhältnis zum Verbrauch auf das Niveau von Ende 2019 zurückgegangen. Die von der OPEC geplante Erhöhung der Fördermenge würde erst Ende des Jahres wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen.

Man könne sich unschwer vorstellen, dass der Druck auf die Erzeugerländer im Moment massiv sei. Und dieser Druck werde in den kommenden Wochen im Vorfeld der für den 4. November anberaumten OPEC-Sitzung noch zunehmen.

Investmentausblick

Das Referenzszenario sehe eine Fortsetzung des weltweiten Konjunkturaufschwungs vor, auch wenn die geldpolitischen Impulse langsam zurückgehen würden. Das prozyklische Profil der Portfolios werde nach der Reduzierung im Juli wieder verstärkt, wobei die Aktienmärkte positiv bewertet würden. (03.11.2021/alc/a/a)