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Auf dem Weg in eine fiskalpolitischere Zukunft?


06.06.17 15:31
Aberdeen Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In den kommenden beiden Wochen stehen einige Ereignisse an, welche die Märkte bewegen dürften, so Luke Hickmore, Senior Investment Manager bei Aberdeen Asset Management.

Diese Woche berate die EZB, die Bevölkerung Großbritanniens begebe sich an die Wahlurnen und Frankreich wähle seine Nationalversammlung - die FED und die Bank of England würden in der Woche darauf tagen. Viel deute darauf hin, dass ein neues Kapitel im schleppenden Übergang von der Geld- zur Fiskalpolitik aufgeschlagen werden könnte.

Es sei alles andere als sicher, dass die FED den Zinssatz in diesem Monat anheben werde. Aber sie habe einen deutlichen Versuch unternommen, die Markterwartungen an die Entscheidungen im nächsten Jahr zu dämpfen. Die FED erwarte in der zweiten Jahreshälfte ein geringeres Wachstum in den USA. Als Reaktion darauf schlage sie weniger Zinssteigerungen vor, als ursprünglich erwartet. Damit liege es wieder bei der US-Regierung, insbesondere an Präsident Trumps fiskalpolitischer Agenda, das Wachstum anzutreiben. Wann die Agenda vorliegt, war bisher schwer vorherzusagen - noch hat man nichts davon gesehen, so die Experten von Aberdeen Asset Management. Gerate die Steuerreform ins Wanken, könnten Investoren mit Besorgnis reagieren. Die FED werde hoffen, dass sich an der fiskalpolitischen Front etwas tue, um den Druck von sich zu nehmen.

Gleichzeitig scheine die EZB am Donnerstag an ihrem Anleihekaufprogramm festzuhalten. Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum seien ziemlich gut, aber Herr Draghi habe bislang noch keinen Sieg über die Bundesbank davontragen können. Diese agiere mit ihrer natürlichen Mäßigung. Die EZB könne die positiven Kennzahlen in diesem Monat noch einmal ignorieren, aber nicht mehr wesentlich länger. Kurz nach dieser Sitzung werde die EZB das gefürchtete Wort des "Tapering" ernst nehmen und den Kennzahlen Folge leisten müssen, indem sie mutigere Entscheidungen treffe. Dies werde einen ersten, äußert zögerlichen Schritt in eine Zukunft markieren, in der die Fiskalpolitik eine wichtigere Rolle bei der Förderung des Wachstums spiele, als die Geldpolitik.

Entscheidend dabei sei, dass der Weg, der vor FED und EZB liege, weg von der Geldpolitik führe. Dieses Glück werde der Bank of England nicht zuteil. Die Konservativen seien immer noch die Partei mit den besten Gewinnaussichten für die Unterhauswahlen in Großbritannien diese Woche. Allerdings stünden nun das Ausmaß ihres Wahlvorsprungs und ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Die Bank of England werde bei ihrem Treffen am 15. Juni in eine Sackgasse geraten, unabhängig vom Wahlergebnis. Die meisten Anleger würden spüren, dass die Zentralbank gerne die Zinsen anheben würde. Aber es gebe so wenige Informationen darüber, was der Brexit bedeute, dass die Bank of England nicht mehr als andere darüber wisse, was die nächsten beiden Jahre (oder mehr) für die Wirtschaft bedeuten würden. Deshalb seien ihr die Hände gebunden und sie habe wenig Spielraum, die Zinsen zu senken, wenn die sagenumwobene durch den Brexit verursachte Konjunkturabschwächung in den kommenden Monaten auftrete.

Die Parlamentswahl in Frankreich am kommenden Wochenende gebe Anlegern einen Eindruck, ob Präsident Macrons Reformagenda die nötige Wählerunterstützung erhalte. Zum aktuellen Zeitpunkt sehe es gut aus für den Präsidenten. Ermüdete Zentralbanker, die auf Hinweise warten würden, dass Politiker das Zepter für den Erlass einer Fiskalreform in die Hand nehmen würden, dürften über Macrons Aussichten sehr erfreut sein. (06.06.2017/alc/a/a)