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Anleihen mit langer Duration nicht veräußern


03.08.17 12:00
ETF Securities

London (www.anleihencheck.de) - Die globalen Renditen haben sich ausgehend von extrem niedrigen Niveaus erholt, da zunehmend damit gerechnet wird, dass die wichtigen Zentralbanken die quantitative Lockerung einstellen und die Geldpolitik normalisieren, so die Experten von ETF Securities.

Der Wechsel in der Tonart der Zentralbanken in den westlichen Industrieländern habe zu einer zweiwöchigen Schwächephase bei globalen Staatsanleihen beigetragen. Im Juni und Anfang Juli seien die Renditen globaler Staatsanleihen um durchschnittlich 25 Basispunkte gestiegen.

Die Futures-Daten der CFTC würden die spekulativen Netto-Short-Positionen am kurzen Ende und die spekulativen Netto-Long-Positionen am langen Ende der US-Renditekurve ausweisen, welche darauf hindeuten würden, dass die Anleger noch nicht davon überzeugt seien, dass sich das Wirtschaftsumfeld so stark verbessere, dass dies wesentliche Auswirkungen für den BIP- und Inflationsausblick hätte. Darüber hinaus seien die Netto-Long-Positionen bei zehnjährigen US-Treasuries auf Werte gestiegen, die zuletzt 2007 verzeichnet worden seien.

Die früheren geldpolitischen Straffungszyklen der FED seien mit einer niedrigen Volatilität der Asset-Preise und einer Kurvenverflachung über das kurze Ende der Treasury-Renditekurve (Bear Flattening; Renditen am kurzen Ende würden schneller als am langen Ende steigen) einhergegangen. Die Renditedifferenz zwischen zehn- und zweijährigen Treasuries habe sich seit dem Ende der Finanzkrise bereits um 190 Basispunkte verengt, und die Volatilität falle extrem gering aus.

Die graduelle Vorgehensweise bei den Zinserhöhungen dürfte zu stärkerem Aufwärtsdruck am kurzen Ende der Renditekurve im Vergleich zum langen Ende führen. Nach Erachten der Experten dürfte der verhaltene Inflationsausblick in Kombination mit der strukturellen Nachfrage nach Anleihen langer Laufzeit den Aufwärtsdruck am langen Kurvenende infolge der Einstellung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen und der Normalisierung der Zentralbankbilanzen zum Teil ausgleichen. Daher würden sie mit einer allmählichen Verflachung der Renditekurve rechnen, die sich aber nur vergleichsweise geringfügig auf Anleihen mit langer Duration auswirken werde.

Die Duration sei ein Messwert für die Anfälligkeit einer Anleihe gegenüber Zinsveränderungen. Während die Laufzeit einer Anleihe direkt in Zusammenhang mit der Duration stehe, würden die Kuponraten und Zinsen ein inverses Verhältnis zur Duration aufweisen. So würde eine Anleihe mit einer Duration von 5 bei einem Zinsanstieg von 1 Prozent rund 5 Prozent einbüßen. Die Duration einer Nullkupon-Anleihe entspreche ihrer Restlaufzeit, während die Duration einer Kupon-Anleihe kürzer sei als deren Laufzeit. In der Regel gelte, dass je länger die Laufzeit, desto höher die Duration und desto höher das Zinsrisiko.

Anleihen mit längerer Duration würden an Wert verlieren, wenn die Renditen steigen würden, während bei Anleihen mit kürzerer Duration das Gegenteil gelte. Die durchschnittliche Duration globaler Anleihen sei nach der Finanzkrise gestiegen, was zum Teil darauf zurückzuführen sei, dass sich die Emittenten die günstigeren langfristigen Finanzierungsbedingungen infolge der äußerst entgegenkommenden Geldpolitik weltweit zunutze machen würden. In der Folge sei die Entschädigung für das Durationsrisiko zusammen mit den langfristigen Renditen gesunken, bevor sie sich auf historischen Tiefstständen stabilisiert habe.

In einem von steigenden Zinsen geprägten Umfeld würden Anleger in der Regel in Anleihen kürzerer Laufzeit oder mit höherem Kupon umschichten, um das Zinsrisiko (d.h. die Duration) in ihren Portfolios zu verringern. Die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen der FED dürften sich unterschiedlich auf die kurz-, mittel- und langfristigen Zinsen auswirken. Dies stelle Anleiheanleger, die ihre Duration an die steigenden Zinsen anpassen möchten, vor Herausforderungen. Im Allgemeinen seien Anleihen kürzerer Laufzeit weniger anfällig für Zinsanstiege, würden aber auch geringere Kuponerträge als länger laufende Anleihen aufweisen und böten möglicherweise keine vollständige Inflationsentschädigung.

Allerdings würden die Kuponerträge üblicherweise den Großteil des Gesamtertrags einer Anleihe ausmachen, wohingegen die Kapitalgewinne vernachlässigbar seien. Dies gelte vor allem für langfristige Anleger im Hinblick auf Diversifizierung und Einkommen. Insgesamt stelle die Durationsanpassung einen Kompromiss zwischen niedrigerem Kapitalrisiko und höheren Kuponerträgen dar. Daher könnten Strategien mit kurzer Duration bei steigenden Zinsen schlechter abschneiden als solche mit langer Duration.

Eine weitere Möglichkeit, das Zinsrisiko abzusichern, bestehe in Portfolio-Immunisierungsstrategien, bei denen die durchschnittliche Duration eines Anleiheportfolios dem Anlagehorizont der Anleger entspreche. In einer solchen Strategie würden sich Zinsänderungen im selben Maße auf den Kurs und auf die Wiederanlage der Kuponzahlungen auswirken, sodass sich über den Anlagezeitraum hinweg eine feste Rendite ergebe. Institutionelle Anleger wie beispielsweise Rentenfonds würden umfangreichen Gebrauch von diesen Strategien machen. Allerdings seien diese Strategien unter Umständen mit hohen Kosten verbunden, da sie regelmäßig neu ausgerichtet werden müssten.

Im nachstehenden Beispiel würden die Experten aufzeigen, dass die Aufnahme von Anleihen mit langer Duration in ein immunisiertes Portfolio trotz Zinsschwankungen tatsächlich zu Ertragssteigerungen beitragen könne. Sie hätten zwei hypothetische immunisierte Portfolios bestehend aus zwei Anleihen mit derselben Kreditqualität aber unterschiedlichen Kuponraten und unterschiedlicher Laufzeit sowie Duration zusammengestellt. Portfolio 1 umfasse zwei Anleihen mit einer Duration von vier und sechs Jahren, während die beiden Anleihen in Portfolio 2 eine Duration von vier und 16 Jahren aufweisen würden.

Beide Portfolios hätten eine durchschnittliche Duration von fünf Jahren, die dem Anlagehorizont der Experten entspreche. Sie hätten eine statische Analyse durchgeführt, bei der nur die Zinsen um ihr aktuelles Niveau von 2 Prozent herum schwanken würden, um zu sehen, wie sich die beiden Portfolios entwickeln würden. Dabei werde deutlich, dass Portfolio 2, das eine Anleihe mit längerer Duration umfasse, unabhängig vom Renditeniveau die höchsten Erträge erziele. Darüber hinaus biete das immunisierte Portfolio mit der höheren Konvexität - gemessen an der Krümmung im Verhältnis zwischen Anleihekurs und Rendite - den besten Ertrag, unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder fallen würden. (Ausgabe vom 02.08.2017) (03.08.2017/alc/a/a)