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Anleihenmärkte weltweit bieten weiterhin Chancen


04.08.17 12:45
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Anhaltend niedrige Renditen und das Risiko steigender Zinsen bedeuten, dass Anleihenanleger ihre Suche nach Ausschüttungen und Erträgen erweitern müssen. Nicholas Gartside, International Chief Investment Officer der Global Fixed Income, Currency and Commodities Gruppe bei J.P. Morgan Asset Management, ist jedoch der Meinung, dass die globalen Anleihenmärkte für flexible, uneingeschränkt vorgehende Anleger genügend Chancen bieten.

Er präsentiere fünf Ideen, die ihm und seinem Team in den nächsten zwölf Monaten attraktiv erscheinen würden.

1. Immer noch im Höhenflug: US-Hochzinsanleihen

US-Unternehmen würden sich in einer guten Verfassung befinden, und daran dürfte sich auch so bald nichts ändern, da das höhere Wachstum weltweit die Unternehmensgewinne beflügle. Die Umsätze und der Schuldendeckungsgrad würden sich erholen, während die Verschuldung an sich allmählich nachlasse - allesamt positive Nachrichten für Anleiheninvestoren. Mit 1,5% in den letzten zwölf Monaten bis Juni 2017 würden die Ausfallraten deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 3,7% bleiben.

In den letzten 18 Monaten hätten sich die Risikoaufschläge (Spreads) einer starken Dynamik erfreut und sich deutlich eingeengt. Während die Experten davon ausgehen würden, dass diese Dynamik nicht derart stark bleiben werde, bestehe in einem Umfeld allmählich steigender oder stabiler Zinsen dennoch weiterer Spielraum für eine Verengung der Risikoaufschläge. Aus technischer Sicht seien die Unternehmen bei Emissionen nicht allzu aggressiv, und die Erlöse würden größtenteils für Refinanzierungen zu niedrigen Zinsen eingesetzt.

2. Die Vorzüge von Unternehmensanleihen: US-Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade-Rating)

Dank der Stärke des US-Unternehmenssektors würden die Experten US-Unternehmensanleihen guter Qualität positiv bewerten. Mit Renditen von mehr als 3% seien sie im Vergleich zu Staatsanleihen ähnlicher Bonität attraktiv. Das liege auch an einer starken Nachfrage: Die Mittelflüsse in US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade-Rating würden sich auf einem Acht-Jahres-Hoch befinden. Die Nachfrage stamme sowohl von Privatanlegern aus den USA als auch von ausländischen institutionellen Anlegern. Die Experten würden für 2017 insgesamt von einem günstigen technischen Umfeld ausgehen, was sich aber noch nicht ganz bewahrheitet habe, da die Unternehmen in Erwartung auf weitere Zinserhöhungen ihre Emissionen offenbar vorgezogen hätten.

3. Auf Banken setzen: Europas nachrangiges Bankkapital

Europäische Banken würden unvermindert ihre Kapitalpolster aufstocken. Das Kernkapital und die Verschuldungsgrade würden mittlerweile spielend den regulatorischen Mindestanforderungen gerecht. Banken hätten unter Bedenken von noch niedrigeren Zinsen zu leiden, die ihre Gewinne unter Druck gesetzt hätten. Diese Sorgen hätten aber nachgelassen und bis dato seien die Gewinnkorrekturen im Sektor für dieses Jahr positiv ausgefallen.

Angesichts von Risikoaufschlägen um die 400 Basispunkte seien die Bewertungen auf absoluter Basis attraktiv, während die Emissionstätigkeit unproblematisch sei. Allerdings handle es sich hier um einen Marktbereich, in dem man sich sehr selektiv engagieren sollte. Einige Banken, insbesondere aus Peripherieländern der Eurozone, hätten immer noch mit notleidenden Krediten zu kämpfen. Daher sei es wichtig, die Fundamentaldaten einzelner Emittenten genau unter die Lupe zu nehmen.

4. Lokales Engagement: Schwellenländeranleihen in Lokalwährung

Die Schwellenländer würden von günstigen Bedingungen in den Industrieländern profitieren, darunter eine weiterhin expansive Geldpolitik und eine verhaltene Stärke des US-Dollar. Unterdessen würden sich auch die Fundamentaldaten in den Schwellenländern dank eines nach oben tendierenden Wachstums, einer niedrigen Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt, sich verbessernder Leistungsbilanzen und höherer Währungsreserven bessern, die einen Schutz vor künftigen Schocks böten.

Derzeit böten Schwellenländeranleihen in Lokalwährung zweifelsohne das beste Potenzial im Anleihenbereich. Die Renditen seien gesunken, seien aber nach wie vor attraktiv, und die Währungen seien gegenüber den historischen Durchschnittswerten günstig. Aus diesem Grund würden die Experten nicht-währungsgesicherte Engagements in Lokalwährungsanleihen vorziehen. Sie müssten dann allerdings die Volatilität an den Devisenmärkten genau im Auge behalten. Der breite Sektor an Schwellenländeranleihen sei dieses Jahr von starken Mittelzuflüssen unterstützt worden. Aber die Bewertungen in Lokalwährungstitel seien nach wie vor nicht ausgereizt.

5. Abstand nehmen: Kurzfristige europäische Staatsanleihen

Obwohl europäische Staatsanleihen derzeit von Zentralbankkäufen gestützt würden, seien die Experten dem Sektor gegenüber skeptisch. Zwar sei die Inflation in der Eurozone niedrig genug, um die Europäische Zentralbank von einer allzu aggressiven Reduzierung ihrer quantitativen Lockerung abzuhalten, allerdings belaufe sie sich doch auf über 1% und liege somit deutlich über den Anleihenrenditen. Letztere würden beinahe null betragen, d. h. die Anleger würden inflationsbereinigte Verluste realisieren.

Auch auf absoluter Basis seien die Renditen unattraktiv: Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,5% rentieren und rund 35% des regionalen Marktes würden nach wie vor negative Renditen aufweisen. (04.08.2017/alc/a/a)