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Argentinien: Regierung einigt sich mit Gläubigern auf Umschuldung


08.09.20 10:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am Montag hat die argentinische Regierung den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit den Anleihegläubiger bekannt gegeben, so Mauro Toldo von der DekaBank.

Demnach hätten nach Angaben des Finanzministers 93,7% der Gläubiger der Umschuldung zugestimmt. Nach mehr als vier Monaten Verhandlungen sei Argentinien damit die Restrukturierung gelungen, die Argentinien Einsparungen in Höhe von mehr als 23 Mrd. USD bis Ende 2024 bringe. Zum Durchbruch dürfte sicherlich die dramatische wirtschaftliche Lage des Landes als Folge der Corona-Pandemie verholfen haben. Denn in diesem Umfeld hätten die Gläubiger die Hoffnung auf eine weitere Verbesserung des Angebots aufgegeben.

Die Schuldenrestrukturierung sei in vielerlei Hinsicht wichtig: Zum einen schaffe sie mehr Planungssicherheit in Hinblick auf die Finanzierung der Verschuldung für den Staat, die Gebietskörperschaften und für die Unternehmen. Sie ebne zudem den Weg für die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Verhandlungen seien am 26. August mit einem Brief der Regierung an den Fonds gestartet worden. Die Regierung beabsichtige, die anstehenden Rückzahlungen an den IWF nach hinten zu verschieben und somit weiteren Spielraum für die Fiskalpolitik zu gewinnen.

Der Abschluss der Restrukturierung ermögliche zudem der Regierung sich auf die Gestaltung der Wirtschaftspolitik zu fokussieren. Finanzminister Guzman wolle demnächst seine Pläne für die Bekämpfung der Inflation bekannt geben. Darin spiele die Preisgestaltung der Grundversorgungsgüter, deren Preise im Moment eingefroren seien, eine wichtige Rolle. Die für den Herbst geplanten Verhandlungen über diese Regierungspläne dürften zäh verlaufen, denn die Regierung wolle einen weiteren Anstieg der Inflation verhindern, aber viele Produzenten könnten bei den aktuellen Preisen nicht profitabel arbeiten. Bei der Steuerpolitik habe es bereits erste Ankündigungen gegeben: Eine Vermögensteuer solle eingeführt werden. Auch über eine breiter angelegte Steuerreform werde diskutiert.

Auch wenn die Krise bei weitem nicht vorüber sei, deute sich in der Wirtschaft eine Bodenbildung an. Die wirtschaftliche Aktivität habe im Juni von der Lockerung des Lockdowns profitiert. Der Druck auf die Währung habe hingegen in den vergangenen Monaten unvermindert angehalten. Zwar habe das Land die Entwicklung der Währungsreserven seit der Verschärfung der Kapitalverkehrskontrollen Anfang des Jahres stabilisieren können. Doch die Einschränkung der Devisenmarktinterventionen habe dazu geführt, dass sich der Wert des Argentinischen Pesos auf dem parallelen Markt seit der Einführung der Kapitalverkehrsbeschränkungen gegenüber dem offiziellen Wechselkurs fast halbiert habe.

Die Corona-Pandemie habe die Lage des Landes, die zuvor schon miserabel gewesen sei, weiter verschlechtert. Präsident Fernandez habe sich für eine aggressive Schuldenrestrukturierung eingesetzt und eine Einigung mit großen Gläubigergruppen erreicht. Der wirtschaftliche Ausblick werde dennoch durch die anhaltende Unsicherheit eingetrübt. Erst wenn es mehr Klarheit über den weiteren wirtschaftspolitischen Kurs gebe, könnte sich der Investitionsausblick verbessern. Die Regierung zeige sich bislang interventionistisch, was auf der Investitionsbereitschaft der Unternehmen laste.

Die Ratingagenturen würden die Bonität des Landes mit Ca (Moody's), SD (S&P) und RD (Fitch) als im Ausfall befindlich bewerten, allerdings dürfte sich die Bonitätseinschätzung nach der Restrukturierung leicht verbessern. Der mittelfristige Ausblick für die Bonität hänge aber vom Erfolg bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie ab. Die Regierung habe erstmals Bereitschaft signalisiert, nach der Restrukturierung mit dem Internationalen Währungsfonds zusammenzuarbeiten, aber noch sei unklar, wie diese Zusammenarbeit aussehen werde. (Ausgabe vom 04.09.2020) (08.09.2020/alc/a/a)